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Vom Garten auf den Markt

Vom Garten auf den Markt

Stolze 14 Meter ist die gemeine Fichte hoch, die seit gestern den Altenburger Markt ziert und von der kommenden Adventszeit kündet.

Rositz/Altenburg.

Der etwa 60 Jahre alte Baum stammt wie sein kleinerer Bruder, der am Kornmarkt seinen Platz gefunden hat, aus Rositz. Lutz Meyner, im Rathaus unter anderem für den Weihnachtsmarkt zuständig, leitet seit 20 Jahren das "Projekt Tannenbaum". Seit gestern ist diese Geschichte ein paar Kapitel reicher.

 

 

 

Donnerstag, 7.45 Uhr, in der Altenburger Straße in Rositz. Es ist noch dunkel und es regnet. Zwar ist alles angerichtet: Auf dem Grundstück von Burkhardt Erler stehen zwei schmucke Bäume, die auf den Haupt- und den Kornmarkt in die Skatstadt umziehen sollen. Als strahlende Weihnachtsbäume an ihre auserlesenen Standorte.

 

Mit Ronald Tietze ist auch ein Profi in Sachen Baumfällung unter erschwerten Bedingungen anwesend. Das Kranpersonal zum Herausheben der Bäume vom engen Grundstück steht ebenso Technik bei Fuß wie die Mitarbeiter des örtlichen Energieversorgers, die bei der eigentlichen Fällung kurz den Saft von den Oberleitungen nehmen sollen. Sicher ist eben sicher.

 

Nur: Die allgemeine Stimmung von Lutz Meyner gleicht dem trüben Wetter. "Kann nicht sein", schüttelt er immer wieder mit Blick auf den bereitgestellten Sattelauflieger den Kopf. "Das ist der falsche. Mit dem bekommen wir den großen Baum niemals weg." Lange Telefonate gehen hin und her. Kein Ersatz ist vorerst in Sicht.

 

"Das ist eben live", sagt Meyner und kommt ins Plaudern. Immer wenn die Weihnachtszeit ansteht, macht sich der Rathausmitarbeiter auf die Suche nach geeigneten Bäumen. "Da erlebt man Sachen, die ein Buch füllen könnten." Früher habe man noch größere Bäume herangekarrt. "Um die 20 Meter waren die groß und die Reise führte uns bis ins Erzgebirge an die tschechische Grenze nahe Frauenstein", erzählt der Tannenbaumexperte.

 

Auch damals habe sich einmal das Transportmittel als unbrauchbar, weil zu klein erwiesen. "Den Baum mussten wir zwei Tage im Wald ablegen, um passenden Ersatz heranzuschaffen." Als die Altenburger mit dem richtigen Transportmittel wieder vor Ort waren, fehlten dem Baum circa zwei Meter Spitze. "Offenbar hatte ein Wanderer den umgelegten Baum gesehen und die Spitze gleich als privaten Weihnachtsbaum mitgenommen." Ein neuer Marktschmuck musste her.

 

Wie auch ein paar Jahre später, als der Baum zwar in der Skatstadt angeliefert wurde, aber dessen Aussehen Meyner Schauer des Entsetzens über den Rücken jagte. "Den Leuten, die ihn holten, war der Baum aus Versehen umgekippt. Dabei hatte er jede Menge Äste verloren. Deshalb war der Baum teilweise richtig kahl." Ergebnis: Kaum stand das nur für Lacher sorgende Nadelgehölz vor dem Rathaus, wurden die Kettensägen angeworfen und der Krüppel entfernt. "Da war sofort klar, dass ein Ersatz her musste."

 

Ja, die Weihnachtsbaumbeschaffer sind halt auch ausgemachte Ästheten: "Die richtige Höhe, ein gerader Wuchs und rundum gleichmäßig gewachsene Äste", umreißt es Lutz Meyner. Wie eben bei den Bäume gestern in Rositz. Und für den Größeren fand sich dann doch noch ein passendes Transportmittel. Fällung und Verladung konnten zwar etwas verspätet, aber ohne Komplikationen erfolgen.

 

Flink wie ein Wiesel hat zuvor Ronald Tietze beide Bäume erklommen, sie am Kran befestigt und mit seiner Motorsäge Fakten geschaffen. "Da gab es schon schwierigere Orte", meinte der Profi.

 

"Die größere Fichte hat mein Vater vor 60 Jahren gepflanzt", sagt der bisherige Besitzer Burkhardt Erler. "Da ist man schon ein wenig stolz darauf, die Bäume für den Altenburger Markt zu liefern", fügte der 59-Jährige hinzu. Sein Vater Heinz, derzeit im betreuten Wohnen in Gößnitz lebend, werde auch seine helle Freude daran haben, welche hohe Ehre beide Bäume erhalten. "Das guckt er sich garantiert auch selber an", sagte Erler. Aber sowohl der große als auch der kleinere Baum, den Erler übrigens vor rund 20 Jahren höchstselbst als kleinen Weihnachtsbaum einpflanzte, mussten wegen ihrer jetzigen Größe weg. "Sie überragen alles und nehmen vor allem das Licht", begründet der Rositzer Spender.

 

Den Weg in die Skatstadt überstanden beide Bäume inklusive des Aufstellens auf Markt sowie Kornmarkt unbeschadet. "Klar ist man da erleichtert, wenn alles dann doch noch glatt lief", gesteht Meyner.

 

Übrigens: Der Tannenbaumexperte aus dem Rathaus hat auch für kommende Weihnachten noch den einen oder anderen Baum in der Hinterhand. "Jedes Jahr bieten uns Grundstücksbesitzer solche gut gewachsenen Bäume an, weil sie aus irgendeinem Grund weg müssen. Das Fällen und den Transport übernehmen wir, was dem Grundstückseigner die Kosten erspart", erklärt der Rathausmitarbeiter. "Da gehen immer um die 20 Meldungen bei uns ein."

 

Auch der Stadt erspart es so die Kosten langer Fahrten und einer beauftragten Firma. Trotzdem: 2500 bis 3000 Euro für fachgerechte Fällung, Kran und Transport ist der Stadt ein schöner Weihnachtsbaum wert.

Jörg Wolf

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