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Verkrautete Pleiße macht Anwohnern in Mockern Angst

Hochwasserschutz Verkrautete Pleiße macht Anwohnern in Mockern Angst

Pleiße-Anwohner im Nobitzer Ortsteil Mockern haben Angst: Der Fluss werde immer mehr zur Gefahr, weil das Flussbett versandet sei und am Ufer Bäume und Gestrüpp wuchern. OVZ-Leser Jürgen Oettling hat deshalb Vorsorge getroffen und sich auch mit Behörden angelegt.

Für Jürgen Oettling ist die Sache klar, die Bäume da drüben müssen unbedingt verschnitten werden. Ohne Pflege ist die Pleiße für die Anwohner in Mockern eine Zeitbombe.

Quelle: Jörg Reuter

Mockern. Wenn Jürgen Oettling und seine Frau die Bilder der Überschwemmungen nach den Hurrikans in Amerika sehen, läuft es ihnen kalt den Rücken herunter. Auch weil sie 2002 und 2013 selbst Flutopfer waren. Die Pleiße fließt kaum 20 Meter hinter ihrem Haus im Nobitzer Ortsteil Mockern. „Bei jeder schwarzen Wolke bekommen meine Frau und ich Panik“, sagt Oettling und zeigt im Keller, wie hoch dort das Wasser stand. Beim ersten Mal erreichte der Pegel 1,88 Meter, elf Jahre später stieg er im Haus sogar auf 2,24 Meter.

Seitdem lebt die Familie in ständiger Angst vor einer neuen Flut. Auch weil in Sachen Hochwasserschutz an der Pleiße bisher nichts passiert ist. Dazu käme, klagt Oettling weiter, dass das Flussbett nach wie vor versandet sei und am Ufer Bäume und Gestrüpp wuchern. „Ein Urwald ist nichts dagegen“, findet Oettling. Nun sorgt er sich, denn brechen beispielsweise bei einem erhöhten Pegel Äste ab, verstopfen sie jede Engstelle – mit dramatischen Folgen nicht zuletzt für Anwohner wie Jürgen Oettling. „Mich interessiert sehr, wann bei uns endlich etwas gemacht wird“, wendet er sich Hilfe suchend an die OVZ.

Hinsichtlich der Pflege des Gewässers hinter Oettlings Haus heißt es von der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG): „Wir werden uns das auf alle Fälle vor Ort anschauen, um zu entscheiden, was notwendig ist.“ Ungeachtet dessen verweist der zuständige Referatsleiter, Matthias Neff, auf Naturschutzbelange, die gerade beim Fällen und Verschneiden von Bäumen die Zeitfenster festlegen, wann solche Maßnahmen durchgeführt werden können. Auch was die beklagten Sandbänke betrifft, werden sich seine Leute direkt an der Pleiße ein Bild machen. „Zu unseren Aufgaben in der Gewässerpflege gehört es ja, dafür zu sorgen, dass Wasser gut abfließen kann.“

Nicht so gut sind die Nachrichten den Hochwasserschutz betreffend. In Mockern werde es wohl keinen geben, informiert die TLUG. Es gebe Bereiche entlang der Pleiße, die sich nicht schützen ließen, zumindest nicht mit einem vertretbaren Aufwand, erläutert der Leiter der Prüfgruppe Hochwasserschutz der TLUG, Thomas Kleinert. Sowohl was die geografische Lage Mockerns als auch die zu erwartenden Schäden dort betrifft, sei Hochwasserschutz an dieser Stelle quasi kein Thema. „Wir als öffentliche Institution sind gehalten, unsere Mittel dort einzusetzen, wo sie die größte Hochwasserschutzwirkung haben. Das heißt im Zweifel für die Anwohner in Mockern, sie müssen selbst Vorsorge treffen“, stellt Kleinert klar.

Für Oettling muss sich das ein Stück weit wie Sarkasmus anhören. Nicht, weil er die Arbeit oder die Ausgaben scheut. Auch nicht, weil er kein Verständnis dafür hätte, dass Mockern kaum geschützt werden kann. Vielmehr hat er bereits Eigeninitiative gezeigt und unschöne Erfahrungen damit gesammelt. Der Pleiße-Anwohner verbarrikadierte nicht nur Haus und Keller, er legte auf seinem Grundstück auch einen Schutzwall an. „Den hätte ich beinahe auf Verlangen der Behörden abreißen sollen, weil das ein unzulässiger Eingriff sei. Unser Glück war nur, dass ich schriftlich belegen konnte, dass ich bereits 2002 den Damm bauen durfte“, berichtet Oettling. Er habe damals die Genehmigung erhalten.

Er ist noch immer verärgert – und entschlossen, sich gegen eine dritte Überflutung seines Hab und Guts zu wehren. „Ich hätte den Damm auf keinen Fall weggemacht. Da wäre ich eher ins Gefängnis gegangen.“

Von Jörg Reuter

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