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?Vieles versäumt?

?Vieles versäumt?

Die Versäumnisse Altenburgs bei der Aufarbeitung der Geschichte des NS-Rüstungskonzerns Hasag soll jetzt Thüringens Kultusminister Christoph Matschie beheben helfen.

In einem Brief bittet die Landtags-Fraktionschefin von Bündnis 90/Grüne, Anja Siegesmund, den SPD-Politiker, Altenburg mit Fördermitteln zur Erforschung der eigenen Geschichte unter die Arme zu greifen.

 

 

 

Das Erinnern an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte als Mahnung an alle nachfolgenden Generationen darf niemals enden, schreibt Siegesmund (36) an den Minister. Und in Altenburg gehöre das ehemalige Gelände des NS-Rüstungskonzerns Hasag, das heute meist nur noch als Gewerbegebiet Poststraße bezeichnet wird, zu den letzten verbliebenen, historisch relevanten Stätten, die an das Verbrechen des Nationalsozialismus erinnern.

 

Aber: "An das schreckliche Schicksal der Kriegsgefangenen, Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge, die unter unwürdigsten Bedingungen Munition für die Rüstungsindustrie des NS-Regimes produzieren mussten, erinnert heute in Altenburg nur noch wenig. Lediglich eine schlecht lesbare Gedenktafel am ehemaligen Direktionsgebäude der Hasag und eine jährlich stattfindende Gedenkveranstaltung, die vom Altenburger Geschichtsverein veranstaltet wird, erinnern an die Tausenden Opfer", kritisiert die Fraktionschefin.

 

In Sachen Aufarbeitung der Geschichte des Hasag-Werkes sei vieles versäumt worden, beklagt sie sich bei dem SPD-Minister. "Bis heute mangelt es an umfassenden wissenschaftlichen Untersuchungen und Forschungsergebnissen. Angesichts kaum noch lebender Zeitzeugen ist die Gefahr groß, das dieses Kapitel der Altenburger Stadtgeschichte bald vergessen werden könnte", heißt es in dem der OVZ vorliegenden Brief.

 

"Statt Aufarbeitung und Etablierung einer Erinnerungskultur hat darüber hinaus die Stadt Altenburg mit 3,6 Millionen Euro Fördermitteln des Landes Flächen im Gewerbegebiet Poststraße für Neuansiedlungen aufbereitet und dabei mindestens eine Baracke des Rüstungskonzerns Hasag, die einst zur Unterbringung von KZ-Häftlingen und ihren Aufsehern errichtet wurde, abgerissen." Dies sei sowohl von Bürgern als auch Historikern als unsensibler Umgang mit der NS-Geschichte scharf kritisiert worden, denn unwiederbringlich seien authentische Zeugnisse aus der NS-Zeit zerstört und damit der Prozess des Verdrängens und Vergessens weiter gefördert worden.

 

Siegesmund setzt sich für einen öffentlichen Ort der Aufarbeitung, des Lernens, des Austausches und der Vergangenheitsbewältigung in Altenburg ein. Er könnte in einer von noch mindestens drei existierenden Baracken, die sich in Privatbesitz befinden, entstehen oder in einem Raum in der Innenstadt Altenburgs, schlägt sie vor.

 

Und sie bittet Matschie zu prüfen, ob die Ausreichung von Lotto-Mitteln möglich wäre, mit denen die Stadt oder der Geschichtsverein einen externen "Geschichtensucher" beauftragen könnten, alle relevanten Daten und Materialien zum Hasag-Werk in Altenburg zu sammeln, zu bewerten, aufzuarbeiten und zu dokumentieren, bevor weitere Gebäude abgerissen werden.

Günter Neumann

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Von Redakteur Gabriele Neumann

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