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Verdrängte Jahre

Verdrängte Jahre

"Vergessene und verdrängte Jahre" heißt eine Ausstellung des Altenburger Geschichtsvereins, die das Augenmerk auf die Zeit der Nazidiktatur zwischen 1933 und 1945 legt.

Altenburg.

Auf vielfältigen Zeitdokumenten, die teilweise bislang noch unbekannt sind, werden erstmals Geschehnisse in Altenburg und dem Landkreis dieser dunklen Epoche beleuchtet.

 

Vereinschef Wolfgang Böhm hat sich schon beruflich viel mit der Vergangenheit befasst. Immerhin unterrichtete der Altenburger Geschichtslehrer jahrelang Schüler. "Aber was sich in diesen zwölf Jahren konkret in unserer Region ereignet hat, ist vollkommen untergegangen", gesteht er heute ein.

 

Als sich gut eine Handvoll Vereinsmitglieder an die Recherchen über dieses brisante wie verstörende Kapitel wagte, sei er "sehr darüber erschrocken", wie viele weiße Flecken dort noch bestehen. Als die Pläne bekannt wurden, die einstigen Häftlingsbracken an der alten Poststraße im Zuge der Entwicklung des Areals wegzureißen (OVZ berichtete), seien die Nachforschungen ins Laufen gekommen. "Beinahe täglich gehen neue Belege ein. Anrufe kommen mittlerweile sogar aus dem Ausland." Die sehenswerte Ausstellung mit zahlreichen Originaldokumenten und Zeitzeugnissen sei ein Anfang, diese Löcher zu füllen. "Nicht mehr und nicht weniger", weiß Böhm, dass man erst am Anfang steht.

 

Aber der sei gemacht und das Interesse der Ausstellungsbesucher sei sehr groß, freut sich der Vereinschef. Insgesamt 14 Schautafeln umfasst die Schau, die im Foyer der Sparkasse Altenburger Land, Wettinerstraße, zu sehen ist. Hinzu kommen Vitrinen, in denen originale Gegenstände, beispielsweise bei der Hasag produzierte Munition, ausgestellt sind.

 

Ein wenig Zeit sollte man schon mitbringen. Denn Lesestoff, so unter anderem in zeitgenössischen Zeitungsartikeln, bietet sich reichlich. Zurück bleibt beim Betrachter ein Gefühl der Betroffenheit: Nicht nur in den großen Konzentrationslagern im Osten Europas wüteten und mordeten die Nazis. Sie taten es ebenso in Altenburg, Meuselwitz oder Nobitz, genau vor der Haustür. Und sie ließen sich nicht nur in Berlin für ihr Tun feiern. Beklemmende Aufmärsche mit martialischem Gehabe zur zackigen Musik gab es auch in Altenburg, sagt Böhm.

 

Er sieht ebenso Parallelen zum Hier und Jetzt. "Auch die vermeintlich banalen Dinge des Lebens sollen anklingen und belegen, dass es bei den sogenannten äußeren Verhältnissen bis heute Ähnlichkeiten gibt." Das zeigt ein in der Ausstellung laufender Film über das berüchtigte Fest der Völker, mit dem die Neonazis im Jahr 2008 Altenburg heimsuchten.

 

Der Chef von 35 Vereinsmitgliedern weiß nur zu genau, dass an historischen Erkenntnissen aus diesen zwölf Jahren noch vieles im Verborgenen liegt. Deshalb sieht er die Ausstellung als eine Art erster Zwischenbilanz. "Sie ist bewusst so gestaltet, dass sie jederzeit um weitere Forschungsergebnisse und Zeitdokumente aus allen Bereichen beliebig erweiterbar ist. Die ganze Sache gleicht einem großen Puzzlespiel", erklärt der einstige Lehrer. Zur Mitarbeit ruft Böhm dafür keineswegs nur die Vereinsmitglieder auf. "Jedermann ist gefragt. Vor allem Zeitzeugen oder Hinterbliebene, die sich hier einbringen können." © Kommentar

 

iDie Ausstellung ist noch bis 11. Oktober, montags bis freitags von 8.30 bis 18 Uhr, in der Sparkasse zu sehen.

Jörg Wolf

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