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Verstorbenes Ehepaar aus Altenburg vermacht Stiftung 100.000 Euro

Für benachteiligte Kinder Verstorbenes Ehepaar aus Altenburg vermacht Stiftung 100.000 Euro

Das verstorbene Altenburger Ehepaar Gisela und Helmut Wesser hat sein gesamtes Erbe der Stiftung für benachteiligte Kinder und Jugendliche Altenburger Land vermacht. Darunter befinden sich 104.000 Euro Bargeld, Schmuck und Dokumente. Der Betrag wird dem Stiftungskapital zugeführt, das sich damit auf 275.000 Euro erhöht.

Stiftungsvorsitzender Jens Daniel zeigt Dokumente aus dem Nachlass und Fotografien vom Schmuck.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Briefe vom Gericht sorgen an sich für Unbehagen. Auch Jens Daniel ging es so, als er im Juni richterliche Post bekam. Doch der Chef der Stiftung für benachteiligte Kinder und Jugendliche im Altenburger Land wollte seinen Augen nicht trauen. Amtlich mitgeteilt wurde nämlich, dass das Ehepaar Gisela und Helmut Wesser die Stiftung als Alleinerben eingesetzt hatte. „Das war für uns wunderschön, als wir davon erfuhren“, sagt Daniel.

Als schließlich der Nachlassverwalter bestimmt wurde, stellte sich heraus, dass auf Konten zweier Banken insgesamt 104 000 Euro lagen. „Unglaublich“, freut sich Daniel heute noch. Da die Nachlassregelung einige Zeit dauerte, konnte die Stiftung erst jetzt mit der freudigen Botschaft an die Öffentlichkeit gehen. Doch zum Erbe gehört nicht nur Geld. Das Ehepaar hinterließ auch ein Schließfach bei der Sparkasse, worin sich Schmuck befand.

Allein der Altgoldwert wurde von einem Fachmann auf 4000 Euro geschätzt. Jetzt sollen die Ketten, Ringe und Perlen in einem Auktionshaus versteigert werden, wodurch sich der Geldbetrag womöglich noch erhöht. Der Stiftungsvorstand hatte vor dieser Entscheidung noch erwogen, die Wertgegenstände bei einem Benefizessen zu versteigern oder interessierte Sammler zu finden.

Wie die Stiftungsmitglieder herausfanden, wohnten Gisela und Helmut Wesser viele Jahre in der Bertolt-Brecht-Straße und lebten sehr bescheiden. Kinder bekamen sie nicht. Der 1921 geborene Helmut Wesser musste 1942 in den Krieg. Während dieser Zeit lernte er seine spätere Ehefrau über Feldpostbriefe kennen. Doch heiraten konnten sie erst 1949, weil Helmut in Kriegsgefangenschaft geriet und bis 1948 in Ägypten interniert war. Das dort von ihm geschriebene Tagebuch ist auch Bestandteil des Nachlasses und wird zusammen mit anderen Zeitdokumenten, wie Fotos, Soldbuch und einer Quarantäne-Bescheinigung dem Thüringer Staatsarchiv übereignet.

Helmut Wesser arbeitete viele Jahre als leitender Angestellter in einer Karosserie-Firma in der Mozartstraße. 2013 starb Ehefrau Gisela mit 83 Jahren, was Helmut so schwer mitnahm, das er zum Pflegefall wurde. Im Mai 2016 starb er mit 94 Jahren. Das Testament hatten beide bereits 2010 aufgesetzt. Wie enge Vertraute des Ehepaars berichteten, lag vor allem Gisela Wesser sehr daran, mit dem Ersparten später vor allem Kindern zu helfen. Sie habe sich oft gegrämt, weil es etlichen von ihnen in Altenburg nicht gut gehe, übermittelte Jens Daniel die gesammelten Informationen der OVZ. So könnte die Idee entstanden sein, das Erbe der Stiftung zu vermachen. Gesichert ist dies allerdings nicht, was letztendlich aber keine Rolle spielt.

Der Vorstand habe einstimmig beschlossen, dass das Geld in das Stiftungskapital fließt, das damit auf 275 000 Euro anwächst, sagte Daniel. Dieser Betrag wird angelegt, der Erlös wird jährlich den Hilfsprojekten zugeführt. Aktuell wird ein Sommerhaus für die Regenbogenschule in Altenburg-Nord gefördert.

Eine solch hohe Spende ist einmalig in der Geschichte der Stiftung, allerdings wurde sie schon einmal als Erbin eingesetzt. Das war erst 2015. Der Altenburger Kurt Mauersberger vermachte der Stiftung 20 000 Euro.

Von Jens Rosenkranz

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