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Trojanerinnen in Altenburg

Trojanerinnen in Altenburg

Buntes Sprachengewirr vor Probenbeginn im Heizhaus. Dabei scheint trotzdem jeder jeden zu verstehen. Das ist erstaunlich, denn was an Sprachfetzen durch den Raum schwirrt, gehört doch sehr verschiedenen Sprachfamilien an.

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Um das Modell des Trojanischen Pferdes haben sich im Foyer des Landestheaters Mitwirkende des Troja-Projekts versammelt. Schauspieler des Altenburg-Geraer Theaters agieren zusammen mit Gästen aus der Türkei, Griechenland, Bulgarien und Burkina Faso: Günisigi Zan (Produktionsassistentin), Rachelle Emmanuella Rasmata Ouedraogo, Burcu Yilmaz, Aikaterini Papanddreou, Chara-Mata Giannatou, Johanna Paliege (vorn v.l.), Regieassistent Heinrich Diemer, Mechthild Scrobanita, Katharina Weithaler, Ilgaz Ul

Quelle: Stephan Walzl

Schauspieldirektor Bernhard Stengele spricht einige dieser davon - ein eindeutig Paris-geprägtes Französisch, ein angenehm pragmatisches Englisch und Deutsch sowieso. Dass die zumindest für die Begrüßung ausreichenden türkischen Worte für den Außenstehenden alles andere als stockend klingen, spricht Bände und entlockt so mancher der jungen Schauspielerinnen ein schlicht hinreißendes Strahlen.

 

Altenburger und Altenburgerinnen auf Zeit sind die zwölf jungen Menschen aus der Türkei, Griechenland und Bulgarien. Der Grund dafür: eine außerordentliche Theaterproduktion. Gemeinsam mit Ensemblemitgliedern des Altenburg-Geraer Theaters - die aber nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Österreich, der Schweiz und Burkina Faso kommen - stellen sie sich einem antiken Stoff und einem schmerzlich zeitlosen Thema. Die Folgen von Krieg und Gewalt, von Unterdrückung stehen im Mittelpunkt der Tragödie "Die Frauen von Troja". Das Werk des Euripides diskutiert die Schicksale der Überlebenden.

 

In einem Casting mit Workshop-Charakter im türkischen Sirinice wurden die Gäste gefunden. Die wenigsten von ihnen kannten sich zuvor. Sie kommen von unterschiedlichen Theatern oder Bildungseinrichtungen sowie vielfach gegensätzlichen Theater- und Spieltraditionen und haben verschiedene Erfahrungen. Die 32-jährige Türkin Burcu Yilmaz zum Beispiel lebt in Strasbourg und hat ihre künstlerischen Wurzeln im Ausdruckstanz. Die 29-jährige Cigdem Aksüt weiß von der gerade abgeschlossenen Arbeit mit Fatih Akim an dessen neuem Film zu berichten, der in Cannes Premiere haben wird. In Deutschland geboren ist Milena Ivanova, die Musikerin mit bulgarischen Wurzeln, die schon in Würzburg mit Bernhard Stengele zusammenarbeitete, und die hier mit dem türkischen Musiker Ömer Avci an einer eindrucksvollen und berührenden Klangkulisse arbeitet.

 

Einige der jungen Darstellerinnen studieren bei Katharina Weithaler. Die Schauspielerin, Ensemblemitglied des Theaters, lehrt in Istanbul Körpertheater. Eine Lehrtätigkeit strebt auch die 26-jährige Ece Celikcapa an. Sie saugt die interkulturellen Erfahrungen mit verblüffender Intensität in sich auf. "Wie ein Traum" sei das, in einem solchen Projekt mitzuwirken. Und natürlich nehme sie auch so viel wie möglich an kulturellen Eindrücken mit. Das versuchen sie alle, wenn neben der kräftezehrenden und intensiven mehrsprachigen Arbeit noch Zeit bleibt.

 

Wie sich Frauen Mitte Zwanzig, die überwiegend aus dem quirligen Istanbul kommen, in Altenburg fühlen? Wer Deutschland schon kannte, kannte zumeist Berlin - das allerdings ist natürlich etwas völlig anderes als Altenburg. Zeigt sich die eine begeistert von der Ruhe hier, die man perfekt zur Erholung nutzen könne, meint die nächste, dass das vorübergehend schon einmal okay sei. Altstadt und Schloss haben beinahe alle beeindruckt und das Theater natürlich sowieso, haben die meisten doch bisher für freie Theater gearbeitet.

 

Und der Kontakt mit den Menschen? Die, denen sie bisher begegnet seien, waren nett und offen. Allerdings kann kaum eine der jungen Frauen ihre Verwunderung darüber verbergen, dass man ja auch recht wenige Leute in den Straßen treffe. Erdem Senocak vom türkischen Tiyatro Medresesi, zentraler Partner des "Frauen von Troja"-Projektes, genießt die intensive Arbeit und das Zusammentreffen so unterschiedlicher Richtungen.

 

So bunt es gerade noch zuging, so ernsthaft ist nun die Probenarbeit - nicht wirklich weniger Sprachen stehen im Raum. Denn in Stengeles Inszenierung der von Prof. Ulrich Sinn für das Altenburg-Geraer Theater neu übertragenen Tragödie "Die Frauen von Troja" wird neben Deutsch und Griechisch auch Türkisch und Französisch gesprochen. Eine dichte Sprachkomposition entspinnt sich, die sich erschließt, ohne dass man jedes Wort verstehen muss. Intensiv wird an der Verschmelzung von Gesang, Tanz und klassischem Tragödientext gearbeitet.

 

Plötzlich ist egal, woher einer kommt - das wovon hier erzählt werden soll, erlebt jede Kultur gleich. Und die gemeinsame Annäherung steigert so offenbar die Erlebensintensität. In Altenburg wird die Produktion am 3. Mai Premiere haben. Später wird sie natürlich in Gera, aber auch in der Türkei und in Griechenland auf die Bühne kommen. Tatjana Böhme-Mehner

Tatjana Böhme-Mehner

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