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Unfreiwilliger Rücktritt

Unfreiwilliger Rücktritt

Die Werbegemeinschaft der Skatstadt braucht einen neuen Vorstand. Denn der alte ist zurückgetreten (OVZ berichtete). Allerdings nicht freiwillig. Eine ausreichende Anzahl von Mitgliedern hat das gefordert und damit die Interessengemeinschaft der Altenburger Händlerschaft vor der drohenden Selbstauflösung bewahrt.

Jetzt soll ein Neuanfang her.

 

 

 

Als der Vorsitzende Gebhard Berger am Dienstag dieser Woche zur Mitgliederversammlung kam, ging er davon aus, dass es wie vorgesehen um gewisse Umstrukturierungen in der zuletzt heftig kritisierten Arbeit des Vorstands ging. Doch es kam alles ganz anders. Denn rund 15 Mitglieder der Werbegemeinschaft forderten die Abwahl des Vorstandes. Berger war sich ziemlich schnell im Klaren darüber: Sie forderten vor allem seinen Kopf. Denn er galt von Anfang an, besonders aber nach seinen harten Attacken gegen Oberbürgermeister Michael Wolf im OB-Wahlkampf 2012, als äußerst umstritten.

 

Bereits zur regulären Vorstandswahl im Mai dieses Jahres war durch die Hintertür versucht worden, Berger endlich loszuwerden. In einem just zu diesem Zeitpunkt ausgestrahlten Fernseh-Interview erhob der langjährige und äußerst beliebte Vorsitzende Wolfgang Krause schwere Vorwürfe gegen seinen Nachfolger. Er habe die Erfolge der Werbegemeinschaft in kürzester Zeit zunichte gemacht. Berger wurde dennoch wiedergewählt, wenngleich nur mit einer Stimme über der erforderlichen Mindestzahl von 50 Prozent der anwesenden Mitglieder. Das waren freilich nur 19 - ein Allzeittief auf einer Wahlversammlung des Vereins.

 

Offensichtlich sahen etliche enttäuschte Gewerbetreibende nun zu einem Austritt keine Alternative mehr. Damit ging der Exodus, der bereits im vergangenen Jahr nach Bekanntwerden des Joker-Videos einsetzte, unvermindert fort. Und die Vorwürfe an Berger verstummten ebenso wenig. Von mangelnder Information und Kooperation sowie zahlreichen Alleingängen des Vorsitzenden war die Rede. Jüngste Beispiele seien die Eröffnung einer Galerie in der Leipziger Straße und die Gestaltung von Fenstern in einem leer stehenden Haus in der Wallstraße - allesamt im Namen der Werbegemeinschaft, die davon eigenen Aussagen zufolge nichts wusste.

 

"Doch es geht nicht nur um Herrn Berger, sondern um die Arbeit des gesamten Vorstands, die man als solche wohl nicht bezeichnen kann", fasste beispielsweise Detlef Zschiegner seine Unzufriedenheit in Worte. "Den Schatzmeister haben wir schon seit Monaten nicht mehr zu Gesicht bekommen, wir wissen überhaupt nicht, wie es um unsere Finanzen steht. Auch konzeptionell ging gar nichts mehr." Berger selbst habe enttäuscht darüber berichtet, dass zu Vorstandssitzungen kaum noch jemand gekommen sei.

 

"Die Arbeit haben meistens nur Donald Sagewitz und ich gemacht. Das war auf Dauer kein Zustand. Wenn durch die Neuwahl eine bessere Arbeit des Vorstands zustande kommt, ist das okay", so Gebhard Berger. Im OVZ-Gespräch räumte er aber auch Fehler ein. "Ich weiß, dass ich mehr polarisiere als vereine, dass es durchaus Defizite in der Kommunikation gab und ich den Vorstand nicht mehr mobilisieren konnte." Er wolle deshalb nicht an seinem Sessel kleben, sondern den Weg für einen Neuanfang freimachen.

 

Der Startschuss dazu soll mit der Neuwahl des Vorstands am 17. Dezember erfolgen, wozu ausdrücklich auch Mitglieder eingeladen sind, die eigentlich schon gekündigt haben, deren Mitgliedschaft aber erst zum Jahresende ausläuft. "Denn es ist eines der wichtigsten Ziele, möglichst viele für die Werbegemeinschaft zurückzugewinnen", sagt Detlef Zschiegner.

 

Auf die Rückkehr der sogenannten Leistungsträger hofft auch der OB, der sich als einer der ersten zum Rücktritt von Berger äußerte. "Ich halte diesen Schritt für längst überfällig", sagte Michael Wolf unserer Zeitung. "Denn ich habe überhaupt kein Problem mit der Werbegemeinschaft, mit der ich immer konstruktiv zusammengearbeitet habe, aber sehr wohl seit dem Wahlkampf mit Herrn Berger." © Kommentar

Ellen Paul

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