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Von Finanzhilfe bis Kondomführerschein: 25 Jahre Schwangerschaftsberatung

Altenburg Von Finanzhilfe bis Kondomführerschein: 25 Jahre Schwangerschaftsberatung

In den 25 Jahren ihres Bestehens hat sich die Angebotsvielfalt der Altenburger Schwangerschaftsberatung kontinuierlich erweitert. Inzwischen wird neben Beratungsgesprächen auch sexuelle Aufklärung an Schulen betrieben. Außerdem ist die Einrichtung der Diakonie Thüringen auch eine Anlaufstelle bei Krisen nach der Entbindung.

Von links: Sandra Rabe, Stefanie Lochmann und Kristina Steinhäuser beraten in der Münsaer Straße 27 zu Fragen vor, während und nach der Schwangerschaft.

Quelle: Mario Jahn

Altenburg. Eine Schwangerschaft stellt das gesamte Leben auf den Kopf. Umso wichtiger ist es, auf die neun Monate Wartezeit und die ersten Monate des Babyglücks gut vorbereitet zu sein – am besten mit professioneller Unterstützung. Eine der ersten Anlaufstelle dafür ist die Altenburger Schwangerschaftsberatung. Die feierte vor wenigen Wochen ihr 25-jähriges Bestehen. Und in diesen Jahren hat sich vieles verändert.

Angefangen hatte es im Jahr 1992 in der Albert-Levy-Straße 59a unter Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt (AWO), 2007 übernahm die Diakonie Ostthüringen und die Schwangerschaftsberatung zog in die Münsaer Straße 27, wo ihre Türen noch heute allen hilfe- und ratsuchenden Frauen und Familien offen stehen. Sandra Rabe ist seit 2001 dabei, damals noch „die Kleine“ im Team, mittlerweile Einrichtungsleiterin. Beschränkte sich das Angebot anfangs im Wesentlichen auf Vermittlungsleistungen zwischen werdenden Müttern und der Thüringer Stiftung „HandinHand“, bieten die drei Mitarbeiterinnen der Einrichtung inzwischen ausführliche Beratungen und Angebote zur sexuellen Bildung an.

Gerade letzteres gewinnt – besonders in Zeiten, in denen Pornografie immer leichter verfügbar ist – an stets wachsender Bedeutung. Sexuelle Bildung beginnt deshalb schon in der Vorschule und beschäftigt sich dort mit dem Unterschied zwischen Jungen und Mädchen oder der Körperwahrnehmung, und setzt sich bis zur 12. Klasse fort. Neu im Angebot sind auch ein „Kondomführerschein“ ab 14 Jahren – samt theoretischer und praktischer Prüfung am Modell – sowie der Säuglingssimulator: eine Babypuppe, der Jugendlichen erste Erfahrungen beim Umgang mit einem Baby vermitteln soll.

Rund 30 Aufklärungsveranstaltungen haben die Mitarbeiterinnen der Schwangerschaftsberatung im vergangenen Jahr an Schulen durchgeführt. „Unser Ziel ist es, das Angebot noch weiter auszubauen, sodass es zu einem festen Bestandteil des Unterrichts wird“, erklärt Rabe. Schulen und andere Bildungseinrichtungen können die kostenlosen Projekte auf Anfrage in Anspruch nehmen. Am Grad der sexuellen (Un)Bildung hat sich in den Jahren, in denen Rabe bereits aktiv ist, übrigens kaum etwas verändert: „Jungen und Mädchen stellen noch immer die gleichen Fragen wie vor 15 Jahren“, schmunzelt sie.

Ein weiterer, ebenfalls recht neuer Schwerpunkt ist die Hilfe zu „Krisen rund um die Geburt“, wie sich das Angebot, das in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt des Altenburger Landes durchgeführt wird, nennt. „Nach der Entbindung wollen viele Frauen möglichst schnell ins ,normale’ Leben zurückkehren. Doch die diversen Rollen, die sie wieder ausfüllen wollen – Angestellte, Liebhaberin, Freundin – überfordern sie meist“, erklärt Rabe. „Dieser gesellschaftliche Druck führt zu Unglück, Ängsten und Depression. Wir sind eine Anlaufstelle bei solchen Problemen.“

Die allgemeine Schwangerschaftsberatung sowie die Konfliktberatung, deren Besuch vor einem Schwangerschaftsabbruch Pflicht ist, sind jedoch nach wie vor die größten Standbeine der vom Thüringer Sozial- und Familienministerium sowie der Diakonie Ostthüringen gemeinsam finanzierten Einrichtung. Beide Angebotsformen werden nach wie vor vielfach in Anspruch genommen. Die meisten Klienten sind zwischen 25 und 30 Jahren alt. Im Vordergrund stünden auch immer wieder finanzielle Fragen: Die Einrichtung unterstützt hier bei der Beantragung familienfördernder Leistungen und vermittelt bei Bedarf Hilfen durch die Thüringer Stiftung „HandinHand“, die seit 1992 besteht.

Männliche Unterstützung ist in der weiblich dominierten Einrichtung übrigens gern gesehen: Gerade für die Präventionsarbeit mit männlichen Jugendlichen sei die Zusammenarbeit mit einem männlichen Kollegen sinnvoll. Kontakt: 03447 834 318.

Von Christian Neffe

Altenburg, münsaer straße 27 50.98458 12.44843
Altenburg, münsaer straße 27
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