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Von Berufs wegen auf den guten Ton geeicht

Tontechniker Roland Hansen Von Berufs wegen auf den guten Ton geeicht

Wer Theater, Museum oder Bücherei besucht, kann viele Aufgaben, die hinter den Kulissen anfallen, nur erahnen. Und viele derjenigen, die für den reibungslosen Ablauf in Kultureinrichtungen sorgen, bekommen Gäste nur selten zu Gesicht. Deshalb stellen wir in loser Folge Menschen vor, die sonst im Hintergrund arbeiten. Heute: Roland Hansen, Leiter der Ton- und Videotechnik am Altenburg-Geraer Theater.

Herr der Regler und des Tons im Theater Altenburg: Soundtechniker Roland Hansen am Mischpult.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Wie viele Stufen er bis zu seinem Arbeitsplatz erklimmen muss, hat Roland Hansen noch nie gezählt. „Aber das ist mein täglicher Sport“, sagt der Leiter der Ton- und Videotechnik am Altenburger Landestheater. Bis zu 20 Mal am Tag läuft er die Strecke vom Eingang des Theaters bis hin zur Tonabteilung, die ganz oben direkt hinter dem dritten Rang liegt. Hier ist der Platz, an dem sich alles um Geräusche, Töne, Musik und den richtigen Klang dreht. Mikrofone, Mischpulte, Verstärker, Aufnahmegeräte, uralte Tonbandgeräte, Keyboards und vieles mehr warten darauf, den Inszenierungen das gewisse Hörerlebnis zu verpassen.

Vor mehr als 30 Jahren, als Hansen als studierter Informationstechniker im Theater anfing, sah das noch ganz anders aus. „Zwei alte Tonbandgeräte, eine Mischeinrichtung, ein paar Lautsprecher und Verstärker sowie vier Mikrofone gab es damals“, erinnert sich der 61-Jährige. „Tontechnik war noch die Ausnahme.“ Erst in den 90er-Jahren wurde die Tonübertragungs- und Beschallungsanlage im Theater eingeweiht. Seitdem entwickelt der Meuselwitzer gemeinsam mit seinem Team die Technik immer weiter, verfolgt die Neuerungen und bringt seine Ideen ein. Mittlerweile gibt es kaum ein Stück, dass ohne die Hilfe der Ton- und Videotechniker auskommt.

Bereits im Vorfeld ist die vier Mann starke Abteilung eingebunden. „Es muss durch die Klänge auf der Bühne ein Effekt, eine Atmosphäre erzeugt werden. Die Regisseure haben dabei eine Vorstellung, was mit den Tönen erreicht werden soll“, beschreibt Hansen, der dann dafür sorgt, dass genau diese Vorstellungen zu hören sind. Um die Wünsche zu erfüllen, geht es auf die Suche ins Geräuscharchiv und den Tonfundus. Manches Mal müssen Hansen und seine Mitarbeiter aber auch selbst den richtigen Klang produzieren. An schwierige Aufgaben wie ein Magenknurren, ein Müllsackrütteln oder das Quieken einer Ratte erinnert sich der Techniker dabei. „Meistens kommt man auf Umwegen zum richtigen Ergebnis“, sagt der Fachmann. „Besonders die Märcheninszenierungen sind natürlich prädestiniert dafür, mit außergewöhnlichen Geräuschen gefüllt zu werden.“

Neben der Geräuschproduktion und den Aufnahmen von Orchester- und Gesangsstücken, die zum Teil bei Inszenierungen eingespielt werden, übernehmen die Tontechniker auch bei den Vorstellungen die Abmischung für die Mikrofone und Einspielungen. „Eine besondere Herausforderung sind die Musicals“, beschreibt Hansen. Bei „Les Misérables“ oder „Chess“ zum Beispiel müssen bis zu 40 Mikrofone für Chor und Solisten eingestellt, angepasst und bedient werden, vor jeder Vorstellung gibt es einen Soundcheck. „Während der Vorstellung ist der Konzentrationsgrad gewaltig“, sagt Hansen. An ihren Mischpulten verfolgen die Techniker das Bühnengeschehen, schalten die Mikros für jeden Darsteller ein und aus. Und wenn Mikrofone ausfallen, wird hinter der Bühne die Technik in Sekundenschnelle ausgetauscht. „Da kann so viel passieren, gerade die Mikros, die direkt am Gesicht getragen werden, sind sehr empfindlich.“

Man versuche natürlich, dass der Zuschauer von diesen kniffligen Situationen nichts mitbekommt. Aber manches Mal lassen sich kleine Pannen nicht vermeiden: „Ich erinnere mich noch an eine Inszenierung, bei der ist der Hauptdarsteller von der Bühne gegangen und war nicht zufrieden mit seiner Leistung“, erzählt Hansen eine Anekdote aus seinem Arbeitsleben. „Ich habe das Mikrofon eine Sekunde zu spät ausgeschaltet, sodass alle ihn noch fluchen gehört haben.“ Viel lieber denkt er aber daran, wenn es geklappt hat, wenn er die Technik bei bekannten Persönlichkeiten bedient hat oder Großereignisse gestemmt wurden. „Carmina Burana“ zum Bespiel. „In solchen Fällen arbeiten wir aber auch mit Fachfirmen zusammen, das können wir allein nicht bewältigen.“ Und auch wenn die Technik im Vergleich zu seinen Anfangsjahren inzwischen viel neuer und ausgereifter ist, ein paar Wünsche hat er noch. Denn Hörerlebnisse sollen weiterhin entstehen, hier im Reich der Töne und Klänge, ganz oben direkt hinter dem dritten Rang.

Von Jenifer Hochhaus

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