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Vom Baugerüst: sensationeller Blick auf Altenburg

Fassadenkletterer am Schloss Vom Baugerüst: sensationeller Blick auf Altenburg

Man soll die Feste bekanntlich feiern, wie sie fallen. Nach dieser Devise hat die Altenburger Stadtverwaltung am Freitagnachmittag zu einem gar ungewöhnlichen Event eingeladen – einem Fassadenfest. Wer schwindelfrei war und ein Ticket ergatterte, konnte das riesige Baugerüst am Schloss erklimmen und einen völlig ungewohnten Blick auf Altenburg genießen.

Toller Blick auf Altenburger auf der ersten Plattform in 20 Metern Höhe.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Man soll die Feste bekanntlich feiern, wie sie fallen. Nach dieser Devise hat die Altenburger Stadtverwaltung am Freitagnachmittag zu einem gar ungewöhnlichen Event eingeladen – einem Fassadenfest. Denn es geht momentan nicht weniger als einer der größten Wünsche der Skatstädter in Erfüllung: Die Fassade des Schlosses wird saniert. Auch wenn es nur der erste Teil ist, der sogenannte Abschnitt IV genau vis-à-vis der Gastwirtschaft „Kulisse“, so darf dies doch als ein bemerkenswerter Startschuss angesehen werden.

„Wir haben in unserer Stadt in den zurückliegenden 25 Jahren schon viele historische Gebäude saniert, und im Schlosskomplex sind mittlerweile sämtliche Dächer neu gedeckt“, sagte Obermeister Michael Wolf (SPD) vor den zwar nicht üppig, aber doch zahlreich erschienenen Gästen. Aber immer wieder werde er von den Bürgern und Touristen auf die so triste Fassade des Schlosses angesprochen. Um so mehr freue er sich, dass es jetzt losgeht.

Und die Stadtverwaltung hatte sich aus diesem Grund etwas Besonderes einfallen lassen. Wer schwindelfrei war, konnte das Baugerüst erklimmen und einen völlig ungewohnten Blick auf Altenburg genießen. Im Halbstunden-Takt wurden die Gruppen zu je zehn Personen in luftige Höhen geführt. „200 Stufen müssen Sie schaffen, fast so viele wie im Völkerschlachtdenkmal“, witzelte Jürgen Fröhlich. Der Chef der Unteren Denkmalschutzbehörde hatte für die ungewöhnlich Aktion den Hut, pardon den Helm auf.

Auf der Plattform in einer Höhe von etwa 20 Meter wurden dann die Fotoapparate und Handys gezückt und die seltenen Motive geschossen. Weil aber die meisten angstlos und schwindelfrei waren, stieg man dann noch einmal knapp 20 Meter höher . „Herrlich!“ „Wunderbar!“ „Herzlichen Dank, dass Sie uns das ermöglicht haben“, waren die Reaktionen derer, die eine Karte zum Aufstieg ergattert hatten. Schon gegen 14.45 Uhr haben die ersten angestanden, kurz nach 16 Uhr waren alle der für insgesamt sieben Führungen zur Verfügungen stehenden kostenlosen Tickets vergriffen.

Gleich in der ersten Runde dabei waren Ingeborg und Detlef Brinkhoff, die am Theaterplatz wohnen und den Aufbau des Gerüsts tagtäglich mit stauenden Augen verfolgt hatten. Nun wollte man unbedingt das eigene Haus von so weit oben fotografieren. Den Blick zum Schloss wird auch Holger Porzig bald genießen können, der in der Pauritzer Straße ein Haus baut. „Meine Vorfahren lebten seit 500 Jahren im Altenburger Land, waren zum Teil auf dem Schloss Anspanner“, erzählte er. Es sei deshalb eine tolle Sache, hier oben zu stehen.

Rund 1,5 Millionen Euro wird die Sanierung dieses Teils der Schlossfassade kosten, 85 Prozent davon sind Fördermittel des Landes. 1735 Quadratmeter Fassade mit 80 Fensteröffnungen müssen auf Vordermann gebracht werden. Zuletzt war dies – man mag es kaum glauben – im Jahr 1730 unter der Herrschaft von Herzog Friedrich III. geschehen. Voraussichtlich Ende 2017 soll dieser Teil des Schlosses wieder im historischen Weiß erstrahlen, der Ursprungsfarbe aus dem 17. Jahrhundert.

Von Ellen Paul

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