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Unterhaltsam, bunt und temporeich

Unterhaltsam, bunt und temporeich

Theater, das aus sich heraus verständlich, sich gleichermaßen aus derbem Witz und sinnlicher Poesie speist, einen Klassiker frech, modern und doch als solchen erschließt - nicht mehr und nicht weniger als das ist die Produktion von William Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" von Theater und Philharmonie Thüringen, die am Sonntag ihre Altenburger Premiere erlebte.

Altenburg.

 

Bernhard Stengele inszeniert in der fantastisch bunten und anspielungsreichen Ausstattung von Marianne Hollenstein die ungewöhnliche Shakespeare-Komödie in all ihrer Luftigkeit und Leichtigkeit. Sie bedient all die Gegensätze der original märchenhaften Handlung, in der Zaubermächte das ohnehin schon aus den Fugen geratene menschliche Liebessehnen und Verlangen erst einmal tüchtig durcheinanderschütteln, um es dann in Ordnung zu bringen. Dabei ist es um Lust und Frust im elfischen Sexualleben nicht wirklich besser bestellt. Wunderbar überzeichnet lässt Stengele die höfische Welt und die der Handwerker aufeinander und wiederum auf jene der Elfen treffen. Und wie bei Shakespeare erleben alle auf ihre Weise eigentlich das Gleiche - Menschliches und Allzu-Menschliches. Eitelkeit, Neid, Selbstzweifel, Verlangen treiben das Geschehen hier wie da. Schabernack wird zu Ernst, Ernst zu Schabernack.

 

Von jeher steht und fällt der "Sommernachtstraum" mit seinen Darstellern. Und deshalb steht er hier: die große Leistung eines spielfreudigen, eingespielten und gut geführten Ensembles. Ralph Jung, Mechthild Scrobanita, Ouelgo Tené, Milena Ivanova, Manuel Struffolino, Olav Kröger, Johanna Paliege, Vanessa Rose, Henning Bäcker, Philipp Reinheimer und Manuel Kressin führt das Programmheft als Darsteller des Premierenabends auf. Wobei Kröger und vor allem Ivanova quasi die Verbindung zu einer anspielungsreichen musikalischen Welt repräsentieren. Ein geschickter Kunstgriff - findet sich in dieser sensiblen Collage für Cello, Harfe, Cembalo und Stimmen doch manch wunderbarer unterschwelliger Kommentar.

 

Deftig und eindeutig anspielungsreich geht es zu im Feenwald, wo Puck - Ouelgo Téné gestaltet eine bezaubernde Zaubergestalt - mit dem Saft der Zauberblume Verwirrung stiftet. Mit einer fast schon ins hinreißend Groteske führenden Liebe zum Detail macht Hollenstein Verwandlungen und Geschmacksdifferenzen deutlich. Mit ebensolcher Präzision und angenehmem Tempo lässt Stengele Handlungsebenen ineinandergreifen, Poesie auf Kasperiade, Slapstick auf Klangkunst treffen. Es ist ausgeschlossen, jene darstellerischen Kabinettstücke nicht zu lieben, die besonders Manuel Kressin, Manuel Struffolino und Philipp Reinheimer als Theater spielende Handwerker präsentieren. Kressin als lispelnder Zettel hat Kultpotenzial. Haarscharf am Klamottigen vorbei - und damit umso komischer - konkurrieren die Liebhaber Lysander (Henning Bäcker) und Demetrius (Philipp Reinheimer). Konsequent überzeichnet agieren viele Darsteller in mehreren Rollen auf den unterschiedlichen Handlungsebenen.

 

Und gerade diese Überzeichnung ist es, die diesen Abend zu echtem Shakespeare und dennoch zu zeitgemäßem Theater macht. Schön und bunt erzählt Stengele von jener wunderbaren menschlichen Illusion Theater, die vielleicht in ihrer heutigen Form gerade bei Shakespeare manche Wurzel hat. Berechtigter Premierenjubel ist der Lohn.

Tatjana Böhme-Mehner

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