Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Vergewaltigungsprozess mit politischer Schlammschlacht
Region Altenburg Vergewaltigungsprozess mit politischer Schlammschlacht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:07 30.03.2012

Wie berichtet, wird ihm vorgeworfen, eine Rathaus-Mitarbeiterin in den Jahren 2000 bis 2003 in drei Fällen vergewaltigt beziehungsweise sexuell genötigt zu haben. Zur gestrigen Verhandlung vor dem Amtsgericht Altenburg waren fünf Zeugen geladen. Sie schilderten, was sie damals mitbekommen haben. Dabei zeigte sich: Bereits vor Jahren haben sie wenigstens andeutungsweise von den Übergriffen gehört.

Es sei gar nicht so ungewöhnlich, dass Delikte gegen die sexuelle Selbstbestimmung erst nach einer derart langen Zeit zur Anzeige gebracht werden, erklärte Kriminal-Hauptkommissarin Monika Eichner im Zeugenstand. Sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen, bestätigte sie auf Nachfrage des vorsitzenden Richters. Seit über 20 Jahren vernimmt Eichner Opfer und kennt unzählige Schicksale und kann auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Auch im aktuell verhandelten Fall nahm sie die polizeiliche Aussage des Opfers auf. Die Polizeibeamte berichtet, die Schilderungen der einzelnen Taten seien vom Opfer nicht flüssig vorgetragen worden. Gerade bei Details sei sie oft ins Stocken geraten und musste weinen, so Eichner.

Schon zuvor war Luckas Ex-Bürgermeister Roland Hermann als Zeuge aufgerufen worden. Er bestätigte, während seiner Amtszeit seien das Opfer und die heutige Bürgermeisterin Kathrin Backmann zu ihm gekommen und hätten berichtet, Kretzschmar habe das Opfer bedrängt. Er habe seine Hilfe angeboten, die sei aber nicht eingefordert worden. Jedoch bemerkte er auf Nachfrage der Anwälte und eines Schöffen: Das Verhältnis zwischen Backmann und dem Opfer war damals schlecht.

In den Mittagspausen hätten die Rathausmitarbeiterinnen oft über Kretzschmar geredet, so die danach in den Zeugenstand berufene Angestellte der Stadtverwaltung. Denn Kretzschmar war bei ihnen nicht sonderlich beliebt. Als Stadtrat und als stellvertretender Bürgermeister hätten sie ihn lieber gehen als kommen sehen. Außerdem sei Kretzschmar ein Frauenheld. "Er hat mir auch einmal an den Hintern gefasst", sagte sie.

Der Ex-Ehemann des Opfers, ebenfalls als Zeuge geladen, sagte aus: "Meine damalige Frau hat mir erzählt, dass Kretzschmar sie bedrängt hat." Von Vergewaltigung sei jedoch keine Rede gewesen.

Einblicke ins politische Lucka gab vor allem der letzte Zeuge, Ralf Becher. Als es um den Posten des Beigeordneten nach der Kommunalwahl 2009 ging, waren er und der Angeklagte Konkurrenten. Im Vorfeld habe Backmann in Beratungskreisen gesagt: "Sollte Kretzschmar doch zum Beigeordneten gewählt werden, dann habe ich einen Plan B. Dann ist er es nicht mehr lange". Dabei habe Backmann irgendetwas sexuell Kompromittierendes gemeint, so Becher.

Mit einem Urteil ist voraussichtlich am 16. April zu rechnen. Jörg Reuter

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Zum 20. Mal steigt am 14. April die Altenburger Kneiptour. Zur Jubiläumsausgabe mit dabei sind 13 Lokalitäten in der Innenstadt. Gäste aus nah und fern werden wieder auf die Walz gehen und beim Kneipenmusikfestival sicher auf ihre Kosten kommen.

30.03.2012

Zum mittlerweile 20. Mal steigt am 14. April die Altenburger Kneiptour. Zur Jubiläumsausgabe mit dabei sind 13 Lokalitäten in der Innenstadt.

30.03.2012

Ein regelrechter Besucherstrom zieht vorgestern Abend ins Landestheater. Das Große Haus ist bis in den zweiten Rang hinauf gefüllt.

30.03.2012