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Altenburg Umwelt-Krimi in Göhren: Wer hat Giftstoffe in der Erde versenkt?
Region Altenburg Umwelt-Krimi in Göhren: Wer hat Giftstoffe in der Erde versenkt?
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06:05 23.03.2017
Seit Mittwoch wird das mit Phenolen und Benzol verseuchte Erdreich am Kleinen Jordan in Göhren ausgebaggert und in einer Schadstoff-Deponie entsorgt. Quelle: Mario Jahn
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Göhren

Ein übler Geruch legt sich dieser Tage auf das idyllische Göhren, das so gar nicht zum Örtchen an der Eisenberger Landstraße passt, wo die Wiesen beginnen, wieder grün zu werden. Manchmal schwappt hin und wieder vielleicht etwas aus der Kompostieranlage herüber. Jetzt aber wähnt man sich unmittelbar an einem Chemiewerk. Es stinkt nach altem Öl, Benzin und Teer. Die Quelle dafür liegt gleich hinter dem Gasthaus. Es ist eine Grube, in der man sofort erkennt, dass dort nicht nur Erde oder Lehm liegt, sondern eine ölig-schwarze Pampe.

Und gleichsam mit dem Gestank schwebt ein großes Fragezeichen über Göhren. Wie konnten solch üble Dinge in die Erde kommen? Bei der Bachbettsanierung des Kleinen Jordan wurde der Schmutz in der vergangenen Woche entdeckt. Uferbereiche und das angrenzende Grundstück waren betroffen, schnell mussten Bindemittel ausgebracht und Öl abgepumpt werden, um zu verhindern, dass der Bach verseucht wird (die OVZ berichtete).

Doch Göhren hatte Glück im Unglück. Seit Mittwoch steht fest, dass das Erdreich nur begrenzt verschmutzt wurde. Das erklärte Birgit Seiler, die Fachdienstleiterin Umwelt im Landratsamt vor der Presse. Sie beruft sich dabei auf ein Gutachten einer Fachfirma aus Ziegelheim und deren Analyse des zutage geförderten Materials, das durch vier Meter tiefe Sondierungsbohrungen gewonnen wurde. Bei drei der acht vorgenommenen Bohrungen, vor allem rund um eine Holzhütte, wurden dabei extrem hohe Belastungen durch verschiedene Umweltgifte, wie beispielsweise Benzol und Phenole, festgestellt. Das belastete Material befindet sich auf einer Fläche von sechs mal sechs Metern, 2,5 Meter in die Tiefe gehend. Abgedeckt ist das verseuchte Areal durch eine Erd- und Lehmschicht.

Noch ist völlig unklar, wie die Stoffe dorthin gelangten. Nie stand dort eine Tankstelle oder ein Gewerbe, selbst auf den 1400 Altlasten-Verdachtsstandorten des Kreises ist jener Fleck nicht verzeichnet.

„Das macht uns alle fertig“, rätselt auch Roberto Bauer darüber, wie der Schmutz ins Erdreich kam. Der 58-Jährige war 14 Jahre Bürgermeister und zuvor elf Jahre Vize, spielte schon als Kind auf der Wiese Fußball. „Ich begreife das überhaupt nicht. Niemand kann sich das erklären.“ Bauer würde es bemerkt haben, wenn sich jemand dort zu schaffen gemacht hätte. Er schließt aus, dass das Material im Zuge des Baus der Holzhütte dorthin gelangte, weil dafür nur ein dünnes Fundament errichtet wurde.

Fünf der acht Bohrungen rund um den Tatort sind unauffällig, so dass das Gutachten davon ausgeht, dass das Material nur auf jener 36 Quadratmeter großen Fläche liegt und nicht aus der Umgebung angeschwemmt wurde. Durch den Lehmboden sei der nur wenige Meter weit entlangfließende Kleine Jordan nicht verschmutzt worden, erläutert Seiler.

Durch diese lokale Eingrenzung wiederum hält sich die Beseitigung der Umweltschäden in Grenzen, die das Landratsamt bereits am Freitag angeordnet hat. Zuständig dafür ist die Gemeinde Göhren, die am Mittwoch schon damit begonnen hat. Das Erdreich wird ausgehoben und muss in einer Schadstoff-Deponie entsorgt werden. Das sind etwa 144 Kubikmeter. Die Arbeiten werden vermutlich drei bis vier Tage dauern. Das Ausbaggern ist dabei der geringste Kostenfaktor, am teuersten ist die Entsorgung. Rund gerechnet kommen auf die Gemeinde Kosten in Höhe von 40 000 bis 50 000 Euro zu. Hinzu kommt der Baustopp für die Ufersanierung, der nun schon zehn Tage andauert und das Gutachten. Noch ist unklar, wie das Geld aufgebracht wird.

Birgit Seiler zollte den Verantwortlichen in Göhren Respekt, die gegen die Entsorgungsanordnung des Landratsamtes keine Rechtsmittel eingelegt und auch kein Gegengutachten in Auftrag gaben und sofort mit den Arbeiten begannen.

Von Jens Rosenkranz

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