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Unerwarteter Widerspruch

Unerwarteter Widerspruch

Die berühmt-berüchtigten Seifenkisten sind endgültig passé. Seit Stadtverwaltung und Stadtrat sich bei der Bebauung in der Pauritzer Straße von den einst strengen Vorgaben für den Eigenheimstandort getrennt haben, ist Bewegung in die Sache gekommen.

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Hier sollen nun doch bald Eigenheime stehen. Das erste Grundstück ist bereits verkauft, weitere Interessenten stehen in den Startlöchern.

Quelle: Mario Jahn

Mittlerweile gibt es drei Interessenten. Doch plötzlich geht einigen Abgeordneten alles doch zu weit. Der Bebauungsplan ist in der jüngsten Sitzung unerwartet hart diskutiert worden.

 

 

 

Dabei schien die Sache eigentlich klar zu sein. Schon im März hatte der Stadtrat eine Änderung des Bebauungsplanes "Pauritzer Straße - genial zentral" beschlossen (OVZ berichtete). Denn die bislang vorgeschriebene Einheitsbebauung - besser als Seifenkisten bekannt - zog keine Interessenten an. Mit der festgesetzten Flachdach-Form und der geforderten durchgängigen Mauer oberhalb der Heiste konnten sich die potenziellen Bauherren nicht anfreunden. Viele Jahre versuchte sich die Verwaltung dennoch in der Vermarktung, schließlich hatte man für die Bebauung extra einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Irgendwann aber kam die Einsicht, dass es so nichts wird. Der OB schwenkte um.

 

Doch inzwischen geht einigen Stadträten die neue Freiheit für eine offene und lockere Bebauung schlicht zu weit. "Wir brauchen an der ehemaligen Via imperii die bestmögliche Lösung", so Christian Götze (Pro Altenburg). In den jetzt gestatteten sehr unterschiedlichen Dachneigungen und Fassadenfarben sieht er sie nicht. Auch sein Kollege von der Links-Partei, Harald Stegmann, ist sehr unglücklich über die Änderung des Bebauungsplans. "Wir verabschieden uns hier von der Stadtplanung", sagte er.

 

Noch drastischer war die Meinung von Sandy Reichenbach (CDU). Er bedauerte nämlich gar, dass die sogenannten Seifenkisten nicht gebaut würden. "Jetzt machen wir etwas, was gar keine Struktur mehr hat. Wir öffnen der Beliebigkeit Tür und Tor. Doch wir haben eine Verantwortung für diese historische Straße." Mit seiner Entscheidung würde der Stadtrat einen Zug aufs Gleis setzen und nicht wissen, ob er ihn wieder stoppen kann.

 

So viel unerwarteter Widerspruch forderte den Oberbürgermeister heraus. "Wir sollten das Maß der Reglementierung nicht an einer Stelle übertreiben, wo wir seit 23 Jahren vergebens nach Bauwilligen suchen", so Michael Wolf. Er sei glücklich, dass sich endlich die ersten Interessenten gefunden hätten und appellierte an die Abgeordneten, diese Chance nicht zu verbauen. "Vergraulen Sie die nicht auch noch", rief Wolf und bekam unter anderem von Detlef Zschiegner (FDP) und Stefanie Apel (Pro Altenburg) Zustimmung.

 

Zschiegner forderte, mehr Freiheit in der Entwicklung der Stadt zuzulassen. Apel verwies darauf, dass eine Familie bereits ein Grundstück gekauft und einen Architekten bezahlt habe. Und der Stadtratsvorsitzende Peter Friedrich (SPD) forderte, mehr Vertrauen in die Stadtverwaltung und die künftigen Bauherren zu haben. Mehr Baufreiheit bedeute noch lange keinen Wildwuchs. "Was haben wir für Diskussionen um das Areal am Markt gehabt, und jetzt gibt es eine fast einhellige Zustimmung", erinnerte Friedrich.

 

Am Ende billigte der Stadtrat mit 21 Ja- und sechs Nein-Stimmen bei drei Enthaltungen den geänderten Bebauungsplan. Er wird jetzt ausgelegt.

 

© Kommentar

Ellen Paul

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