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Traditioneller Weihnachtsball auf völlig neuen Wegen

Tanzschule Schaller Altenburg Traditioneller Weihnachtsball auf völlig neuen Wegen

Wer am Sonntagabend den Weibermarkt in Altenburg entlang spazierte, dem wurde schnell klar: Hier passiert gerade Außergewöhnliches. Das Palais Reichenbach präsentierte sich im wechselnden Farbenspiel. In das sonst leerstehende Gebäude hatte die Tanzschule Schaller ihren Weihnachtsball 2015 verlegt und ihm ein neues Konzept verpasst.

Blick in einen der zwei Säle des Palais Reichenbach: Die Gäste des Weihnachtsballs schwingen das Tanzbein in historischem Ambiente
 

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Wer am Sonntagabend den Weibermarkt in Altenburg entlang spazierte, dem wurde schnell klar: Hier passiert gerade Außergewöhnliches. Das Palais Reichenbach – im Volksmund wohl immer noch das Pionierhaus, was es zu DDR-Zeiten einmal war – präsentierte sich im wechselnden Farbenspiel. Hinter den Scheiben sah man im Lichterglanz festlich gekleidete Menschen flanieren oder sich im Tanzschritt wiegen. Musik klang nach draußen. Der Grund ist tatsächlich außergewöhnlich, denn erstmals hatte die Tanzschule Schaller ihren Weihnachtsball in ein sonst seit langem leerstehendes Gebäude verlegt und damit der Traditionsveranstaltung ein gänzlich verändertes Konzept verpasst.

Wer am Sonntagabend den Weibermarkt in Altenburg entlang spazierte, dem wurde schnell klar: Hier passiert gerade Außergewöhnliches. Das Palais Reichenbach präsentierte sich im wechselnden Farbenspiel. In das sonst leerstehende Gebäude hatte die Tanzschule Schaller ihren  Weihnachtsball 2015 verlegt und ihm ein neues Konzept verpasst. Fotos: Mario Jahn

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Statt wie in den vergangenen Jahren im Kulturhof Kosma in einem großen Saal wurden diesmal verschiedene Räume und zwei im Vergleich zu Kosma deutlich kleinere Ballsäle genutzt. In der ersten Etage spielte eine Band zum Tanz auf, in der zweiten sorgte ein DJ für den richtigen Sound. Erstmals gab es neben den Sitzplätzen auch Flanierkarten zu kaufen. Das Programm des Abends wurde nicht kompakt zu Beginn des Balls geboten, sondern verteilt über den Abend und zeitversetzt auf beiden Etagen.

Viele Gäste der seit langem ausverkauften Veranstaltung kamen aus dem Staunen über das herrliche Ambiente und die Pracht des 1881/82 vom Bankier Reichenbach als Privathaus erbauten Gebäudes kaum heraus. Das Gründerzeit-Palais mit seinen aufwendigen Stuckdecken und seiner Marmortreppe sorgte trotz bröckelnden Putzes oder gerissener Wände für so manchen Aha-Effekt. Dem morbiden Charme konnte sich kaum ein Gast entziehen.

Weder Kosten noch Mühe gescheut

Henriette und Therese Schaller, die beiden Tanzschul-Chefinnen, scheuten weder Kosten noch Mühe, um das Haus für einen 20er-Jahre-Ball unter dem Motto „Lege artis – nach allen Regeln der Kunst“ nutzbar zu machen. Schon im Februar hatten die ersten Vorbereitungen begonnen, die im Sommer unter anderem mit dem Herausreißen des kompletten Fußbodens in einem der Ballsäle und dem Einbau neuer Toiletten ihren Höhepunkt erreichten. Auch mussten neue Stromleitungen verlegt werden. Und in den letzten Wochen und Tagen vor dem 27. Dezember dann wurde das gesamte Gebäude mächtig herausgeputzt. „Wir haben unsere Privatwohnungen geplündert, um in jedem Raum ein bisschen Flair zu bringen“, erzählt Henriette Schaller. Selbst die Porträts der Gründungsväter der Tanzschule, die sonst in deren Gebäude in der Johannisstraße hängen, fanden vorübergehend einen neuen Platz.

Dieses Wagnis und der immense Aufwand, der auch den Caterer des Abends vor eine gigantische Aufgabe stellte, fanden fast durchweg große Anerkennung. „Hier wurde alles mit ganz viel Liebe zum Detail ausgestattet, und das Ambiente ist einfach unschlagbar. Das ist Zeugnis der Altenburger Geschichte“, fand beispielsweise der Altenburger Frank Tanzmann, der trotz seiner gerade mal 30 Lenze zu den Stammgästen zählt. Weitaus länger gehört Gunthard Pallmann dazu. Der aktuelle Präsident des Lions Clubs schaute in diesem Jahr mit besonders wachem Blick auf das Drumherum, denn in seinen Händen liegt die Organisation des Schlossballs im Mai 2016. „Was die beiden Mädels hier geleistet haben, ist einfach phänomenal. Allerdings ist dies kein Ball, sondern eher eine wunderschöne Party.“ Dieser Meinung schloss sich auch Stefan Lowisch an, der sich ebenfalls seit Jahrzehnten den 27. Dezember frei hält.

Am neuen Konzept gestört

Am geänderten Konzept schieden sich am Sonntagabend die Geister. Vor allem das ältere Publikum störte sich an diesen Neuerungen. Denn wenn man etwas vom Programm erleben wollte, musste man seinen Platz verlassen und einen der beiden Ballsäle aufsuchen. Selbst dort sahen aber nur die Gäste in der ersten Reihe wirklich gut. Die dadurch unpassierbaren Zugänge machten dem Service-Personal zu schaffen. Zudem erreichte die Musik die anderen Räume kaum. Viele Gäste fühlten sich schlicht abgeschnitten. Hinzu kam eine ziemliche Schwüle.

So musste sich die Schaller-Familie besonders zu Beginn der Veranstaltung so manche Beschwerde anhören. „Das hat sich aber mit der Zeit beruhigt. Ein Herr beispielsweise, der in einem der hinteren Räume saß und anfangs besonders heftig Kritik übte, empfand den Abend am Ende doch als gelungen“, erzählt Henriette Schaller. Die Mehrzahl der Gäste habe solch eine Veranstaltung allerdings im Sommer besser aufgehoben gesehen und für einen traditionellen Weihnachtsball plädiert.

Dem wird auf jeden Fall so sein, denn 2016 wird wieder in den Kulturhof Kosma eingeladen. „L’hypnoise“ ist der Ball nächstes Jahr überschrieben, wie auf dem aktuellen Programmzettel schon zu lesen war. Denn für die Nutzung des Palais Reichenbach, das 2008 vom Landratsamt an einen Briten verkauft wurde, hatten Schallers nur eine Ausnahmegenehmigung erhalten.

Von Ellen Paul

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