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Tückische Ausfahrt

Tückische Ausfahrt

In der Friedrich-Ebert-Straße wohnt Rudolf Spindler gerne. Wenn er allerdings mit seinem Auto aus der Grundstücksausfahrt will, ist immer ein ungutes Gefühl dabei.

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Eng und kaum einsehbar: Die Ein- und Ausfahrt an der Friedrich-Ebert-Straße ist nach Meinung der Anwohner kreuzgefährlich.

Quelle: Mario Jahn

Denn wenn er sein Auto auf die Ebertsstraße steuern will, muss er das beinahe blind tun, weil der anrollende Verkehr kaum sichtbar ist. Die Gefahr von Unfällen besteht beinahe täglich. Im Rathaus sieht man das aber ganz anders - und keinerlei Handlungsbedarf.

 

Von Jörg Wolf

 

"Seit die Straße vor gut 15 Jahren grundhaft ausgebaut wurde, rollt der Verkehr im Allgemeinen schneller. Kommende Autos sieht man kaum, weil die Ausfahrt in einer Rechtskrümmung der Straße liegt und heranfahrende Autos kaum zu sehen sind", so der 73-Jährige.

 

Er ist kein Einzelfall: Wie ihm geht es auch den meisten Anwohnern der Straße, die die dortigen Parkplätze und Garagen nutzen. "Allein um die 65 Garagen befinden sich dort", so Spindler. Wie gefährlich die Ausfahrt ist, beweisen dem Rentner schon etliche Fast-Karambolagen. Und ein tatsächlicher Unfall, bei dem das ausfahrende Fahrzeug eines Mieters als Schrott zurückblieb.

 

Spindler handelte. Seine Forderungen: Der Bereich soll zu einer Tempo-30-Zone gemacht werden. Ein Verkehrsspiegel auf der Straßenseite gegenüber könne die Straße für ausfahrende Wagen zudem besser einsehbar machen. Der 73-Jährige wandte sich erst an die Städtische Wohnungsgesellschaft und wurde von dort an die Stadtverwaltung verwiesen. Um zu belegen, dass andere Mieter die Forderungen teilen, sammelte er Unterschriften. "Ich habe bei 30 aufgehört. Es hätten aber locker auch 100 werden können."

 

Das war im Februar 2012. Getan hat sich bis heute allerdings nichts. "Müssen hier erst Menschen zu Schaden kommen, ehe sich etwas bewegt?", fragt Spindler sauer. Denn auch von der Stadt kamen nur Ablehnungen für ein Tempolimit. Und für einen Spiegel sei man gar nicht zuständig. "Ich habe mit unserem Oberbürgermeister über das Problem gesprochen und er versprach mir, sich zu kümmern. Aber passiert ist nichts", ist Spindler enttäuscht. Zum Beweis holt er einen Packen Briefe hervor, die den regen Schriftwechsel dokumentieren.

 

Im Rathaus ist der Fall bekannt. Nach Prüfung wurde er im Februar abgeschlossen - ergebnislos. Zur Verbesserung der Sicht seien auf Veranlassung des Vermieters Baum- und Strauchschnitt erfolgt, so Silke Arnold von der Pressestelle des Rathauses auf OVZ-Anfrage. Mehr indes ist nicht passiert: "Nach Meinung der Fachleute fehlen die Voraussetzungen für eine Geschwindigkeitsreduzierung, zudem würde es an den Sichtverhältnissen nichts ändern", wird in dem Schreiben aus dem Rathaus weiter mitgeteilt. Ein Verkehrsspiegel konnte auch nicht aufgestellt werden, weil der Grundstückseigentümer keine Einwilligung gab.

 

"Die einzige Möglichkeit aus Sicht von Fachleuten wäre eine Verringerung von Stellplätzen ober- und unterhalb der Grundstücksausfahrt. Eine Sichtverbesserung würde zwar eintreten, ist aber aus Sicht von Fachleuten nicht zielführend, da sich damit der ohnehin schon bestehende Parkdruck erhöhen würde", so die Sprecherin. Zudem sei die Straße in dem Bereich nicht als Unfallschwerpunkt bekannt.

 

Mit dem Stand will sich Rudolf Spindler nicht abfinden. "Ich fahre seit Jahrzehnten unfallfrei. Und das einzige, was ich im Rathaus als Tipp bekomme, ist, dass man sich doch einen Einweiser holen sollte, wenn einem die Ausfahrt zu unsicher ist." Jetzt planen die Anwohner um Spindler weitere Schritte. Wie die genau aussehen werden, steht zwar noch nicht fest. "Aber wir werden nicht aufgeben."

Jörg Wolf

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