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Altenburg Trotz Diabetes Top-Favorit beim Skatstadt-Marathon: Vincent Hoyer im Porträt
Region Altenburg Trotz Diabetes Top-Favorit beim Skatstadt-Marathon: Vincent Hoyer im Porträt
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18:20 13.06.2014
Leichtfüßig auf Kurs: Vincent Hoyer vom LFV Oberholz läuft in der Region von Sieg zu Sieg - hier beim Markkleeberger Seelauf. Quelle: Christian Nitsche

Dass es wieder passiert. Dass plötzlich nichts mehr geht, wo sein Körper doch eben noch vor Kraft strotzte, sein Laufstil die Leichtigkeit des Seins ausstrahlte. Vincent Hoyer ist nach Jakob Stiller der zweitbeste Läufer der Region. Im Marathon schien der 24-Jährige vom LFV Oberholz sogar drauf und dran, dem LAZ-Athleten den Rang abzulaufen. Wäre da nicht jene Diagnose, auf die die Ärzte vor fünf Jahren bei einer Leistungsdiagnostik zufällig stießen: Diabetes.

Die Unterzuckerung kann ihn ständig treffen, vor allem aber bei langen Läufen. "Das schwierige ist, regelmäßig essen zu müssen - selbst wenn ich gar keinen Hunger habe. Manchmal bekomme ich nichts runter." Auch in der Uni muss der Jurastudent zum Riegel greifen, wenn er bei einer mehrstündigen Prüfung viel Energie verbraucht.

Wenn Vincent Hoyer 10-km-Läufe in etwas mehr als 30 Minuten absolviert, ist ihm nichts anzumerken. Wenn er im Halbmarathon antritt, zieht er vom ersten bis zum letzten Meter unbeirrt seine Kreise. Als Sportler will man mehr - und auf der legendären Marathon-Distanz glänzen, für die der Mann vom LFV Oberholz laut Trainer Ronny Martick ideale Voraussetzungen mitbringt.

Die Ärzte empfehlen ihm, dreimal die Woche einfach etwas Sport zu treiben. Doch für einen Vincent Hoyer, der viel zu gerne läuft, kommt solch ein Schmalspur-Programm nicht infrage. Wie Trainer Martick bedauert er, dass es zu wenig Literatur und Experten-Hilfe gibt, wie Diabetes-Patienten einen Marathon auf hohem Niveau durchziehen. Bekannt ist, dass Gewichtheber Matthias Steiner mit der gleichen Krankheit Olympiasieger geworden ist. Doch die körperlichen Belastungen auf der Heber-Bühne sind nicht zu vergleichen.

Vor zwölf Monaten glänzte Hoyer bei seiner Premiere über die 42,195 km auf dem schweren Kurs in Altenburg als Sieger mit Streckenrekord von 2:34:24 h. Schnell war klar: Da geht noch mehr! Vielleicht sogar eine Zeit unter 2:20, die momentan nur wenige Deutsche schaffen. Beim Dresden-Marathon Ende Oktober dann der erste Rückschlag: Bei Kilometer 26 stieg er entkräftet aus.

Auch der Oberelbe-Marathon vor sechs Wochen zwischen der Sächsischen Schweiz und der Landeshauptstadt verlangte ihm alles an Willenskraft ab. Lange lag er auf Siegkurs. Bei Kilometer 28 kam die Unterzuckerung - und das Leiden. Er schlich mehr als er lief, hielt nur durch, weil Freundin Karoline Robe (28) und sein Coach zur Stelle waren, ihn versorgten, ihm gut zuredeten. Er kam als Zweiter in 2:36:36 Stunden ins Ziel, das Interview ("Die Strecke war toll") gab er nur noch im Unterbewusstsein. Einen Satz von unterwegs hat er sich gemerkt: "Karo versprach, mir jeden Wunsch zu erfüllen, wenn ich nicht aufgebe."

Vincent Hoyer ist vorsichtig geworden. Den mit Glück errungenen Platz beim Berlin-Marathon will er nicht antreten, auch wenn er 100 Euro in den Wind schießt. Aufgeben kommt trotzdem nicht infrage: Beim Skatstadt-Marathon, wo auch die Freundin ihre Marathon-Premiere bestreitet, will er am Sonnabend am Start stehen. "Die Veranstalter haben mich immer wieder gefragt. Ich mache gerne mit." Nur auf eine schnelle Zeit ist er nicht aus. Möglichst gewinnen, ohne an die Grenzen gehen zu müssen - das wäre ideal. Heute soll es ja nicht ganz so warm werden. Vincent Hoyer jedenfalls hat nichts dagegen.

Frank Schober

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