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Tschaikowski wundervoll verjazzt

Tschaikowski wundervoll verjazzt

traditionellen Weihnachtskonzert des Theaters vorgestern Nachmittag präsentierte sich die Bühne im Hintergrund in festlicher Pracht. Vorn an der Rampe stand ein kleiner Nussknacker: Teil einer mickrigen oder unvollständigen Bühnendekoration? Mitnichten.

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Das Orchester unter Leitung von Thomas Wicklein und Soloflötist Andreas Knoop begleiten die Sängerin Akiho Tsujii bei Adolphe Adams Bravour-Variationen über Mozarts "Ah! Vous dirai-je, Maman ".

Quelle: Stephan Walzl

Zum - wieder einmal. Die gab es an beiden Seiten mit Schlitten, Sack und großen bunten Päckchen. Dieser kleine Mann symbolisierte das Thema dieses Weihnachtskonzertes: die Nussknackersuite aus Peter Tschaikowskis gleichnamigem und zugleich letztem Ballett - das ultimative Weihnachtsballett seit hundert Jahren.

 

Diese Suite ist ein Auszug von Orchesterstücken aus diesem Ballett. Sie wurde seit ihrer Uraufführung 1892 in St. Petersburg vielfach verändert und adaptiert. Sie ist eine der genialsten und brillantesten Musiken, die für ein Ballett geschrieben wurde. Wer kennt nicht die berühmten Nummern wie den Tanz der Zuckerfee, den russischen Tanz, den Tanz der Rohrflöten oder den abschließenden Blumenwalzer?

 

Nun sollte also diese farbenfrohe und funkelnde Ballettmusik, dieses Schmuckstück der Orchesterliteratur als Konzert zu hören sein, was selten genug geschieht. So weit, so gut. Thomas Wicklein hätte mit seinem Philharmonischen Orchester einen soliden Konzertnachmittag hinlegen können. Wäre da nicht sein Kollege aus der Verwaltung, Claus Bloszik, gewesen, der nebenberuflich seit zwei Jahren ein Swingorchester sehr erfolgreich leitet. Er hörte im Radio zufällig Tschaikowskis Nussknackersuite als Arrangement für ein Jazzorchester aus der New Yorker Carnegie-Hall. Ellington verzwirbelte seinen Jazzstil, den Swing, mit Tschaikowskis Weihnachtsklassiker und schrieb 1960 mit seinem Freund und Musikgenie Billy Strayhorn eine meisterhafte musikalische Adaption davon. Sie machen den chinesischen Tanz nordafrikanisch, versetzen den Blumenwalzer in den 4/4 Takt und zerreißen der Zuckerfee den Faden, während sich das Tenorsaxophon durch den Asphalt zu bohren scheint.

 

Das gefiel Claus Bloszik gut, er studierte diese Fassung von Tschaikowskis Nussknackersuite ein. Das daraus mit Thomas Wicklein entstandene Projekt führte am Donnerstag zu einem weiteren außergewöhnlichen musikalischen Theaterereignis. Die neun Stücke wurden abwechselnd als Tschaikowskis Original vom Philharmonichen Orchester unter Leitung von Kapellmeister Thomas Wicklein oder von Blosziks Metropoliten Jazz Orchester in der Swingfassung gespielt. Das Konzert war eine glänzende Lehrstunde in Sachen Swing, und das überwiegend ältere Publikum war bereit, dabei mitzugehen. Ein Teil davon schien jazzerfahren zu sein. Ziemlich rasch entstand eine Stimmung wie in einer Music Hall. Zuerst der feurige "Trepak" der klassischen Interpreten, danach die Blechblasvariante der Jazzer, zuerst der "arabische Tanz" mit seinem leisen melancholischen Einschlag, danach das gleiche mit dem getragenen Bläsersatz und stimmigem Soli.

 

Das alles gefiel dem Publikum, es reagierte begeistert und schaffte eine gelöste Stimmung, die sich auf die Musikerinnen und Musiker anregend übertrug. Und da ist noch Thomas Wicklein als Moderator, dessen Markenzeichen schon immer die geistreichen Pointen sind. Aber diesmal sind seine kurzen Moderationen gespickt damit, und jede endet mit einem Knaller.

 

Aber der eigentliche Knaller im Programm ist der Auftritt der japanischen Sängerin Akiho Tsujii mit den Bravour-Variationen über das Lied "Morgen kommt der Weihnachtsmann" von Adolphe Adam ("Ah! Vous dirai-je, Maman"). Nicht enden wollender Jubel war der Lohn für diese Koloraturarie, an der sich alle großen Sängerinnen versucht haben.

 

Jubel gab es auch für das Philharmonische Orchester für das gewohnt stilsichere und lustbetonte Spiel und vor allem für das Metropolitan Jazz Orchester, das so präzise spielte, als hätten sie vorher gerade Bach geprobt. Beide gemeinsam gestalteten das Finale mit "Sleigh Ride". Ein außergewöhnliches und hoffentlich nicht einmaliges musikalisches Ereignis.

Manfred Hainich

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