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Altenburg Vom Dachboden ins Staatsarchiv
Region Altenburg Vom Dachboden ins Staatsarchiv
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18:46 04.01.2013

Von Jenifer Hochhaus

"Nein zur Pille" - die Ansicht des Papstes war dem Spiegel 1968 diese Schlagzeile wert. "Mörderisches Atom" hingegen prangte 1986 vom Cover der Zeitschrift. Wer wissen will, welche Nachrichten es in den anderen Jahren auf den Titel schafften, kann im Thüringer Staatsarchiv in sämtlichen Spiegel-Ausgaben samt den Sonderheften schmökern. "Es ist sehr interessant, wenn man die europäische und Weltgeschichte verfolgen will. Aber auch die DDR-Geschichte lässt sich so aus einem anderen Blickwinkel betrachten", sagt Archivleiterin Doris Schilling. "Das bereichert das Angebot des Hauses sehr."

Dabei ist die Sammlung eine Ausnahme im Thüringer Staatsarchiv, das normalerweise für Originalakten zuständig ist. "Dass wir trotzdem zugegriffen haben, zeigt, für wie bedeutend die Sammlung gehalten wird." Über 3000 Hefte sind es, die über politische Ereignisse berichten, einen Einblick ins Lebensgefühl von Generationen geben, deutsch-deutsche Geschichte widerspiegeln und auch Journalismus im Wandel der Zeit zeigen. Sogar die alten Werbebeilagen hat der hessische Sammler aufgehoben, um seinen Bestand vollständig zu haben.

Willi Horneff heißt der Mann, der jahrzehntelang das Nachrichtenmagazin gelesen und aufbewahrt hat. "Ich interessiere mich sehr für Geschichte und habe gedacht, dass ich die Zeitschriften mal für mein Hobby gebrauchen kann", erzählt der 65-Jährige, warum er als Student Anfang der 70er-Jahre mit dem Sammeln anfing. "Die Jahrgänge sollten immer komplett sein. Auch wenn ich im Ausland war, in Russland oder Brasilien, habe ich mir die Ausgaben nachschicken lassen." Frühere Jahrgänge wurden nach und nach ergänzt und anschließend auf dem Dachboden gelagert.

Vor einigen Jahren entschied er sich, seine Sammlung, zu der auch die Focus-Ausgaben seit 1993 gehören, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. "Ich habe mir überlegt, sie in eines der Archive in die neuen Bundesländer zu geben, weil es eine solche Sammlung dort nicht gibt. Das wollte ich ändern", sagt Willi Horneff.

Es ist aber vor allem einer persönlichen Bekanntschaft zu verdanken, dass der Gundernhausener sich für Altenburg entschied. "Der verstorbene Archivdirektor Joachim Emig war früher mein Nachbar", erzählt er. "Bei meinen Recherchen zur Ortsgeschichte hat er mir mehrmals geholfen. Wir haben uns gut gekannt."

Doch nicht nur der gute Zweck machte den Deal perfekt. 3500 Euro haben die sechs Thüringer Staatsarchive zusammengelegt. "Eine symbolische Gegenleistung", betont Schilling, "die nicht dem Wert der Sammlung entspricht." Denn einzelne Ausgaben der frühen Jahrgänge werden für bis zu 16 Euro verkauft. Seltene Hefte, wie das der Mondlandung oder mit Marilyn Monroe, sind ebenfalls begehrt.

"Das Interessante ist auch: Man sieht in der Übersicht der vielen Jahre sehr gut, dass sich tagespolitische Themen regelmäßig wiederholen", sagt Schilling. "Gesunde Ernährung, Atomausstieg und Ärztecheck sind solche Beispiele." Dies zeigt sich übrigens auch in der Geburtswoche der 45-jährigen Archivleiterin: Der Spiegel beschäftigte sich unter dem Titel "Ein neues Versailles" mit dem Atomsperrvertrag.

Das Staatsarchiv, Schloß 7, ist Dienstag bis Donnerstag jeweils 8 bis 15.45 Uhr geöffnet.

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