Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Tschaikowski wundervoll verjazzt
Region Altenburg Tschaikowski wundervoll verjazzt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:35 19.12.2014
Das Orchester unter Leitung von Thomas Wicklein und Soloflötist Andreas Knoop begleiten die Sängerin Akiho Tsujii bei Adolphe Adams Bravour-Variationen über Mozarts "Ah! Vous dirai-je, Maman ". Quelle: Stephan Walzl

Die gab es an beiden Seiten mit Schlitten, Sack und großen bunten Päckchen. Dieser kleine Mann symbolisierte das Thema dieses Weihnachtskonzertes: die Nussknackersuite aus Peter Tschaikowskis gleichnamigem und zugleich letztem Ballett - das ultimative Weihnachtsballett seit hundert Jahren.

Diese Suite ist ein Auszug von Orchesterstücken aus diesem Ballett. Sie wurde seit ihrer Uraufführung 1892 in St. Petersburg vielfach verändert und adaptiert. Sie ist eine der genialsten und brillantesten Musiken, die für ein Ballett geschrieben wurde. Wer kennt nicht die berühmten Nummern wie den Tanz der Zuckerfee, den russischen Tanz, den Tanz der Rohrflöten oder den abschließenden Blumenwalzer?

Nun sollte also diese farbenfrohe und funkelnde Ballettmusik, dieses Schmuckstück der Orchesterliteratur als Konzert zu hören sein, was selten genug geschieht. So weit, so gut. Thomas Wicklein hätte mit seinem Philharmonischen Orchester einen soliden Konzertnachmittag hinlegen können. Wäre da nicht sein Kollege aus der Verwaltung, Claus Bloszik, gewesen, der nebenberuflich seit zwei Jahren ein Swingorchester sehr erfolgreich leitet. Er hörte im Radio zufällig Tschaikowskis Nussknackersuite als Arrangement für ein Jazzorchester aus der New Yorker Carnegie-Hall. Ellington verzwirbelte seinen Jazzstil, den Swing, mit Tschaikowskis Weihnachtsklassiker und schrieb 1960 mit seinem Freund und Musikgenie Billy Strayhorn eine meisterhafte musikalische Adaption davon. Sie machen den chinesischen Tanz nordafrikanisch, versetzen den Blumenwalzer in den 4/4 Takt und zerreißen der Zuckerfee den Faden, während sich das Tenorsaxophon durch den Asphalt zu bohren scheint.

Das gefiel Claus Bloszik gut, er studierte diese Fassung von Tschaikowskis Nussknackersuite ein. Das daraus mit Thomas Wicklein entstandene Projekt führte am Donnerstag zu einem weiteren außergewöhnlichen musikalischen Theaterereignis. Die neun Stücke wurden abwechselnd als Tschaikowskis Original vom Philharmonichen Orchester unter Leitung von Kapellmeister Thomas Wicklein oder von Blosziks Metropoliten Jazz Orchester in der Swingfassung gespielt. Das Konzert war eine glänzende Lehrstunde in Sachen Swing, und das überwiegend ältere Publikum war bereit, dabei mitzugehen. Ein Teil davon schien jazzerfahren zu sein. Ziemlich rasch entstand eine Stimmung wie in einer Music Hall. Zuerst der feurige "Trepak" der klassischen Interpreten, danach die Blechblasvariante der Jazzer, zuerst der "arabische Tanz" mit seinem leisen melancholischen Einschlag, danach das gleiche mit dem getragenen Bläsersatz und stimmigem Soli.

Das alles gefiel dem Publikum, es reagierte begeistert und schaffte eine gelöste Stimmung, die sich auf die Musikerinnen und Musiker anregend übertrug. Und da ist noch Thomas Wicklein als Moderator, dessen Markenzeichen schon immer die geistreichen Pointen sind. Aber diesmal sind seine kurzen Moderationen gespickt damit, und jede endet mit einem Knaller.

Aber der eigentliche Knaller im Programm ist der Auftritt der japanischen Sängerin Akiho Tsujii mit den Bravour-Variationen über das Lied "Morgen kommt der Weihnachtsmann" von Adolphe Adam ("Ah! Vous dirai-je, Maman"). Nicht enden wollender Jubel war der Lohn für diese Koloraturarie, an der sich alle großen Sängerinnen versucht haben.

Jubel gab es auch für das Philharmonische Orchester für das gewohnt stilsichere und lustbetonte Spiel und vor allem für das Metropolitan Jazz Orchester, das so präzise spielte, als hätten sie vorher gerade Bach geprobt. Beide gemeinsam gestalteten das Finale mit "Sleigh Ride". Ein außergewöhnliches und hoffentlich nicht einmaliges musikalisches Ereignis.

Manfred Hainich

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Auch wenn unter freiem Himmel das runde Leder weitgehend ruht, dreht sich in der Winterpause bei Werner Osten viel um den Fußball. Denn der stellvertretende Abteilungsleiter des SV Lokomotive Altenburg und viele seiner Helfer befinden sich derzeit in der heißen Phase für das traditionelle Neujahrsturnier im Goldenen Pflug am 4. Januar.

19.12.2014

Die Südost-Fleisch GmbH hat Investitionen angekündigt, um Lärm und Gerüche im Altenburger Schlachthof zu mindern. Das gab die Firmenleitung anlässlich eines Besuchs von Kommunalpolitikern in dem Betrieb bekannt.

16.12.2014

Während sich die meisten anderen Fußball-Ligen bereits in die Winterpause verabschiedet haben und höchstens noch Nachholspiele austrugen, ging es in der Kreisoberliga noch einmal richtig rund.

15.12.2014
Anzeige