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Von fromm bis frech

Von fromm bis frech

Die lang anhaltende Regenperiode verhinderte fast alle geplanten Veranstaltungen im Freien, förderte aber dafür den Besuch solcher in wasserdichten Gebäuden. Davon profitierte das nach zehnjähriger Pause zum zweiten Mal durchgeführte Chortreffen am Sonnabendnachmittag in der Altenburger Brüderkirche.

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Unten die Zuhörer, oben die Sänger - und Wolfgang Langner dirigiert beide.

Quelle: Mario Jahn

Erfreulich zu erleben, wie viele Freunde der Chormusik es gibt, aber noch erfreulicher, wie viele Chorsängerinnen und Chorsänger sich im Landkreis regelmäßig zum gemeinsamen Singen zusammenfinden. Chorsingen ist sozial und fördert in der Gemeinschaft die Lebensfreude. Sicher hat Wido Hertzsch, Bewahrer und Förderer der Altenburger Mundart und selbst aktiver Chorsänger, solche Gedanken nicht vordergründig gehabt, als er dieses Treffen der Chöre des Altenburger Landes anregte, selbst mit organisierte, die Moderation übernahm und die Landrätin Michaele Sojka als Schirmherrin dieser Veranstaltung gewann. Diese wünschte sich dann auch sogleich eine Regelmäßigkeit solcher Treffen. Wenn man die so wunderbar gelungene Veranstaltung betrachtet, dann ist dieser Wunsch mehr als gerechtfertigt.

 

Die Brüderkirche ist der dafür bestens geeignete Veranstaltungsort. Die mehr als 350 Sangesfreudigen fanden auf der dreiteiligen Empore Platz und brauchten für den jeweiligen Auftritt nur aufzustehen. Zu Beginn waren es alle gemeinsam. Gesungen wurde unter Leitung von Wolfgang Langner, dem Chef des Gemischten Chores Altenburg, eine kleine Gesangskantate, in der jede Stimmgruppe, die Chorleiter und die Chorvorstände ihre Rolle beim Chorsingen preisen.

 

Bei solch einem Treffen kommen natürlich Chöre mit ganz unterschiedlichen Traditionen zusammen. Die Palette der Lieder reichte deshalb vom Barock über alle nachfolgenden Musikepochen bis in die Gegenwart oder wie es Wido Hertzsch in seiner Moderation sagte, "von fromm bis frech". Fromm wie der Chor der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde in Altenburg unter Leitung von Manfred Köhler und frech wie der Volkschor Schmölln, geleitet von Antje Herrmann, mit dem Lied "Burschen aus Mystrina" und dem Dicken-Backen-Zottelmarsch. Jeder Chor durfte drei Lieder aus seinem Repertoire darbieten. Der Gemischte Chor Altenburg gab mit dem Chor der Friedensboten aus der Oper "Rienzi" einen gelungenen Beitrag zur Wagner-Ehrung, und der Frauenchor Kosma bewies unter Leitung von Pia-Maria Pröhl, welche Gesangsqualität mit kleinerer Besetzung erreicht werden kann und erntete mit dem Lied "Wenn ich ein Glöcklein wär" von Luigi Cherubini mit einem schönen rein und klar gesungenen Sopransolo ganz starken Beifall.

 

Der Liederkranz Rositz unter Leitung von Rolf Gerbsch hatte ein italienisches Madrigal im Programm und der Stadtchor Meuselwitz ein nicht einfach zu singendes Lied aus Carl Orffs "Catulli Carmina". Ein zweiter Frauenchor kam aus Langenleuba-Niederhain, geleitet von Gudrun Rößler, und sang unter anderem ein Lied aus dem traditionellen Chorliederkanon "Friedlich wandelt Stern an Stern" von Friedrich Silcher. Der Gemischte Chor Wintersdorf mit Chorleiter Friedbert Wank bot in seinem Dreierpack auch das Kinderlied "Ein Männlein steht im Walde". Was denn? Nur ein einfaches Kinderlied? Nicht doch! Was für Variationen Friedbert Wank daraus entwickelte, war ein musikalisches Kabinettstück und pure Freude beim Anhören. Die Altenburger Kirchenchöre sangen gemeinsam unter Leitung von Andreas Göthel und mit Orgelbegleitung von Christoph Beyrer Mendelssohn "Verleih uns Frieden" und das ungarische "Gott unser Schöpfer".

 

Besondere öffentliche Ehrung erfuhr der Rositzer Chorvereinsvorsitzende Albert Wöhrl, der schon in fast allen Chören des Kreises gesungen hat, bevor eine in jeder Hinsicht gelungene Veranstaltung mit dem gemeinsamem Gesang aller Chöre und des Publikums des Kanons "Dona nobis pacem" ausklang. Ein ganz bewegender Moment.

Hainich, Manfred

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