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Vollschutz bei Bruthitze - Chemieunfall ist zum Glück nur eine Übung

Vollschutz bei Bruthitze - Chemieunfall ist zum Glück nur eine Übung

Bedrohlich zischt samstagfrüh milchig-weißer Nebel aus dem knallroten Tank des dunkelblauen LKW. Der steht auf der Kreisstraße 602 zwischen Naundorf und Starkenberg.

Starkenberg.

 

 

 

Die Wolke zieht gen Kraasa. Wenige Meter weiter machen sich kurz vor 8 Uhr Kreisbrandinspektor Uwe Engert und seine Helfer bereit, die größte Gefahrenübung im Landkreis in diesem Jahr ins Rollen zu bringen. "Los geht's", sagt Engert und gibt via Telefon der Rettungsleitstelle in Gera das entscheidende Signal. Alarmiert wird der komplette Gefahrgutzug des Landkreises sowie die Starkenberger Wehr, immerhin rund 80 Feuerwehrleute mit 19 Fahrzeugen.

 

"Für uns eine Premiere, denn erstmals probt der komplette Gefahrgutzug, der in den Wehren Altenburg, Schmölln, Altkirchen und Meuselwitz stationiert ist, zusammen", erklärt Engert. Angenommen wird ein fatales Szenario: Aus dem undichten Tank eines LKW soll Chlorgas austreten und die stark ätzende Wolke gen Kraasa ziehen. Verätzungen haben auch der LKW-Fahrer sowie zwei weitere Autofahrer erlitten, die in die Wolke hineinfuhren.

 

Sekunden später heulen über Starkenberg die Sirenen. Engert, Kreisbrandmeister Jan Röder und der Zugführer Gefahrgutzug Jörg Fischer drücken die Stoppuhren. Packen es alle, rechtzeitig am Einsatzort zu sein? Gleichzeitig wird auch die Altenburger Polizei alarmiert. Gespannt verfolgt Polizeichef Andreas Pöhler den Funkverkehr seiner Kollegen. "Wir haben es hier mit gefährlichem Chlor zu tun. Die Ansagen müssen klar sein", sagt er. Logisch: Auch ein Polizist begäbe sich im Falle von Chlorgas in Lebensgefahr.

 

Doch bei Pöhler weicht ebenso die Anspannung wie bei Engert. "Die Ansagen waren klar und haben das Szenario gut umrissen", sagt Pöhler. Derweil kann Engert die in großer Anzahl herbeigeeilten Starkenberger Feuerwehrleute einweisen. Die scheinen übrigens überhaupt nicht zu realisieren, dass hier "nur" eine Übung abgeht und sehen nicht, dass der havarierte LKW vom Technischen Hilfswerk stammt und der Qualm nur harmloser Bühnennebel ist.

 

Max Brinkmann und Tobias Kräuter machen sich ungeachtet der schon so früh herrschenden subtropischen Temperaturen klar für einen ersten Vorstoß, legen sich zusätzlich zur ohnehin schon schweren Feuerwehruniform noch schweren Atemschutz an, um Menschen zu retten sowie die Ladungspapiere aus dem LKW zu bergen. Erst dann wissen die Retter genau, was da aus dem Tank zischt. Sie erledigen ihren Part ebenso, wie die nun immer mehr anrückenden Spezialisten vom Gefahrgutzug. Die ansonsten zu solcher Zeit eher ruhige Kreisstraße, auf der nur Kunden zum Bäcker im Nachbardorf fahren, verwandelt sich in ein Heerlager in sattem Rot. Die Brötchen müssen an diesem Morgen über einen Umweg geholt werden. Denn die K 602 ist dicht.

 

Derweil wirken Beobachter Uwe Engert und Fachmann Jörg Fischer immer entspannter: "Es klappt alles besser, als ich gedacht habe. Die Kooperation funktioniert gut", sagt Engert. Und Fischer ergänzt: "Auch die drumherum anfallenden Aufgaben, wie die Warnung der Bewohner von Kraasa vor der Wolke und die Suche einer vermissten Person um angrenzenden Feld haben geklappt."

 

Derweil hat der Gefahrgutzug mit seiner speziellen Ausrüstung das notwendige Gerät aufgefahren: In schweren Chemieschutzanzügen - Höchststrafe für deren Träger in dieser Hitze - machen sich zwei Kameraden auf den Weg zum LKW, um das Leck abzudichten. Und die Kollegen aus Altkirchen bereiten derweil die bei Chemieunfällen nötige Dekontaminierung vor. Als die erfolgt ist, beginnt das große Aufräumen und Abrücken.

 

Keine zwei Stunden nach dem entscheidenden Anruf von Uwe Engert liegt die K 602 wieder verlassen in der Sommerhitze. Nur ein paar verdunstende Wasserlachen erinnern an die Übung.

 

© Kommentar

Jörg Wolf

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