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Altenburg Viereinhalb Jahre Haft für Seriendieb aus Altenburg
Region Altenburg Viereinhalb Jahre Haft für Seriendieb aus Altenburg
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18:10 14.09.2016
Der Altenburger Dauereinbrecher Marcel N. (r.) bekommt vier Jahre und sechs Monate Haft. Sein Verteidiger Alexander Giehler (l.) hatte auf vier Jahre plädiert.  Quelle: Thomas Haegeler
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Altenburg/Gera

 Regungslos starrt Marcel N. Richtung Andrea Höfs. Das bleibt auch so, als die Vorsitzende Richterin der 11. Strafkammer des Landgerichts Gera am Mittwochmittag verkündet, dass der Altenburger zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt wird. Grund sind zwölf Einbruchsdiebstähle und dreimal Computerbetrug, was er Anfang der Woche gestanden hatte (die OVZ berichtete). Eingeflossen ist zudem die dreijährige Haftstrafe für zehn ähnliche Taten vom Amtsgericht Altenburg, die N. bereits seit Sommer vorigen Jahres absitzt. Allerdings scheint das Urteil seine Mutter, die den gesamten Prozess verfolgt hat, mehr zu treffen als den 31-Jährigen selbst.

Das wiederum könnte daran liegen, dass der Seriendieb die Strafe nicht vollständig wird absitzen müssen. Denn im Oktober hat er bereits anderthalb Jahre davon verbüßt. „Dann müssen Sie noch ein Jahr im Gefängnis sitzen und können danach in Therapie gehen“, sagt Höfs zum Angeklagten. Die Behandlung seiner vor allem von Crystal bestimmten langjährige Drogensucht legt das Gericht dem Skatstädter nahe. Eine Auflage spart man sich aber. „Wenn es Ihnen nicht gelingt, jetzt eine Kehrtwende hinzulegen, wird es ganz bitter“, redet Höfs dem Verurteilten ins Gewissen. „Wir haben die Hoffnung, dass die hier von Ihnen gezeigte Änderung anhält und sich weiter verstärkt. Das ist erst mal Ihre allerletzte Chance. Alles, was danach kommt, kann nur schlimmer werden.“

Daraufhin nicken N. und seine Mutter gleichzeitig. Das wirkt wie ein Versprechen. Ob es der 31-Jährige, der schon über fünf Jahre im Gefängnis saß und Gegenstand von 148 Verfahren bei der Staatsanwaltschaft war und ist, auch hält, bleibt jedoch abzuwarten. Schließlich wurde er immer wieder straffällig. Das war bei den nun verhandelten und einbezogenen 25 Einbrüchen, Diebstählen und Betrügereien nicht anders.

Im Frühjahr 2014 kam N. nach längerer Zeit wieder frei. Im September stahl er aus der Wohnung einer älteren Dame eine EC-Karte und hob damit Geld ab. Wenig später klaute er aus einen LKW ein Handy und das Portemonnaie samt Karten und Dokumenten. Alle paar Tage folgten bis Frühjahr 2015 Einbruchdiebstähle in ein Auto, in Kindertagesstätten, in Firmen und Kirchenräume, in soziale Einrichtungen und ein Pflegeheim. Abgesehen hatte er es dabei stets auf Bargeld, Technik, Tresore oder Essen. Es ging ihm um alles, was sich leicht in Drogen oder Bargeld umsetzen ließ, damit er seine Sucht finanzieren konnte. So wurde er zwischen September 2014 und März 2015 zu einer der Triebkräfte der durch Altenburg und Umgebung schwappenden Einbruchs- und Diebstahlswelle.

Einen Bedarf von 300 Euro pro Tag hielt das Gericht angesichts der Frequenz, der Beutehöhe und des Konsums von etwa drei Gramm Crystal täglich für plausibel. Allerdings richtete N., der fast immer mit dem Rad unterwegs war, bei seinen Diebeszügen durch etwas abgelegene Gebäude stets hohe Sachschäden an, indem er Fenster und Türen aufhebelte und die Räume durchwühlte. „Das führte zu Angst und Verunsicherung bei den Betroffenen – vor allem in der Weihnachtszeit“, sagt Höfs, während N. gen Boden schaut.

Daran ist auch für Jürgen Boße der Punkt. Der Staatsanwalt schätzt den Gesamtschaden auf weit über 100 000 Euro. „Sie haben sich auf Kosten der Allgemeinheit durchschmarotzt“, so der Ankläger. In diesem Zusammenhang weist er auch darauf hin, dass bis vor ein paar Jahren Sicherungsverwahrung für Leute wie N. in Betracht gekommen wäre. Zudem ist für den Staatsanwalt der Versuch, eine Spendenbox aus einer Kirche zu stehlen, neben den Kitas „eine besonders schäbige Geschichte“. Dennoch plädiert er nur auf vier Jahre und elf Monate Haft.

Das sieht N.s Verteidiger Alexander Giehler nur teilweise anders und hält vier Jahre Haft für angemessen. Mit ihrem Urteil trifft die Kammer fast die Mitte zwischen beiden Parteien, die das Urteil annehmen. Damit ist es rechtskräftig.

Von Thomas Haegeler

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