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Und manchmal wird sogar gesungen

Und manchmal wird sogar gesungen

Es scheint alles bestens zu laufen am Sonnabend. Petrus hat sich entschieden, die Schleusen schon am Mittag zu öffnen, um sie dann dicht zu machen.

Altenburg.

Richtiges Gartenwetter ist es angesichts der Temperaturen aber zum Glück trotzdem nicht. Und ein Deutschland-Spiel steht auch nicht an. Es müsste also mit dem Teufel zugehen, wenn diese Museumsnacht anno 2014 kein Erfolg würde. Doch auf dem Weg zum Schloss sieht es gar nicht danach aus. Es sind kaum Leute unterwegs, es riecht nach Grillfeuer, aus Vorgärten dringt Stimmengewirr und die Fußball-Kulisse aus Fernsehlautsprechern ist zu hören. Wenn das mal gut geht.

 

Doch die Befürchtungen, dieses alljährlich einmalige Kulturangebot könnte ein ähnlicher Flop werden wie 2012, zerschlagen sich recht schnell. Wo auch immer man am Samstagabend seine Schritte hinlenkt - in die drei Museen, in die Bartholomäikirche, in Teehaus/Orangerie oder den historischen Friseursalon - überall ist mächtig Betrieb.

 

Für Familien mit Kindern steht traditionell das Mauritianum hoch im Kurs. Dort kann man auf der Wiese nach Herzenslust toben, über ein Seil balancieren oder sich im Haus kreativ betätigen. Diesmal hat sich das Team um Mike Jessat etwas Besonderes einfallen lassen. Passend zur Sonderausstellung "Heinz Olbrich - Stempeldruck für Kinder", die an diesem Abend eröffnet wird, dürfen die Besucher die Originalbausteine des 2009 verstorbenen Künstlers mit Farbe bemalen und sich selbst im Zusammenstellen von Figuren erproben.

 

Wer durch den erstmals wieder mit Tausend kleinen Lämpchen beleuchteten Park zum Schloss flaniert, kommt an Teehaus und Orangerie nicht vorbei. Im festlichen Saal, der bei den Besuchern immer wieder staunende Blicke hervorruft, gibt es zwei Vorstellungen der Künstler- und Wenzelgarde. Das heitere Schauspiel nach einer Begebenheit im Altenburg des 17. Jahrhunderts sorgt nicht nur voll besetzte Stühle, sondern auch jede Menge Lacher und nicht enden wollenden Beifall. Die Laiendarsteller haben sich einmal mehr in die Herzen der Zuschauer gespielt.

 

Das aktuelle Highlight im Schlossmuseum ist auch am Sonnabend der Anziehungspunkt schlechthin - das Zuckerbankett. Kaum ein Nachtschwärmer, der nicht staunend im Festsaal steht sowie den Erzählungen von Zuckerkünstler Georg Maushagen lauscht. Stundenlang beantwortet der Düsseldorfer jede Frage und formt unterdessen weiter an irgendwelchen zuckrigen Gebilden. Es scheint, als müsse er dabei gar nicht mehr hinsehen. Ebenso zieht das Panorama-Bild in der Flasche die Leute in Scharen an. Hier heißt es fast den gesamten Abend Schlangestehen, um das Werk von Anthony Lowe in Augenschein nehmen zu können.

 

In der zurzeit wegen Bauarbeiten geschlossenen Schlosskirche machen die Erläuterungen von Restaurator Mario Gawlik ebenso Staunen. Morsche Dachbalken liegen da, die tatsächlich rund 600 Jahre auf dem Buckel haben und ein lädierter, kleiner Drachen aus Blech. Kaum zu glauben, aber so schmuckvoll gestalteten unsere Altvorderen die Dachrinne. "Wir werden ihn reparieren und selbstverständlich wieder anbringen", verrät Gawlik.

 

Ganz so spektakulär geht es im Lindenau-Museum nicht zu. Dafür ist stetig etwas los. Im Halbstunden-Rhythmus werden Vorträge oder Führungen angeboten - und auch rege genutzt. Der Renner schlechthin aber sind die beiden musikalischen Offerten. Als erste sorgt die "Hot & blue"-Jazzband für einen vollen Saal - und spielt damit genau dort, wo sie vor 40 Jahren ihr erstes Konzert gab. Als dann zum Abschluss nach 23 Uhr der Tenor Andreas Fischer Lieder und Schlager zur Nacht anstimmt, singt er nicht allein aus voller Kehle. Weil vorher die Texte der meisten Lieder ans Publikum ausgeteilt wurden, trällert selbiges fröhlich mit. Manch einer räumt hinterher ein, es nie für möglich gehalten zu haben, einmal "Griechischer Wein" oder "Weiße Rosen aus Athen" inbrünstig mitzusingen. Erst weit nach Mitternacht gehen die letzten Besucher beseelt nach Hause.

 

Nach Veranstalterangaben waren es zur Museumsnacht in Summe rund 1800. Ein am Ende doch mehr als zufriedenstellendes Ergebnis.

 

© Kommentar Seite 13

Ellen Paul

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