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Überraschte und Zufriedene

Überraschte und Zufriedene

Wenn Schauspieldirektor Bernhard Stengele - sonst eher bekannt für lässige Outfits - sich in Schale schmeißt, dann darf man sicher sein: Etwas Festliches steht an im Landestheater.

Altenburg.

Wenn er dafür sogar den Smoking und die Fliege wählt, außerdem am Eingang der rote Teppich ausgerollt ist und am Balkon Riesenschleifen prangen, dann wird aus dem Festlichen etwas Außergewöhnliches. So geschehen am Pfingstsonntag, als in Altenburg die Theater-Oskars 2014 verliehen wurden.

 

Seit nunmehr elf Jahren küren die beiden Theatervereine in Altenburg und Gera gemeinsam ihre Favoriten der zu Ende gehenden Spielzeit. In diesem Jahr war es an den Altenburgern, als Gastgeber gemeinsam mit dem Theater diese Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Auch wenn sich der Geraer Verein im vergangenen Jahr im Alleingang wieder für das kleine Format entschieden hatte und die Oskars auf der kleinen Bühne am Park verlieh (OVZ berichtete), ließen die Skatstädter nicht vom Großen Haus ab. "Wir haben keinen Theaterball wie die Geraer, deshalb soll zumindest aller zwei Jahre zur Oskar-Verleihung alles entsprechend groß und festlich sein", so Vereinschefin Barbara Grubitzsch.

 

Und das war es denn am Sonntag, auch wenn man sich schon ein paar mehr Zuschauer gewünscht hätte. Denn vom Theater wurde ein ausgesprochen hochkarätiges Programm auf die Beine gestellt - in erster Linie gestaltet von den in den einzelnen Kategorien Nominierten. Vom Pas de deux aus Cinderella über ein Medley aus "Wenn es Nacht wird in Meuselwitz", einem Terzett aus Anatevka bis hin zu großer Oper reichte das mit viel Beifall bedachte etwa anderthalbstündige Programm. Von Bernhard Stengele moderiert - im angemessenen Outfit, aber alles andere als steif. Im Gegenteil. Der Schauspieldirektor stellte einmal mehr sein Talent für solch ungewöhnliche Aufgaben unter Beweis. Allein durch seine völlig unkonventionelle Eröffnung hatte er sofort das Eis gebrochen, die Zuschauer auf seiner Seite und mögliche Patina von dieser Veranstaltung im Handumdrehen weggeputzt. Sogar bei der Bekanntgabe der Nominierten in den einzelnen Kategorien kam er völlig ohne Spickzettel aus.

 

Und dennoch war es durchaus festlich angesichts der entsprechend gestalteten Bühne, mit den vom Orchester intonierten Fanfaren und Preisträgern, die eine goldene Treppe herunter schritten, um einen kleinen goldenen Jungen in Empfang zu nehmen. Auch wenn allen Nominierten für den Fall des Theateroskar-Gewinns offenbar schon vorab signalisiert wurde, ihre Dankesreden nicht à la Hollywood bis zur hilfsbereiten Oma auszudehnen, blieben Aufregung, Überraschung und Dankbarkeit dennoch auch in den kurzen Reden der Preisträger spürbar. So etwa bei Solo-Piccolo-Flötist Matthias Hiekel, der ganz baff über den Gewinn war, spiele er doch nur ein so kleines, unscheinbares Instrument. Und auch Schauspieler Henning Bäcker hatte eigenen Aussagen zufolge überhaupt nicht damit gerechnet, den Oskar zu gewinnen. Denn zu groß sei mit Manuel Struffolino und Philipp Reinheimer die Konkurrenz gewesen. Im Musiktheater hatte Katie Bolding die Nase vorn und im Ballett Stefania Mancini.

 

Während all diese Künstler zumindest wussten, dass sie "im Topf" waren, traf es die Chorsängerin Claudia Müller hingegen völlig unvorbereitet. Denn sie erhielt den Ferschinger-Mäder-Preis als bester Nachwuchskünstler in der Sparte Musiktheater. Er wird vom Altenburger Theaterverein im Zweijahresrhythmus verliehen und ist mit 500 Euro dotiert - in Erinnerung an die langjährig am Landestheater engagierte Sängerin Gretel Ferschinger-Mäder. "Claudia Müller hat als Mezzosopranistin zunehmend auch solistische Aufgaben übernommen und dort sehr überzeugen können", begründete die Theatervereinsvorsitzende Barbara Grubitzsch die Entscheidung.

 

Erst zum zweiten Mal verliehen wurde der Innovationspreis, der in diesem Jahr an den Schauspieler Manuel Kressin ging - für seine Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Zuletzt war dem unter seiner Regie entstandenen Musical "Chirpy, Chirpy, Cheep, Cheep" ein fast sensationeller Erfolg beschieden. Es sei eine tolle Sache, dass solchen Produktionen für und mit jungen Leuten die gleiche Unterstützung zuteil werde wie jeder anderen Produktion, freute sich Manuel Kressin.

 

Der wichtigste Preis indes dürfte - wie im großen, fernen Hollywood für den besten Film - der Oskar für die beste Inszenierung sein. Hier und nur hier war Bernhard Stengele, der alle Umschläge öffnen und die Sieger verkünden durfte, ein klein bisschen seiner Spontanität abhanden gekommen: Er selbst nämlich gewann den Preis als Regisseur für sein Altenburger Widerstands-Stück "Die im Dunkeln". Zufrieden sei er mit dieser Entscheidung der Jury, sagte er. Mehr war ihm nicht zu entlocken. Doch er darf mehr als das. Er darf sehr stolz sein. © Kommentar Seite 11

Ellen Paul

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