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Unterm Regenschirm ...

Unterm Regenschirm ...

Es regnet auf der Bühne des Landestheaters. Natürlich nicht wirklich. Es regnet musikalisch. Und nicht nur das. Bäche, Fluten, Flüsse, Meere lassen die Musiker des Philharmonischen Orchesters Altenburg-Gera unter der musikalischen Leitung von Jens Troester über die Bühne tröpfeln und wogen.

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Bariton Johannes Beck (l.) und Kika-Moderator Juri Tetzlaff schützen sich vorm Regen. Fotos: Jens Paul Taubert

Quelle: Jens Paul Taubert

"Wasser Marsch!" heißt das Familienkonzert, das am Sonntagvormittag wieder den beliebten Kika-Moderator Juri Tetzlaff nach Altenburg führte, und das ein bunt gemischtes Publikum spürbar begeisterte.

 

Tetzlaff führt durch erlesene Wasserstraßen der Musikgeschichte. Und die Musiker des Philharmonischen Orchesters erweisen sich als solide Seeleute und segeln sowohl in eigentlich konzertanten Gefilden souverän als auch in jenen Situationen, in denen sich das Orchester - mehr denn je in diesem Rahmen - mit Auszügen im Zusammenhang analytischer Erläuterungen betätigen muss. Wasser fließt oder bewegt sich in einem Wasserkreislauf - dieser Ablauf ist an Zeit gebunden. Und Musik ist die Kunst der Zeit. Sie verläuft in der Zeit. Wirkt mal schneller, mal langsamer, genau wie Wasser fließt, tropft oder rinnt. Insofern ist es wohl eine der logischsten Erscheinungen, dass sich immer wieder Musiker mit der Bewegung des Wassers auseinandergesetzt haben.

 

Eine geschickte Zusammenstellung solcher Werke wird erfrischend präsentiert. Gemeinsam mit Juri Tetzlaff schwingt Bariton Johannes Beck den Regenschirm und sprüht über vor Spielfreunde. Das ist manchmal ganz schön dick aufgetragen. Aber diese Präsentationsform kann das durchaus vertragen. Die meisten Kinder mögen es, wenn zwei so unterschiedliche Typen wie Beck und Tetzlaff vergnüglich herumkaspern. So kann dann auch die unterschiedlichste Musik vermittelt werden. Die "Moldau" und die "Wassermusik" - das liegt auf der Hand bei diesem Thema und lässt sich leicht rezipieren. Doch Werke wie die Ouvertüre zu Wagners "Der fliegende Holländer" fordern gerade die jungen Besucher mächtig. Das funktioniert am Konzertende erstaunlich gut - wahrscheinlich auch, weil es so geschickt zuvor aufgearbeitet und eingeführt wird.

 

Und weil Wasser nicht immer so nett und freundlich daherkommt, bekommt dieses Familienkonzert plötzlich auch noch einen ganz anderen Sinn und Zweck. Die Musiker des Philharmonischen Orchesters spenden und sammeln für den Kindergarten in Treben, der von der jüngsten Flut so sehr zerstört wurde, dass die kleinen Nutzer noch immer in der örtlichen Schule Asyl haben. Eine Situation, die auch für die kleinsten Konzertbesucher nachvollziehbar ist, und gerade diese solidarisch stimmt.

 

Doch im Grunde sorgt das Wasser in diesem Familienkonzert für einen vergnüglichen Vormittag und auch für eine tüchtige Portion musikalischer Bildung. Denn das, was Tetzlaff vermittelt, ist nicht nur ein kindlich neugieriger Spaß an Musik, sondern auch geschickt verpacktes Wissen. Dass er in Johannes Beck dabei einen so trefflichen Partner hat, ist durchaus ein Plus und ließe sich bestimmt weiterentwickeln.

 

Am Ende steht allerdings ein Abschied. Mit diesem Konzert beendet Jens Troester seine Tätigkeit als erster Kapellmeister und stellvertretender beziehungsweise in den letzten zwei Spielzeiten auch kommissarischer Generalmusikdirektor für das Altenburg-Geraer Theater. Das trifft sich gut, denn neben Tetzlaff hat Troester in den fünf Jahren seines Engagements hier in Ostthüringen gerade auch diese Konzertreihe entscheidend mitgeprägt.

Tatjana Böhme-Mehner

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