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Verschwunden, aber nicht vergessen

Verschwunden, aber nicht vergessen

Wo sind sie hin, die beiden alten Prinzen-Eichen im Schlosspark, die angeblich über 550 Jahre auf dem Buckel hatten und an den Raub der beiden Prinzen Ernst und Albrecht erinnern sollten? Das wollte die OVZ von der Altenburger Stadtverwaltung wissen und ist dabei auf eine so interessante wie umstrittene Geschichte gestoßen.

Altenburg.

 

 

 

Das Herz des ehemaligen, langjährigen Revierförsters des Leinawaldes, Wolfgang Paritzsch, hängt verständlicherweise an Bäumen. Und es blutet, wenn diese seiner Meinung nach nicht fachgerecht behandelt werden. Im Falle der letzten verbliebenen alten Prinzen-Eiche im Altenburger Schlosspark spricht er sogar von Baumfrevel und sucht mit "Rübe ab" bildlich den Vergleich zum Schicksal des Prinzenräubers Kunz von Kaufungen. Diese Meinung (siehe obenstehenden Beitrag) kann Schlossdirektor Thomas Knechtel, in dessen Verantwortungsbereich auch der Park gehört, freilich nicht teilen.

 

"Die Beobachtung des Zustands der Prinzen-Eiche ist alljährlich Bestandteil der Baumkontrollen im Schlosspark gewesen. Dabei sind wir mehrfach auf ihren kritischen Zustand hingewiesen worden", erläutert Knechtel im OVZ-Gespräch. So sei im vergangenen Jahr festgestellt worden, dass bei der Eiche, die ohnehin nur noch als Torso existierte, ein rapider Abbau des Holzes zu verzeichnen war. Dies besonders in den bodennahen, feuchteren Bereichen durch Fäulnis sowie im oberen Bereich durch den Abwurf von Stammteilen. Da die Standsicherheit akut gefährdet gewesen sei und das Risiko eines unkontrollierten Umstürzens bestand, musste gehandelt werden. Zusammen mit der Unteren Denkmalschutzbehörde und dem Thüringer Landesamt für Denkmalpflege wurde entschieden, den Baum auf ein risikoverträgliches Maß zurückzuschneiden. "Doch während der Arbeiten im November 2012 brach der Torso vertikal auseinander und stürzte um. Auch wenn es schwer fiel, wir mussten die Reste des Stammes beseitigen", so Knechtel.

 

Damit ging Altenburg endgültig eines geschichtsträchtigen Natur-Denkmals verlustig. Der Legende nach soll Kurfürstin Margarethe mit zwei Eichen im Waldesinneren der glücklichen Errettung ihrer beiden Prinzen Ernst und Albrecht gedacht haben. Doch das scheint unwahrscheinlich, wie die beiden Geraer Heimatforscher Reinhard und Uwe Conrad 2005 in einem Beitrag im Altenburger Geschichts- und Hauskalender erklären. Denn: "Solches an keltische Baumkulte erinnerndes Gebaren der Landesmutter wäre 1455 nicht unbemerkt geblieben und hätte in der strenggläubigen Christengemeinde Irritationen hervorgerufen."

 

Auch über den Verlust der zweiten Prinzen-Eiche sowie der sogenannten Köhler-Eiche - angeblich zur Erinnerung an die Rettung von Albrecht durch Köhler - vis-à-vis auf der anderen Seite des Weges durch den Schlosspark gepflanzt, haben die Autoren keine Hinweise gefunden.

 

Einer exakten Altersdatierung habe sich die verbliebene Eiche gleichfalls mit Erfolg entzogen, so Reinhard und Uwe Conrad. "Denn die Auszählung der Jahresringe aus früheren Jahrhunderten ist nicht möglich, weil diese mittlerweile zu rotbraunem Mulm zerfallen sind."

 

Ganz auf die Erinnerung an den berühmten Prinzenraub im Park müssen die Altenburger und ihre Gäste dennoch nicht verzichten. In weiser Voraussicht über die Endlichkeit auch eines noch so langen Eichen-Lebens wurden 1992 von der Stadtverwaltung zwei neue Prinzen-Eichen gepflanzt wurden. Zu eng beieinander, wie einige Altenburger inzwischen finden. "Dies soll die Zusammengehörigkeit der beiden Brüder symbolisieren", weiß Thomas Knechtel. Um den Jung-Eichen dennoch ausreichend Wachstumsmöglichkeiten zu bieten, seien im Vorjahr die Äste der benachbarten Buche gekürzt worden.

 

Auch eine neue Köhler-Eiche gibt es. Ihre Pflanzung wurde 2006 vom Teehaus-Förderverein initiiert.

Ellen Paul

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