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Altenburg Unterricht für Geflüchtete im Altenburger Land: Landrätin fordert Unterstützung
Region Altenburg Unterricht für Geflüchtete im Altenburger Land: Landrätin fordert Unterstützung
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18:00 29.11.2016
Michaele Sojka machte sich am Dienstag im Landtag in Erfurt Luft.
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Erfurt/Altenburg

Es war eine Brandrede, mit der Michaele Sojka am Dienstag in den Landtag ging. Eine Situationsbeschreibung voller Knackpunkte und mahnender Worte. Gerichtet an den Ausschuss für Bildung, Jugend und Sport, der sich aktuell mit der Beschulung und Integration geflüchteter Kinder und Jugendlicher befasst. Zwei Anträge vom Juni dieses Jahres – zunächst von der CDU, dann von den Koalitionsfraktionen Linke, SPD und Bündnisgrüne – hatten auf dringend nötige Verbesserungen in diesem Bereich gedrungen. Gestern im Fachausschuss wurde dazu die Basis gehört: unter anderem Vertreter von Schulen, Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbänden. Und Michaele Sojka, die Landrätin des Altenburger Landes. Die Linkenpolitikerin forderte ein deutliches Mehr an Unterstützung für die Kommunen, Lehrer und Erzieher im Landkreis.

Immerhin: Rund 320 junge Flüchtlinge besuchen derzeit die Schulen im Altenburger Land. Das entspricht, gemessen an der Gesamtschülerzahl, zwar lediglich 3,7 Prozent. Doch diese vergleichsweise kleine Gruppe ist für die Pädagogen und Betreuer zur großen Herausforderung gewachsen. Trotz vielfältiger Bemühungen der Akteure scheitere vieles an den Vorgaben des Landes, monierte Sojka. „Optimal läuft derzeit leider wenig“, sagte sie, berief sich unter anderem auf ein Schulleiter-Treffen vergangene Woche, wo ihr die Nöte aus erster Hand geschildert wurden. Ein paar Beispiele.

Analphabeten: Viele Geflüchtete, insbesondere aus Afghanistan, waren noch nie an einer Schule, müssen erst einmal die Regeln des Unterrichts lernen, schilderte die Landrätin. Ein sogenanntes Clearingverfahren sei nötig, in dem individuell die Kompetenzen und der Förderbedarf geklärt werden, verbunden mit einem abgestimmten Lernplan. Darauf pochen auch die Koalitionsfraktionen in ihrem Antrag. Zudem befürwortet der Landkreistag dieses Aufnahmeverfahren in einer Stellungnahme, die der OVZ vorliegt.

Vorschule: Bevor die Kinder aus Flüchtlingsfamilien in den eigentlichen Unterricht starten, sollen nach dem Willen Sojkas in Vorschaltklassen soziale Kontakte aufgebaut werden – so forderte es auch die CDU. Durch Fluchterlebnisse und Sprachbarrieren gebe es oft massive Defizite im Sozialverhalten. „An den nur halb ausgelasteten Förderzentren im Landkreis gäbe es dafür super Bedingungen“, konstatierte Sojka. „Deren Frühfördereinrichtungen sind seit Jahren eingerichtet und stehen leer.“

Frust und Aggression: „Gerade Grundschulpädagogen klagen zunehmend über Disziplinlosigkeiten und Distanzverlust.“ Viele Flüchtlingskinder fühlen sich, insbesondere wegen mangelnder Sprachkenntnisse, abgehängt und ausgegrenzt, äußern das mit Gereiztheit. Umso wichtiger sei die Betreuung durch zusätzliche Muttersprachler vor Ort, Horterzieher mit Migrationshintergrund und Schulsozialarbeiter. Auch mit den Eltern müsse gearbeitet werden, zum Beispiel im Rahmen von Treffs oder über spezielle Kontaktlehrer. Benötigt würden zudem Busbegleiter: Da viele Flüchtlinge in der Stadt Altenburg wohnen – und das nach ihrer Anerkennung oft auch weiter bevorzugen –, werden täglich mehr als 60 Schüler aus diesen Familien mit dem regulären Schulbusverkehr in die kleinen, nicht ausgelasteten Landschulen transportiert.

Mangel an Pädagogen: Es fehle vor allem an Lehrern für Deutsch als Zweitsprache, die zusätzlich zur Seite stehen. Der Landkreistag schätzt die Sprachförderung im ländlichen Raum als nicht bedarfsgerecht ein. Thüringen müsse die vorhandenen Potenziale besser nutzen, mahnte Sojka. Sie kenne auch im Altenburger Land Beispiele für Pädagogen mit zwei Staatsexamen, die weiterhin nur befristet angestellt sind und sich eventuell in andere Bundesländer orientieren.

Lehrmaterial fehlt: Laut Landrätin klemmt es speziell bei Flüchtlingskindern, „weil fachspezifische Lernmittel aufgrund eines Haushaltsbeschlusses des Ministeriums erst zu Beginn des nächsten Schuljahres bestellt werden dürfen“. Schlecht für Kinder, die zwischendurch noch hinzukommen.

Von Kay Würker

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