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Und wieder werden Prinzen geraubt

Und wieder werden Prinzen geraubt

Prinzenraub und (noch immer) kein Ende. Wenn sich mancher dachte, dass durch das Absetzen der so erfolgreichen Festspiele durch die Stadtverwaltung das Thema hier in Altenburg erledigt sei, der irrt.

Altenburg.

Der Beweis dafür wurde einmal mehr am vergangenen Sonntag im Schlosspark angetreten. Dort erlebte das neueste Projekt des Fördervereins unter dem Titel "Kaufungens Fehde - der Prinzenraub von Altenburg" seine viel beklatschte Premiere.

 

Von Manfred Hainich und Ellen Paul

 

Zur Erinnerung: Eigentlich sollte es nur 2012 eine einjährige Festspiel-Pause geben, bevor ein Barbarossa-Spektakel das Licht der Welt erblickt. Zur Überbrückung dieser spielfreien Zeit wurden für interessierte Laiendarsteller Mitspieler-Akademien angeboten und das Theaterstück "Prinzenraub on Tour" sehr erfolgreich auf die Bühne gebracht. Jetzt, da sich die Pause bis mindestens 2015 hinzieht, gibt es für Unentwegte weitere Angebote des Fördervereins, das neueste ist das durch ihn beförderte Theaterstück "Kaufungens Fehde".

 

Am vergangenen Sonntag, als viele noch am Aufbau für das Kinderfest auf der Teehauswiese beschäftigt waren, wurde Punkt 12 Uhr zur Premiere gleich nebenan geladen. Man hatte am unteren Teil der Wiese, vor den ersten Bäumen, Kulissen aufgebaut und Bänke und Stühle zurechtgestellt. Und siehe da: Es kam Publikum zuhauf, neugierig darauf, was denn da in Sachen Prinzenraub Neues geboten wurde.

 

Und das war viel. Ein neues Stück für 25 Mitwirkende, geschrieben von dem jungen Regisseur Markus Ditz und von ihm inszeniert. Es hat eine Spieldauer von über eineinviertel Stunden und ist kein einfacher Abklatsch bisher schon gesehener Fassungen. Zwar bleibt das historische Grundgeschehen bestehen, doch das Stück bringt eine teils veränderte und durchaus satirische Sichtweise darauf und persifliert eher bestimmte Ereignisse, als dass es sie ernst nimmt. Und so ist das Ganze auch inszeniert. Stärker wird die Rolle der Kirche dargestellt und ihre hohlen Phrasen bei den Segnungen und Verherrlichungen der damaligen Verhältnisse gezeigt, die aktuellen politischen Äußerungen zuweilen sehr nahe kommen. Ausführlicher wird der Bruderzwist vorgeführt, der zwischen Kurfürst Friedrich und Herzog Wilhelm zum Kriege führte, und in diesem Fall die beiden Ehepaare gemeinsam auf die Bühne gebracht.

 

Glaubwürdiger wird die Gefangennahme Kunz von Kauffungens - die geschichtlich nachgewiesene richtige Schreibweise ist mit Doppel-F - durch eine größere Gruppe dargestellt. Dass des Kurfürsten Frau Margarethe eine Affäre mit dem Kanzler hat, ist hingegen freilich eine der vielen freien Zutaten, die das Stück aufweist. Es nimmt die Geschichte nicht so ernst. Die Inszenierung auch nicht. Da ist fleißig gearbeitet worden. Das erfreulichste Ergebnis: Es wird durchweg deutlich, text- und inszenierungsgerecht gesprochen. Alle Laienschauspieler sind mit Freude und Engagement beim Spiel, natürlich auch mit unterschiedlichem Talent. Es können nicht alle 25 genannt werden. Aber einige Namen seien an dieser Stelle gestattet: Heinz Pill als Gauckler - sein Spiel und sein Sprechen sind profihaft - Frank Müller als Schweinebauer und Balthasar, Jessy Kriebitzsch als Küchenjunge Schwalbe, Enno Pilz und Ulrike Heske als Kurfürstenpaar und Ralf Wegner und Ilona Jahn als das Herzogspaar.

 

Vorerst sind keine weiteren Aufführungen geplant. Für nur eine Aufführung allerdings wäre der Aufwand zu groß. Im nächsten Jahr soll es daher eine Serie von Vorstellungen geben.

Manfred Hainich und Ellen Paul

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