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Umweltministerin nimmt in Schelditz Pilotanlage in Betrieb und ärgert sich über Kritik

Sanierungsfall Umweltministerin nimmt in Schelditz Pilotanlage in Betrieb und ärgert sich über Kritik

Eine Testanlage zur Reinigung des belasteten Grundwassers in Schelditz hat am Freitag von Anja Siegesmund (Grüne) in Betrieb genommen. Die Umweltministerin ging auch auf die Beschwerden jener Schelditzer ein, die seit Monaten auf eine Entschädigung ihrer verseuchten Häuser warten. Eine Lösung soll nun im Juli vorliegen.

Anja Siegesmund (l.) riecht an einen Glas gereinigten Grundwassers, beobachtet von Stefanie Apelt von der Betreiberfirma und Bürgermeister Steffen Stange

Quelle: Mario Jahn

Rositz. Selbst eine Ministerin verzählt sich leicht, wenn zu viele Behörden die Sanierung des verseuchten Grundwassers in Schelditz lenken. Umwelt- und Finanzministerium, Landesverwaltungsamt und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft seien jene vier Räder, ohne die sich im Rositzer Ortsteil nichts bewegt, sagte Anja Siegesmund (Grüne) bei ihrem Besuch am Freitag. Auch die Achsen müssten gut geschmiert sein. Und das waren sie überhaupt nicht, als noch das Landratsamt für Schelditz zuständig war, bemerkte die Politikerin, ehe ihr auffiel, dass sie die Landesentwicklungsgesellschaft vergessen hatte – quasi als fünftes Rad.

Dennoch läuft die Schelditz-Sanierung für die Ministerin jetzt wie geschmiert. Beweis dafür war am Freitag eine in Betrieb genommene 180 000 Euro teure Pilotanlage, die das vor allem mit giftigen Benzolen belastete Grundwasser testweise reinigt. 60 Liter verschmutzte Flüssigkeit, abgepumpt aus einem etwa einen Quadratmeter breiten Brunnen, können mit der Anlage pro Stunde gereinigt werden. Das geschieht mit verschiedenen Filtern und biologisch mit Mikroorganismen, von denen schätzungsweise zwölf Milliarden in jenem blauen Container in der Talstraße mitarbeiten. Das gereinigte Wasser unterschreitet die vorgeschriebenen Grenzwerte bei Trinkwasser und wird in die Kanalisation weitergeleitet.

Seit Freitag wird getestet, unter welchen Bedingungen Filter und Biologie noch weiter belastet werden können, um auf maximal 120 Liter pro Stunde zu kommen. Anhand der innerhalb eines Jahres gesammelten Daten wird hochgerechnet, wie die Anlage einmal dimensioniert sein muss, die dann das gesamte belastete Grundwasser in Schelditz reinigen soll. Denn das ist das Ziel, samt anderer Lösungen, wie Bachumverlegung, Straßenanhebung und eben dem Einbau von Bodenfiltern.

Noch immer keine Lösung gibt es dagegen bei der Entschädigung jener Schelditzer, deren Häuser derart belastet sind, dass sie nur noch abgerissen werden können. Für sie hatte Siegesmund vor 14 Monaten Entschädigungen zugesagt, die seitdem aber ausstehen, was einige Betroffene und auch der Rositzer Bürgermeister Steffen Stange (parteilos) jüngst deutlich kritisierten (OVZ berichtete).

Bei den Entschädigungen gebe es keine Verzögerung, sagte Siegesmund der OVZ. Es werde mit Hochdruck daran gearbeitet, eine rechtssichere Lösung zu finden. Sie empfinde den durch die Kritik erzeugten Eindruck als ärgerlich, dass dieser eine ungeklärte Punkt die gesamte Sanierung infrage stellt. Diejenigen, die nur auf die Entschädigung achten, sehen nicht die Komplexität des gesamten Großprojekts. Gerade dabei sei man weit vorangekommen, vor allem wenn man weiß, woher „wir kamen und wo wir heute stehen.“ Bei aller berechtigten Ungeduld der Menschen sehe sie das Glas halb voll, statt halb leer, sagte die Ministerin.

Die Entschädigungen waren ebenso Thema bei einem internen Planertreffen in Rositz, an dem Siegesmund teilnahm. In einer zuvor vom Ministerium herausgegebenen Presseerklärung wurden die Zahlungen an die Hausbesitzer als zentrale Frage bezeichnet. Darüber verhandele man derzeit mit dem Bund. Eine Einigung könnte bei Zustimmung der beteiligten Gremien Ende Juni vorliegen.

Die Haltung der Bundesregierung zum Thema Entschädigung geht aus einem der OVZ vorliegenden Schreiben von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) an den Bundestagsabgeordneten Volkmar Vogel (CDU) hervor, der sich nach dem Stand der Zahlungen bei der Ministerin erkundigt hatte, die selbst bereits in Schelditz war und die Probleme kennt. Danach beteiligt sich der Bund anhand eines Finanzierungsschlüssels, der sich aus der Schnittstelle zwischen dem Großprojekt Rositz und der Braunkohlesanierung ergibt. Dieser Schlüssel befindet sich in der Endphase der Abstimmung. Es sei vorgesehen, noch im März zu einer Lösung zu kommen, erklärt Hendricks.

Von Jens Rosenkranz

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