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Altenburg Von Leipzig nach Altenburg: Test beim Bahnstreik
Region Altenburg Von Leipzig nach Altenburg: Test beim Bahnstreik
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11:55 19.05.2015
Gespenstische Leere bietet der Altenburger Bahnhof. Quelle: Mario Jahn

Ausgerechnet jetzt! Die altbekannte Weselsky-Wut, wie ich meinen neuen treuen Begleiter nenne, flammt auf. Aber es hilft ja nichts. Als Pendler muss es einen Weg von Leipzig nach Altenburg und zurück geben. Ich mache den Selbsttest für alle, die es noch wagen wollen.

Die kleine Reise durch die Region beginnt für mich normalerweise, wenn ich meinen Fuß vor die Haustür setze. Dieses Mal gehen die Vorbereitungen aber schon einen Tag früher los. Gefühlt 1000 Mal klicke ich auf die Internetseite der Deutschen Bahn. Irgendwann muss der Ersatzfahrplan für den Regionalverkehr doch fertig sein, hoffe ich bei jedem neuen Aktualisieren. Am Abend ist es dann so weit - doch meine Hoffnungen, dass irgendein Zug Richtung Altenburger Land fährt, werden jäh zerstreut. Stattdessen stehen bei der Live-Auskunft verschiedene Routen zur Auswahl. Besonders gut gefällt mir die Variante, bei der ich in knapp vier Stunden sämtliche Dörfer im Umkreis kennenlernen darf. Ist ja schon fast eine touristische Entdeckertour. Nun gut, Ironie beiseite. Die Alternativen zu Mietauto oder Mitfahrgelegenheit sind zwei Routen, die mich in gut zweieinhalb Stunden - wahlweise über Geithain oder Zeitz - zur Arbeit bringen sollen. Wo ist der gute, alte Schienenersatzverkehr?

Es gibt ihn, erfahre ich am nächsten Morgen. Wer sich bei der Bahn nicht auf die Live-Auskunft verlässt, sondern auch die Streckenmeldungen verfolgt, findet schließlich den Hinweis auf den Busnotverkehr. Halleluja. Er fährt alle zwei Stunden und soll bis Altenburg gut 75 Minuten brauchen. Das dauert zwar doppelt so lang wie regulär, ist aber eine Alternative. Ab zum Bahnhof.

Hier, am Leipziger Hauptbahnhof, hört man sofort, wie der Streik klingt. Es herrscht Ruhe, wo sonst Züge über die Schienen quietschen. Kaum ein Mensch ist zu sehen. Selbst an der Haltestelle für den Bus stehen nur gut zwei Dutzend Leute. Fährt der Bus nach Altenburg auch von hier? "Er sollte", sagt mir das Servicepersonal. Sollte? Ob er wirklich kommt, scheint nicht ganz klar zu sein. Tatsächlich, Punkt 8 Uhr ist zwar ein Bus da, aber nicht meiner. Eine andere Pendlerin beruhigt mich: "Beim letzten Mal hatten die Busse auch etwas Verspätung", sagt sie und lacht. Ist sie etwa gut gelaunt? Trotz Streik gelassen? "Ich bin ja streikerprobt", erklärt sie mir. Der Busverkehr sei gut, aber die Busfahrer würden nicht immer den schnellsten Weg kennen. Und beim letzten Mal habe es so geschaukelt, dass ihr fast schlecht wurde.

Dass enge Kurven für schwache Mägen durchaus zum Problem werden können, merke ich eine Viertelstunde später. Da sitze ich bereits mehrere Minuten bequem im Bus. Zügig geht es ab ins Altenburger Land. Viele sind es nicht, die mit mir fahren. Nur zwei von dem guten Dutzend wollen nach Altenburg. "Sechs Tage sind schon grenzwertig", meint einer von ihnen. Er ist froh, dass es einen Busverkehr gibt. "Aber wenn man wie ich nachts arbeitet, wird es schwierig." Dafür hat der Bus ein Gutes: Statt Tunnelflair und braun-grüner Lärmschutzwände gibt es idyllische Dörferansichten und grüne Wiesen.

Trotz der schönen Aussicht - die Aussage einer Mitreisenden lässt mich nicht los. Beim letzten Mal sollen wenigstens von Altenburg nach Leipzig S-Bahnen gefahren sein. Laut Live-Auskunft der Bahn rollen auch dieses Mal stündlich Züge in diese Richtung. Heimreise gesichert. Glaube ich jedenfalls. In Altenburg angekommen, immerhin fast pünktlich gegen 9.30 Uhr, muss ich der Realität ins Auge sehen. Der Bahnhof ist so verwaist wie sonst nur nachts. Kein Mensch, nirgends. Auch die Züge Richtung Leipzig stehen, hier passiert nichts. Lediglich das Servicecenter hat geöffnet, und auch der Park-and-Ride-Platz ist erstaunlich voll. Für die Heimreise bleibt dennoch nur der Bus. Halleluja.

Die Busse nach Leipzig fahren in Altenburg am Busplatz zwischen 6.35 Uhr und 20.35 Uhr im Zweistundentakt.

Jenifer Hochhaus

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