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Altenburg Vom Arznei- zum Alkoholhandel: Altenburger „Drogenhaus“ geht an neuen Besitzer
Region Altenburg Vom Arznei- zum Alkoholhandel: Altenburger „Drogenhaus“ geht an neuen Besitzer
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00:16 18.07.2017
Geschäftsführer Ralf Neumann geht zum 1. August in den Ruhestand – und verkauft die über 200 Jahre alte Drogerie in der Baderei an die Altenburger Destillerie & Liqueurfabrik. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Vom Kräuter- zum Drogen- zum Alkoholhandel: Das „Drogenhaus“, das über viele Jahre das Bild der Altenburger Innenstadt und besonders der Baderei prägte, schließt Ende Juli seine Pforten. Nach mehr als 35 Jahren verabschiedet sich Geschäftsführer Ralf Neumann in den Ruhestand.

„Eigentlich bin ich schon seit 15 Jahren im Rentenalter“, schmunzelt der 77-Jährige, dessen Name seit 1991 an der Fassade über dem Eingang thront. Doch die Geschichte der Drogerie geht noch viel weiter zurück. Bereits 1793 gründete die Firma eines gewissen Emil Seifert hier einen „Kräuterhandel“: Medizin und Gewürze standen in den Regalen zum Verkauf bereit. Um 1927 wurde die beiden Häuser, die heute die Baderei 11 bilden, zusammengebaut – so wurde auch der Laden vergrößert und bekam jene Form, die er bis heute beibehalten hat: Zwei Eingangstüren, Knick in der Fassade, Trennwand in der Mitte des Geschäfts.

Einige Jahre nach dem zweiten Weltkrieg wurde der damalige Kräuterhandel von der Handelsorganisation, einem staatlichen Einzelhandelsunternehmen in der DDR, übernommen und fortan verwaltet. Ralf Neumann begann mit seiner Arbeit in der Drogerie etwa 10 bis 15 Jahre vor der Wende, stieg bald zum Geschäftsführer auf und bekam nach der Wiedervereinigung den Zuschlag von der Treuhand: Ab 1991 befand sich die Drogerie in seinem Besitz.

„Wenn ich nur 20 Jahre jünger wäre, würde ich auch weitermachen“, erzählt der Nobitzer heute. Seine beiden Kinder verdienen ihren Lebensunterhalt inzwischen in anderen Berufsfeldern, vererben kann er sein Unternehmen also auch nicht. Ohnehin sehe er für sein Geschäft „keine Zukunftschancen mehr“: Die großen Drogerieketten würden den Markt inzwischen derart dominieren, dass es in dieser Branche für einen Kleinbetrieb immer schwieriger werde. Dank einiger Marktlücken, auf die Neumann setzte – etwa indem er ostdeutsche Produkte und zusätzlich zu den üblichen Drogerieartikeln auch Schädlingsbekämpfungsmittel ins Sortiment aufnahm – sei er über die vergangenen Jahre aber immerhin noch „gut über die Runden gekommen“.

Nun geht Neumann in den verdienten Ruhestand – und verkauft seinen Laden an ein anderes, traditionsreiches Unternehmen der Skatstadt: die Altenburger Destillerie & Liqueurfabrik. Eine Bestätigung oder ein Kommentar seitens des 68 Jahre alten Unternehmens steht zwar noch aus, laut Neumann werde in seinen ehemaligen Räumlichkeiten jedoch eine Außenstelle der Brennerei entstehen. „Ich bin wirklich sehr froh, dass der Standort im Besitz eines Altenburger Unternehmens bleibt“, resümiert der 77-Jährige.

Bis zur Schließung am 31. Juli findet noch ein Räumungsverkauf im bald ehemaligen Drogenhaus statt. Neumanns abschließende Worte: „Ich möchte mich herzlich bei all unseren treuen Kunden bedanken, die uns über all die Jahre begleitet haben.“

Von Christian Neffe

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