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Altenburg Turmknopf der Bartholomäikirche offenbart seltenen Schatz
Region Altenburg Turmknopf der Bartholomäikirche offenbart seltenen Schatz
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20:49 16.01.2012
12 000 bis 15 000 Euro sollen die Münzen wert sein, die im Turmknopf der Bartholomäikirche gefunden wurden. Quelle: Mario Jahn

Von Patricia Liebling

Gespannt beobachtet die kleine Gruppe an Interessierten jeden Handgriff von Reinhard Kwaschik. Behutsam wickelt er die einzelnen Teile - den "Schatz", wie er selbst sagt - aus der Luftpolsterfolie. "Das ist etwas Einmaliges", sagt der Pfarrer. Gleich zu Beginn stellt er klar: "Das Pergament in der Flasche wurde heimlich hineingelegt. Der Gemeindekirchenrat hat das nicht autorisiert." Auf den drei Seiten, die sich durch die lange Aufbewahrung in der Flasche wellen, beschreibt Zimmermann Richard Lungwitz die Situation Deutschlands - finanziell, wirtschaftlich und politisch. Und das auf eine, wie Kwaschik sagt, offenherzige Weise.

Gleich zu Beginn verliest der Pfarrer seine Übersetzung der Schrift vom 20. Juni 1905. Von einem Blitzschlag, der die Neigung der 240 Jahre alten Kugel zur Folge hatte, ist die Rede. Und davon, wer die alte Stange, die den Halt des Turmknopfes gewährleistete, ersetzte. Explizit nennt er den Lohn von 45 Pfennigen, den es für diese Arbeiten gab und fügt hinzu, dass Turmarbeiten zehn Pfennige mehr einbringen. Amüsiert betont Kwaschik beim Vorlesen den Zusatz des Zimmerers: "Es möge der Stiel wieder verfaulen."

Die Interpretation dieser Worte überlässt er den Zuhörern. Weiter wird der regierende Kaiser Wilhelm II. erwähnt, der Kampf zwischen Deutschland und dem südwestafrikanischen Bantuvolk, die Ausbeutung der Steuerzahler sowie die Kosten für Brot, Butter und Kartoffeln. Der Brief schließt mit den Worten: "Es grüßt bis zum Funde. Zimmermann Richard Lungwitz."

Der Fund, das war im letzten Jahr, als der Turmknopf mit schwerer Krantechnik vom Kirchturm gehoben wurde. Seither hat Pfarrer Kwaschik die Utensilien aufgehoben. Zusammen mit Klaus Uhlmann, dem Vorsitzenden der Altenburger Münzfreunde, nahm er unter den wachsamen Augen der Gäste die einzelnen Münzen, die älteste darunter aus dem Jahr 1547, unter die Lupe. "Das ist ein schönes Stück", sagt Uhlmann und hält den breiten Taler in die Luft. Kwaschik hat Uhlmann mit der Dokumentation der Münzen und Medaillen beauftragt. "Ich habe nichts darüber gefunden, dass die Münzen 1905 schon einmal dokumentiert wurden", sagt Uhlmann, der damit für die erste Aufzeichnung der Stücke sorgen würde. "Was kriegen wir, wenn wir sie verjubeln?", fragt Kwaschik scherzhaft. Laut Uhlmann sollten bei einer Auktion etwa 12 000 bis 15 000 Euro möglich sein - eine stattliche Summe, zu der vor allem die "nicht im Münzkatalog vermerkte Rarität"- ein halber Taler aus dem Jahr 1643 - ihren Teil beiträgt.

Trotzdem wird Kwaschik die Münzen wieder im Turmknopf verstauen, wenn dieser im Februar, so ist der Plan, wieder auf den Kirchturm gesetzt wird. "Das wird wieder ein Staatsakt", ist er sich sicher. Bis dahin muss sich der Pfarrer noch überlegen, was er selbst im Turmknopf für die Nachwelt aufheben will. "Vielleicht einen eingeschweißten Stick mit Dokumenten", überlegt er, "aber noch ist ja Zeit."

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