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Über Altenburgs Wagner-Werbung liegt ein brauner Schatten

Stadt und Theater Über Altenburgs Wagner-Werbung liegt ein brauner Schatten

Altenburg hat mit dem Landestheater und der Richard-Wagner-Stiftung Leipzig jüngst einen Flyer herausgegeben. In diesem wirbt die Skatstadt offen und unkommentiert in ganz Mitteldeutschland mit tief in der Nazi-Ideologie verhafteten Verwandten des umstrittenen Komponisten.

Mit diesem Flyer wirbt die Stadt Altenburg unter anderem mit Richard Wagners Nazi-Verwandtschaft.

Quelle: Thomas Haegeler

Altenburg. Die Stadt Altenburg ist für vieles bekannt: Skatspiel, Prinzenraub, Spalatin, Barbarossa und unzählige Denkmale. Seit kurzem wirbt man nun auch mit Richard Wagner um die Gunst von Touristen und hat sich dafür mit dem Altenburg-Geraer Theater und der Richard-Wagner-Stiftung Leipzig zusammengetan. Letztere wiederum gab Mitte März zur weltgrößten Urlaubs- und Tourismusmesse, der Internationalen Tourismusbörse Berlin, eine Flyer-Serie zu 19 Wagner-Orten in Mitteldeutschland heraus – und Altenburg ist Teil davon, wenngleich auch ein problematischer. Die Idee dahinter: Die jeweiligen anderen Mitglieder des Netzwerkes zu bewerben und die Wahrnehmung zu erhöhen.

Anfang des Jahres, als die Anfrage der Wagner-Stiftung kam, habe sie sich schon gefragt, wo denn eigentlich die Spuren des großen Komponisten und Schriftstellers in Altenburg liegen, gibt Jeannette Kreyßel zur Präsentation des 500 Euro teuren Flyers am Mittwoch unumwunden zu. Nach einigen Unterhaltungen und etwas Recherche war der Tourismus-Expertin der Stadt aber klar: „Das, was uns verbindet, ist das Theater.“ Im selben Atemzug beugt sie jedoch allzu großen Erwartungen vor: „Wir sind keine Wagner-Stadt.“

Altenburger Theater als „Wiege Neu-Bayreuths“

Im Detail gibt es laut Flyer neben dem kurzen Kontakt mit der Skatstadt auf der Flucht nach dem Dresdner Maiaufstand 1849, an dem Wagner beteiligt war, drei Verbindungen. Eine ist der einstige Musikdirektor des Herzogtums Sachsen-Altenburg Christian Gottlieb Müller, von dem Wagner – allerdings weit vor dessen Zeit in der Residenzstadt – in die Harmonielehre und das Dirigieren eingeführt wurde. Die zweite ist die vielleicht überraschendste und heißt Otto Brückwald. Denn der Altenburger Hofbaumeister errichtete nicht nur das Wagner-Festspielhaus in Bayreuth, sondern zuvor auch schon das Theater der Skatstadt. Komplettiert wird das Ganze durch Richard Wagners Enkel Wieland, der zwei Jahre am Altenburger Haus Bühnenbilder entwarf und Regie führte.

Mit Wieland Wagner aber wird das Ganze problematisch. „Von 1942 bis 1944 war Altenburg von Mutter Winifred Wagner in Absprache mit der Reichsregierung als Ausbildungsstätte für den Wagner-Enkel Wieland ausersehen worden“, heißt es im Flyer über den späteren künstlerischen Leiter der Bayreuther Festspiele. Weitergehende Informationen liefert der laut Kreyßel vom früheren Chef des Theatervereins, Frieder Krause, beigesteuerte Text jedoch nicht. So bleiben etwa die engen Verbindungen Winifred und Wieland Wagners zu Adolf Hitler und ihre tiefe Verankerung in der NS-Ideologie unerwähnt. Dafür wird das Altenburger Theater als „die Wiege Neu-Bayreuths“ gepriesen.

Immerhin war Richard Wagners Schwiegertochter Winifred nicht nur Duz-Freundin Hitlers, sondern auch eine seiner wichtigsten Unterstützerinnen während und nach der Haft in Landsberg, wo er „Mein Kampf“ schrieb.

Flyer in 19 Städten und Gemeinden erhältlich

Als Dank dafür erhob er das von ihr geleitete Bayreuther Festival in den Rang von „Kriegsfestspielen“. Hinzu kommt, dass Hitler selbst Wieland Wagner zunächst vom Kriegsdienst befreite, er dann aber 1944/45 eine Führungsposition in der Außenstelle des Konzentrationslagers Bayreuth bekam, in der Zwangsarbeiter Teile für Raketensysteme herstellten. Zuvor holte sich der Wagner-Enkel in Altenburg das Rüstzeug, um 1943/44 im Sinne Hitlers und Goebbels Propagandamaschinerie die Bühne für „Die Meistersinger von Nürnberg“ zu dekorieren, an denen auch die SS-Standarte Wiking mitwirkte.

All das sucht man in den nun in 19 Städten und Gemeinden erhältlichen Flyern vergeblich. Stattdessen wirbt Altenburg von Weimar und Meiningen (Thüringen) über Weißenfels, Ermlitz und Dessau (Sachsen-Anhalt) bis hin zu Graupa, Chemnitz und Müglenz/Thammenhain (Sachsen) für sich mit Richard Wagner, seinen Spuren – und seiner Nazi-Verwandtschaft. Den Flyer bekommt man selbstverständlich auch im Landestheater Altenburg sowie in der Altenburger Tourismus-Information.

Von Thomas Haegeler

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