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Turbulente Verwicklungen in der Komödie "Bezahlt wird nicht!"

Turbulente Verwicklungen in der Komödie "Bezahlt wird nicht!"

Die Kassen werden leerer, die Portemonnaies der kleinen Menschen sind es schon lange. Deshalb haben Antonia und Margherita beschlossen: "Bezahlt wird nicht!" Die gleichnamige Komödie von Dario Fo hatte am Samstag im Heizhaus Premiere.

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Spielen urwitzig: Jochen Paletschek, Vanessa Rose, Bruno Beeke und Anne Diemer (v.l.).

Quelle: Stephan Walzl

Altenburg. Von Uschi Lenk

Das lautstarke Geschnatter beginnt schon im Off. Im besten Italienisch ereifern sich Antonia und Margherita über die Zustände in ihrer Stadt. Über und über mit Einkaufstüten eines Supermarktes bepackt stürmen sie die Bühne - sprich Antonias Wohnung. Schon haben die beiden Frauen die Zuschauer am Wickel und lassen sie bis zum Ende nicht mehr los, beziehen sie in ihre Unterhaltung ein, holen sich Zustimmung zur eigenen Meinung über die miserablen Zustände im Lande. Dabei wettern sie schon bald nicht mehr nur auf Italienisch, sondern berlinern und machen dem bayerischen Dialekt alle Ehre. Schließlich finden sich soziale Missstände in jedem Land, an jeder Ecke, global eben.

Die irrwitzigen Verwicklungen hatte der italienische Literatur-Nobelpreisträger schon der 1974 uraufgeführten Farce ins Stammbuch geschrieben. Die Folgen des Euro, die internationale Finanzkrise und die Geschehnisse um Berlusconi veranlassten ihn 2009, sein Stück zu aktualisieren. Dem setzt das Inszenierungsteam vom Altenburg-Geraer Theater noch eins drauf: Nicht nur das jüngste Schuldendebakel in mehreren Euro-Ländern, auch die seit mehr als zehn Jahren von Haustarifvertrag und Gagenverzicht geprägte Situation des eigenen Ensembles kommen aufs Tapet. "Bezahlt wird nicht!" steht ganz in der Tradition des komischen Volkstheaters.

Es gibt genug Verwechslungsspiele in der Plattenbausiedlung, in der Antonia und ihr Mann Giovanni sowie Margherita und ihr Mann Luigi winzige Eigentumswohnungen besitzen. Die Zeiten sind schlecht, die Löhne zu klein, Antonia schon seit Monaten arbeitslos, den anderen droht gleiches, weil Betriebe wegen billigerer Arbeitskräfte ins Ausland verlagert werden. Wovon Raten, Gas, Strom, Kleidung bezahlen? Als plötzlich auch noch die Preise für Lebensmittel in die Höhe schnellen, beschließen die Frauen des Viertels, darunter auch Antonia und Margherita, nach einem eigenen Preissystem einzukaufen - bezahlt wird ein selbst bestimmter Preis oder gar nichts. Und weil Giovanni, der selbst im größten Elend noch auf Gesetz und Demokratie schwört, nichts davon erfahren darf, verstecken sie alles unterm Bett. Und später binden sie es sich um den Bauch und geben vor, schwanger zu sein - um es vor den hausdurchsuchenden Carabinieri zu schützen.

Damit beginnen die turbulenten Verwicklungen, in deren Verlauf die Ehefrauen immer groteskere Ausflüchte suchen. Sie müssen nicht nur ihre Männer täuschen, sondern auch diverse Ordnungshüter, sich mit Stromausfall und Räumungsbefehl auseinandersetzen. Die Situation scheint völlig aus dem Ruder zu laufen, als Luigi und Giovanni Lebensmittel von einem verunglückten LKW mitgehen lassen und versuchen, diese vor ihren Frauen im Schrank zu verstecken. Doch der ist bereits besetzt, denn die Angetrauten haben dort einen vermeintlich toten Carabiniere deponiert.

Die Inszenierung am Landestheater hat alles, was eine gute Komödie ausmacht, und Regisseur Stengele ein exzellentes kleines Ensemble, das mit Esprit spielt. Vanessa Rose gibt ihre Antonia als resolute Frau, die die kniffligsten Situationen immer wieder mit neuen, teils aberwitzigen Ideen zu meistern versucht und die - von der Dynamik der Massen getrieben - auch vor Raub nicht zurückschreckt. Anne Diemers Margherita ist eher ruhig, lässt sich aber von der Freundin mitreißen und überdreht völlig.

Auch die ein wenig begriffsstutzig wirkenden Männer können unterschiedlicher nicht sein: Jochen Paletscheks Giovanni macht glaubhaft eine Wandlung durch vom ehrenhaften Kommunisten zu einem Menschen, der gewaltsamen Protest und Revolten zu akzeptieren beginnt, so wie es Manuel Kressins Luigi schon lange tut. Und dann ist da noch Bruno Beeke, sozusagen als Faktotum - er ist Wachtmeister und Carabiniere, Leichenbestatter und nicht zuletzt Giovannis Vater in einer Person. Hut ab!

Wer einen überaus unterhaltsamen, dabei tiefgründigen Theaterabend erleben will, dem sei "Bezahlt wird nicht!" wärmstens empfohlen.

Die nächste Vorstellung ist am Freitag, 19.30 Uhr, mit anschließendem Publikumsgespräch.

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