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Umjubelte Premiere von Mozarts "Zauberflöte" am Landestheater Altenburg

Umjubelte Premiere von Mozarts "Zauberflöte" am Landestheater Altenburg

Laut Richard Wagner hat Mozart mit der Zauberflöte die erste deutsche Oper erschaffen, und das könne man nicht genügend würdigen.

Altenburg.

 

Die Deutschen haben diese Oper gewürdigt und lieben gelernt und über Jahrhunderte hinweg bis heute als die am meisten gespielte Oper gekürt. Das Altenburg-Geraer Theater liegt da gut im Trend, denn seit der Fusion wurde sie etwa aller fünf Jahre auf die Bühnen beider Städte gebracht und vom Publikum angenommen. Das wird nach der umjubelten Premiere am Sonntagabend im Landestheater nicht anders sein.

Denn was da in der Regie von Ansgar Weigner und in der Ausstattung von Duncan Hayler dem Publikum angeboten wird, ist schön anzuschauen und wunderbar zu hören. Da wird eine Oper aus alter Zeit so zeitlos und dennoch so aussagekräftig und mit Geist und Charme inszeniert, dass man sie dafür als Modell-Inszenierung bezeichnen könnte. Der Zuschauer muss nicht erschrecken, wenn er noch während der Ouvertüre auf der Bühne eine schneereiche Schweizer Gebirgslandschaft gewahr wird, in der sich wie in Thomas Manns "Zauberberg" reiche Damen und Herren in einem Sanatorium tummeln. Auch ein junger weiß gekleideter Patient, der durch einen Traum aus diesem Winterparadies in die Märchenwelt der Zauberflöte als Tamino fällt. Die Angestellten und Gäste nimmt er mit in seinen Traum.

Diese Rahmenhandlung umgibt ein Szenengeflecht aus deftigem Volkstheater, Singspiel, musikalischem Schwank, Buffo-Oper und Opera Seria und ermöglicht durch Streichung zu langer Dialoge im Sarastro-Reich einen flotten abwechslungsreichen Handlungsablauf, der beste Unterhaltung bietet. Mit seinem Märchencharakter scheint dieses Singspiel für Kinder geschrieben zu sein - und richtet sich doch an Erwachsene. Regisseur und Ausstatter haben sie aber für beide auf die Bühne gebracht. So eignet sich diese Zauberflöte auch für die ganze Familie und kann als zusätzliches Weihnachtsmärchen für Altenburg angesehen werden.

Die Wirkung dieser Inszenierung beruht darauf, dass in spektakulärer szenischer Ausstattung verbunden mit dem Einsatz der Bühnenmaschinerie allerlei Zaubereien die Kernhandlung - den Sieg der Liebe über die Gefahr - umranken. Die märchenhaften Bühnenbilder und die oft witzigen Kostüme sind voller Effekte und fordern nicht nur den Applaus des Publikums heraus, sondern auch dessen Fantasie. Wenn die Königin der Nacht haushoch hereinschwebt und in der Rache-Arie ihre Riesenarme fast den Bühnenraum ausfüllen, sind das nur zwei Beispiele dafür. Musikalisch erleben wir meistens eine flotte Gangart. Die geht Jens Troester mit dem hervorragend disponierten Philharmonischen Orchester an und zaubert trotzdem weich und elegant ausbalancierte Tempi und eine Transparenz, wie sie Mozarts Musik braucht.

Und es begleitet ein Solistenensemble mit einheitlich hoher Qualität ohne eine musikalische Kerbe. Im Gegensatz zur Inszenierung in Gera gibt es eine fast komplette Neubesetzung mit zahlreichem stimmlichen Zugewinn. Kim Sheehan wird zum Ereignis, ist wirklich eine sternblitzende Königin der Nacht und singt ihre Koloraturen mit Furore und Brillanz. Jule Rosalie Fortisch hat mit der Pamina ihr Debüt und überrascht in Spiel und Gesang mit einer Leichtigkeit, die der Rolle viel von ihrer Tragik nimmt. Der Tamino wird von Michael Siemon, leicht erkrankt und dadurch indisponiert, trotzdem klangschön mit klarem fließenden Ton und im ersten Teil noch voller Strahlkraft gesungen. Stephan Klemm gibt dem Sarastro Würde und Menschlichkeit und überzeugt gesanglich mit seinem sonoren Timbre in Höhe und Tiefe. Kai-Uwe Fahnert spielt und singt stimmlich gut den naiven Naturburschen Papageno so sympathisch, wie man ihn mag.

Paula Rummel als Papagena, Christoph Kayser als Monostatus, Kai Wefer als Sprecher und Geharnischter, die drei Damen und die drei jungen Sängerinnen als die Knaben sowie einige Chorsolistinnen und -solisten wie der gesamte Opernchor geben im Spiel wie im Gesang der Aufführung ein Niveau, das am Ende zu langen Beifallsbekundungen führt. Eine große Oper in einer tollen Aufführung. Manfred Hainich

Weitere Vorstellungen: 16. und 22. Dezember, 19.30 Uhr; 25. Dezember, 18 Uhr; 9. Februar, 14.30 Uhr; 18. März, 14.30 Uhr; 3. Juli, 19.30 Uhr. Karten an der Theaterkasse (☎ 03447 585160) sowie online unter www.tpthueringen.de

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