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Altenburg Verdi-Kritik: Negativpreis für Klinikum
Region Altenburg Verdi-Kritik: Negativpreis für Klinikum
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20:08 11.09.2012
Obwohl die Klinik den Preis ihrer Meinung nach nicht verdient habe, nehmen Geschäftsführer Gundula Werner und Lutz Blase die Urkunde von Gewerkschaftsfunktionär Daniel Herold (v.l.) gestern im Beisein von etlichen Azubi entgegen. Quelle: Mario Jahn

"Hier muss man nach der Ausbildung seine Koffer packen", nimmt die Verdi-Kampagne die Erfahrungen junger Leute aufs Korn, nach der Lehre in ihrem Ausbildungsbetrieb keinen Job zu finden und abzuwandern. "Viele Betriebe drücken sich vor einer Übernahme. Um gegen diese Unsitte und einen drohenden Fachkräftemangel anzugehen, wurde der Negativpreis in diesem Jahr ins Leben gerufen", sagte Verdi-Jugendsekretär Daniel Herold der OVZ. Aus einer Mitgliederbefragung mit 45 Rückmeldungen hätten sich die fünf schlechtesten Dienstleistungsbetriebe aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt ergeben, unter denen sich der Vorstand der Verdi-Jugend schließlich für das Klinikum im Altenburger Land als den erstmaligen Preisträger entschieden habe.

Wichtigster Grund dafür sei gewesen, dass von den 25 diesjährigen Absolventen der Krankenpflegeschule des Klinikums nur ein einziger übernommen werde. Das sei völlig unbefriedigend und beraube die jungen Leute aller Chancen, sagte Herold. Dazu komme eine schlechte Informationspolitik im Umgang mit Schülern, die an Intransparenz grenze und wozu auch falsche Versprechungen gehörten. "Wenn ihr euch anstrengt, werdet ihr am Ende auch übernommen", gab Daniel Erfahrungen der Klinik-Azubis aus ihrer Anfangszeit in der Krankenpflegeschule wieder. Dem stimmten Azubis zu, die sich die gestrige Übergabe des Goldenen Koffers vor dem Klinik-Eingang nicht entgehen ließen. "Die Preisübergabe ist absolut gerechtfertigt", sagte Patricia Simon, die Vorsitzende der Jugendauszubildenden-Vertretung am Klinikum, der OVZ. "Damit ist das richtige Zeichen zur richtigen Zeit gesetzt worden", wies auch ihr Stellvertreter Sebastian Nowaczyk auf die Erfahrungen der Azubis hin, dass ihnen meist viel zu spät gesagt wird, ob sie übernommen werden oder nicht.

Eine Kritik, die Lutz Blase, einer der beiden Klinik-Geschäftsführer, aufgreifen will. "Der Informationsfluss bei einer möglichen Übernahme zwischen Klinikum und Schülern muss verbessert werden", kündigte Blase an, der darüber auch mit Verdi reden will. Den Preis selbst habe das Haus allerdings nicht verdient, sagte er. Zunächst sei die von Verdi angegebene Zahl der 25 Absolventen falsch, denn es seien in diesem Jahr nur neun gewesen. Von 24 gestarteten Schülern hätten fünf die Probezeit und fünf die Prüfung nicht geschafft, bei weiteren fünf musste wegen zu vieler Fehlzeiten die Ausbildung verlängert werden. Schließlich sei zwei Absolventen ein Übernahmeangebot unterbreitet worden, das nur einer angenommen habe. Diese in der Tat geringe Zahl lag an der Schließung der Kurzzeitpflegestation in Schmölln. Aus dieser wurden elf teilweise langjährige Mitarbeiter übernommen, um Kündigungen zu vermeiden. Dass das zulasten der Azubi-Übernahmen ging, "tut uns sehr leid", sagte Blase.

Dies werde sich nicht wiederholen, kündigte auch Geschäftsführerin Gundula Werner an und verwies auf das zurückliegende Jahr, als etwa sechs Azubis einen Job bekamen. Werner betonte aber auch, dass Altenburg als eine von fünf Krankenpflegeschulen in Thüringen bei 30 Kliniken im Land immer über den eigenen Bedarf ausbilden werde. "Aufgrund der hohen Nachfrage nach qualifiziertem Personal in der Krankenpflege ist es in der Regel für alle Gesundheits- und Krankenpflegeschüler unproblematisch, nach der Ausbildung auch einen anspruchsvollen Arbeitsplatz zu finden." Die Geschäftsführerin wies eine weitere Kritik von Verdi zurück, wonach Azubis einen angeblichen Personalmangel in der Klinik ausgleichen müssten. Selbstverständlich müssten Schüler auch Nacht- oder Spätdienste absolvieren, aber nicht, um Lücken zu füllen, sagte Werner der OVZ auf Nachfrage. Auch Lutz Blase wies die Gewerkschaftskritik zurück, wonach ein angeblicher Personalmangel zur Überlastung der Mitarbeiter führe, der mehr Neueinstellungen rechtfertigen würde. Hier übertreibe Verdi, sagte Blase.

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