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Volkstrauertag in Altenburg im Zeichen der Terroranschläge

Solidaritätsbekundungen Volkstrauertag in Altenburg im Zeichen der Terroranschläge

Seit 1952 begeht man in der Bundesrepublik Deutschland den Volkstrauertag. Er ist ein staatlicher Gedenktag, der an die Opfer von Krieg, Terror und Vertreibung erinnert. Wohl in keinem Jahr zuvor erschien dieser Tag in solch einem Licht trauriger Aktualität und Internationalität wie an diesem trüben Novembersonntag.

Wie weltweit zahlreiche andere Objekte ist auch das Gebäude der Altenburger Gastwirtschaft "Kulisse" in den Farben der französischen Trikolore angestrahlt.

Quelle: Jens Paul Taubert

Altenburg. "Ich bin fast sprachlos nach der vorvergangenen Nacht in Paris. Heute stehen wir hier, entsetzt und sehr, sehr traurig. Wir sind in Gedanken bei den Familien der Opfer", gestand Landrätin Michaele Sojka (Linke) auf der zentralen Gedenkveranstaltung des Landkreises ein, die am Kriegsgräberfeld für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges auf dem Altenburger Friedhof stattfand. Und Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) ergänzte: "Zwar hatten wir in jedem Jahr aktuelle Bezüge zu den Themen, die wir zum Volkstrauertag gemeinsam besprochen haben, doch noch nie waren Themen so nah an uns selbst." Seit den Terroranschlägen am Freitagabend sei erneut klar geworden, wie Gewalt mitten in unserer Gesellschaft angekommen ist, um Menschen in Schrecken und Angst zu versetzen, so das Stadtoberhaupt. "Vor dem Hintergrund, dass auch heute noch Krieg, Terror und Vertreibung den Alltag auf der Welt bestimmen, haben Bedeutung und Symbolkraft des Volkstrauertages an ihrer Aktualität nichts verloren."

Die Landrätin erfüllt es mit großer Sorge, wie die rechte Gewalt in Deutschland zunehme. Deutlich wurde hier auch Michael Wolf: "Wir dürfen es nicht zulassen, dass wir antwortsuchende Menschen rechtsextremen Agitatoren überlassen. Wir können es uns nicht erlauben, dass unverhohlene - an die Zeiten des Nationalsozialismus erinnernde - Parolen in unseren Straßen erklingen."

"Wir stehen alle unter dem Eindruck der Terroranschläge von Paris", sagte auch Superintendent Michael Wegner in seiner Predigt. Er zitierte Bertolt Brecht: "Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist, weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt!" Die Zeilen stammen aus "An die Nachgeborenen", ein Text deutscher Exilliteratur, entstanden in den Jahren von 1934 bis 1938, erschienen 1939 - in Paris.

Superintendent Michael Wegner, Oberbürgermeister Michael Wolf und Landrätin Michaele Sojka (v.l.) bei der zentralen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag auf dem Altenburger Friedhof.

Superintendent Michael Wegner, Oberbürgermeister Michael Wolf und Landrätin Michaele Sojka (v.l.) bei der zentralen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag auf dem Altenburger Friedhof.

Quelle: Klaus Peschel

Nach den Gedenkreden in der Friedhofskapelle wurden Kränze an den Tafeln mit den Namen von im Ersten Weltkrieg Gefallenen niedergelegt. "Die Namen erinnern uns an unsere Verpflichtung", sagte Superintendent Michael Wegner. Ähnliche Veranstaltungen fanden auch in Schmölln, Meuselwitz, Lucka, Rositz, Wintersdorf und Zschernitzsch statt.

Angesichts der Terroranschläge von Paris waren außerdem die Fahnen an öffentlichen Gebäuden wie am Landratsamt oder am Altenburger Rathaus mit Trauerflor versehen. Der Thüringer Innenminister Holger Poppenhäger (SPD) hat es für die Dienstgebäude aller Behörden und Dienststellen des Freistaates von Sonnabend bis einschließlich Montagabend angeordnet und dies den Gemeinden, Körperschaften und Stiftungen des öffentlichen Rechts als "Zeichen der Trauer, Anteilnahme und Solidarität mit dem französischen Volk" ebenfalls empfohlen.

Bei der "Lichterkette gegen Rechts" für mehr Toleranz am Sonnabendnachmittag auf dem Altenburger Markt, zu der ein Bündnis aus Jugendlichen aufgerufen hatte, wurde der Opfer von Paris ebenso gedacht wie beispielsweise vor einer Faschingsveranstaltung am Abend in Wintersdorf. "Wir haben eine Schweigeminute eingelegt", so der Wintersdorfer Ortsteilbürgermeister Thomas Reimann (UWW), der außerdem wie viele Kollegen seine vorbereitete Rede für den diesjährigen Volkstrauertag umschreiben musste.

Die mit Abstand beeindruckendste Aktion war am Samstagabend in Altenburg zu sehen. Wie weltweit zahlreiche bekannte Gebäude oder Objekte - vom Brandenburger Tor in Berlin bis zur Oper in Sydney - erstrahlte auch das Gebäude der Gastwirtschaft "Kulisse" am Theaterplatz, zugleich Sitz der Firma Matzke GmbH & Co. KG, in den französischen Nationalfarben blau-weiß-rot. "Wir wollen damit unsere Verbundenheit mit den Opfern zum Ausdruck bringen, wollen zeigen, dass unsere Gedanken bei den Franzosen sind", erklärt Geschäftsführerin und Gastwirtin Kathrin Meier. Für den Chef der Altenburger CDU André Neumann Grund genug, ein Foto zu machen und es auf seiner Facebook-Seite zu posten - versehen mit der Bemerkung "Eine wunderbare Geste! Daumen hoch!"

Klaus Peschel und Ellen Paul

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