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Vier junge Sänger verzaubern das Publikum zur Operngala

Altenburger Musikfestival Vier junge Sänger verzaubern das Publikum zur Operngala

Die Operngala als Abschlussveranstaltung des Altenburger Musikfestivals verläuft immer nach ähnlichem Muster. Es gibt vier Sängerinnen und Sänger, das Festivalorchester Cappuccino aus Leipzig und ein Stammpublikum. So war es auch am Sonntag. Doch diesmal erlebten die Gäste im Festsaal des Altenburger Schlosses einen ganz besonderen Abend.

Zur Operngala vom Publikum gefeiert – die Solisten Joshua Morris, Henrike Henoch, Nadja Zeljankowa und Christopher Renz (v.l.).

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Die Operngala als Abschlussveranstaltung des Altenburger Musikfestivals verläuft wie die eine Woche vorher stattfindende Operettengala immer nach ähnlichem Muster. Es gibt vier Sängerinnen und Sänger, meist Sopran und Mezzosopran/Alt, Tenor und Bariton/Bass, und das Festivalorchester Cappuccino aus Leipzig unter der bewährten Leitung von Albrecht Winter – dessen Namen man im Programmblatt unterschlagen hatte – und ein Stammpublikum. Dieses kleidet sich meistens in Gala-Robe, ebenso wie die Festivalverantwortlichen. Man weiß eben in Altenburg, was man einer Festival-Gala schuldig ist. Dazu gehört ein Glas Sekt vor der Veranstaltung oder in der Pause.

Das Programm am Sonntagabend war eine feine Mischung beliebter „Hits“ beispielsweise aus der „Zauberflöte“, „Don Giovanni“, „Fidelio“ „Carmen“ und „La Traviata“ sowie Liedern und Arien aus nicht so gängigen Opern wie Lortzings Opernprobe, Tschaikowskis „Jungfrau von Orleans“ oder Verdis „Sizilianischer Vesper“. Alles wurde von den vier jungen Sängern Henrike Henoch, Nadja Zeljankowa, Christopher Renz und Joshua Morris in einer Art und Weise interpretiert, die freudetrunken machte: frisch, ohne Routine und mit einem gesanglichen Niveau, das von allen Großes erwarten lässt.

Etwas davon zeigte sich schon im Quartett aus Beethovens „Fidelio“ am Ende des ersten Teiles, das selten so innerlich berührend zu hören war. Junge Menschen sangen über ihre Liebe und Liebesnöte. Das war ergreifend schön.

Die Sopranistin Henrike Henoch begibt sich nach diesem Sommer ins Opernstudio der renommierten Oper Lyon in Frankreich und hat schon eine Rolle in einer neuen Inszenierung erhalten. In dieser Abschlussgala war ihre Interpretation der Arie der Donna Anna aus Mozarts „Don Giovanni“ nur ein Beispiel für ihr gesangliches Leistungsvermögen. Sie sang diese mit makellosen Legatobögen, einer genauen Diktion und perfekten Höhen in den Schlussphrasen. Mit dieser Arie gewann sie in diesem Frühjahr als jüngste Teilnehmerin auch den Nachwuchswettbewerb der drei mitteldeutschen Musikhochschulen.

Die russische Mezzosopranistin Nadja Zeljankowa erhielt ihre Ausbildung am berühmten Moskauer Tschaikowski- Konservatorium und an der Musikhochschule Leipzig. Sie ist mehrfache Preisträgerin internationaler Wettbewerbe in Moskau und in Weißrussland. In dieser Gala bewies sie, warum. Sie besitzt einen tief angelegten Mezzosopran mit vollem Volumen und einer schon reifen adäquaten Gestaltungskraft. Jede ihrer Arien wirkte schon wie vollendet, ob die Klage des Orpheus „Ach, ich habe sie verloren“ aus Glucks „Orpheus und Eurydike“ oder die schwierige Glanzarie des Tankred aus Rossinis gleichnamiger Oper.

Der Schweizer Joshua Morris ist Master-Student an der Leipziger Musikhochschule, war bisher vor allem als Solist in Oratorien, Messen und Passionen eingesetzt und singt zurzeit den Kanzler in der Oper „Der Rebell des Königs“ von Charles Gounod an der Leipziger Oper. Endlich wieder einmal ein junger Sänger als seriöser tiefer Bass! Seine Arie des Sarastro aus Mozarts Zauberflöte und vor allem sein „O Vaterland...“ aus Verdis „Sizilianischer Vesper“ waren Glanzstücke dieser Gala.

Und dann noch ein ganz besonderer Tenor. Der ehemalige Dresdner Kruzianer Christoph Renz zeigte sich zwar etwas linkisch auf der Bühne, besitzt aber einen ganz lyrischen Tenor und etwas, was den meisten guten Tenören fehlt: das hohe E. In der Arie des Tonio aus Donizettis „Die Regimentstochter“ stemmte er diesen Ton nicht nur kurz, sondern sang eine ganze Phrase in dieser Höhe, und als Postillon von Lonjumeau von Adolphe Adam in der dritten Strophe gleich noch einmal. Damit brachte er den ganzen Festsaal aus dem Häuschen.

Blick in den Festsaal des Altenburger Schlosses zur abschließenden Operngala

Blick in den Festsaal des Altenburger Schlosses zur abschließenden Operngala.

Quelle: Mario Jahn

Das Festspielorchester Cappuccino in erweiterter Besetzung unter Leitung von Albrecht Winter präsentierte sich wie immer glänzend in Form und erwies sich den Sängern stets als eine sichere und stützende Begleitung.

Kein Wunder: Das Publikum war durchweg euphorisiert. Das zeigte sich schon in den Pausengesprächen und besonders in der Begeisterung am Ende mit frenetischem Beifall und Standing Ovations für eine großartige Operngala. Viele meinten, es sei die beste seit langem gewesen. Doch da muss man vorsichtig sein. Man vergisst schnell. Doch sie wird auf jeden Fall lange im Gedächtnis bleiben, beim Publikum wie bei den Künstlern auf der Bühne.

Meteorologisch war es ein etwas frischer Sommerabend, künstlerisch ein ganz heißer. So muss Gala gehen!

Von Manfred Hainich

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