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Altenburg Von der Einheit des Widerspruchs zwischen Gesang und Instrument
Region Altenburg Von der Einheit des Widerspruchs zwischen Gesang und Instrument
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17:53 08.01.2016
Verbinden instrumentale Klänge mit menschlichen Stimmen: „Hütte und Chor“ eröffnen die Saison des Jazzklubs in Altenburg. Quelle: privat
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Altenburg

Kaum eine andere junge Jazzband hat in den letzten Jahren in Deutschland so viel Aufsehen erregt wie Max Andrzejewskis „Hütte und Chor“. Mit Begriffen wie Newcomer, Geheimtipp, Talent oder Hoffnungsträger ist man bei Musikern unterhalb der 30 schnell bei der Hand, doch das Quartett mit Backgrounds in Köln und Berlin war schon mit seinem Debütalbum ein gutes Stück über dem Empfehlungsstatus hinaus. Die Band des Drummers Max Andrzejewski nahm das deutsche Jazz-Parkett im Fluge.

Mit „Hütte und Chor“ holt Hütte jetzt zum zweiten Streich aus. Der Titel ist Programm. Hütte, das wissen wir bereits, sind Max Andrzejewski am Schlagzeug, Johannes Schleiermacher am Saxofon, Andrzejewskis „siamesischer Zwilling“ Tobias Hoffmann an der Gitarre und Andreas Lang am Bass. Hinzu kommt der Chor, geleitet von Tobias Christl mit Friederike Merz, Sarah Whitteron, Zola Mennenöh und Laura Winkler. Dieser Chor ist nicht einfach nur ein Chor, sondern ein Zusammenschluss von fünf Vokalsolisten, die ihrerseits jede und jeder für sich individuellen Spuren auf dem deutschen Jazzpflaster hinterlassen haben.

Andrzejewski gehört zu den wenigen begnadeten Trommlern, die gleichzeitig als Komponisten beeindrucken. Er war immer an einer ganzheitlichen Musik interessiert, in der es nicht um die Befriedigung spielerischer Egos geht. Statt sich in den Vordergrund zu trommeln, besetzt er souverän das energetische Zentrum der Band. Was sich in dieser Hinsicht live auf den ersten Blick offenbart, muss auf einer Studioproduktion indes nicht mit derselben Sicherheit funktionieren. Doch Max Andrzejewski versteht es, spielerische Impulse zu setzen, ohne selbige stets persönlich auszuleben. Er ist in seinen jungen Jahren bereits ein brillanter Bandleader, der seine Gruppe mit allem versorgt, was eine Band benötigt: großartigem Material, Energie und Kraft, Motivation und Richtungssinn.

Gesang und Musik gehen im Jazz eine oft unheilige Allianz ein. Oft stehen sich Stimme und Instrumente im Weg. Am auffälligsten ist dieser Antagonismus meist dann, wenn die Protagonisten sich nach Kräften bemühen, ihn zu überdecken. Max Andrzejewski und Co. gehen den entgegengesetzten Weg. Sie setzen auf die Gegensätzlichkeit von menschlicher Stimme und instrumentalem Klang. In den ersten anderthalb Songs sind die Hütte und der Chor ohne das jeweils andere Element zu hören. Chor und Band werden einander gegenüber gestellt, suchen die Konfrontation. Ganz plötzlich erwächst aus dieser bewusst initiierten Separierung die Einheit.

Doch die gemeinsame Harmonie wird niemals zu weit beschworen. Wann immer die Band das Ohr mit ihrem hohen Grad an Intimität einlullt, kommt der Chor ins Spiel, um das straffe Gewebe wieder aufzudröseln. Das verbindende Element zwischen den Musikern und dem Chor ist die unbändige Lust am Musizieren und Fabulieren. Was sie antreibt und zusammenschweißt, ist die unglaubliche Wachheit, mit der sie auf ständig wechselnde Parameter reagieren können. Da wird munter durch die Gegend zitiert, Erinnerungen von den Swingle Singers über Frank Zappa bis zu den McGarrigle Sisters wachgerufen.

„Hütte und Chor“ ist ein nüchterner, aber alles erklärender Titel für eine rasante Berg- und Tal-Fahrt durch die Höhen und Niederungen eines musikalischen Vergnügungsparks, in dem nur wenige Stationen das Jazz-Fähnlein hissen.

Karten für diese Veranstaltung können ab sofort im Vorverkauf in der Altenburger Tourismusinformation auf dem Markt erworben werden.

Von Thomas Trummer

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