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Vor den Thügida-Protesten: Rathaus veröffentlicht Schmöllner Erklärung

Weltoffenheit und Toleranz Vor den Thügida-Protesten: Rathaus veröffentlicht Schmöllner Erklärung

Am Sonnabend werden erstmals die Anhänger der fremdenfeindlichen Initiative „Thüringen gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Thügida) in Schmölln auf die Straße gehen. Im Vorfeld der Proteste haben Vertreter der Stadt, Vereine und Institutionen in einer gemeinsamen Erklärung für Weltoffenheit und Toleranz geworben.

Der Schmöllner Stadtrat und viele weitere Engagierte, ob Vereine, Institutionen oder Privatpersonen, stellen sich solidarisch hinter die Flüchtlingshilfe. (Symbolfoto)

Quelle: Mario Jahn

Schmölln. In einer gemeinsamen Erklärung haben Bürgermeister Sven Schrade (SPD), alle Stadtratsfraktionen und die Kirchen verschiedener Konfessionen für mehr Weltoffenheit und Toleranz in ihrer Stadt geworben. In dem am Donnerstag veröffentlichten Papier zeigen sich die Unterzeichner solidarisch mit allen Engagierten, die die Flüchtlingshilfe im Altenburger Land und in Schmölln organisieren – und mit den Geflohenen selbst.

Hintergrund der „Schmöllner Erklärung“ sind die für Sonnabend angemeldeten Thügida-Proteste. Die Anhänger von Thügida und „Wir lieben Schmölln“ wollen am Nachmittag vom Markt aus durch die Stadt ziehen und vor „Überfremdung“ und für „Thüringen den Thüringern“ demonstrieren. Angemeldet ist eine Veranstaltung für 300 Personen.

Thügida-Wortführer „spielen mit den Ängsten und Sorgen“

So warnen die Unterzeichner davor, dass mit Veranstaltungen wie der „Thügida“-Demonstration Fremdenfeindlichkeit und Rassismus immer weiter in die Mitte unserer Gesellschaft sickern würden – unverblümt getragen von rechtsextremen Ansichten, angeführt von Vertretern rechtsextremer Verbindungen. „Das Datum des 30. Januar scheint nicht willkürlich gewählt: am 30. Januar 1933 ergriff Hitler die Macht und führte Deutschland in den verheerenden Zweiten Weltkrieg mit mehr als 50 Millionen Toten“, heißt es weiter in der Erklärung.

Die Initiatoren der Erklärung würden sich für ein weltoffenes, tolerantes und friedliches Schmölln einsetzen. „Der geplante Thügida-Aufzug stellt all dieses Engagement in Frage. Die Wortführer der Thügida bieten selbst keine rechtsstaatlichen Lösungen – im Gegenteil: sie spielen mit den Ängsten und Sorgen der Bürgerinnen und Bürger, die durchaus verständlich sind und die wir ernst nehmen müssen.“

So bitten die Unterzeichner, die Sorgen auch und direkt an die politisch Handelnden in der Stadt zu richten und mit ihnen das Gespräch zu suchen. „Und fragen Sie sich selbst, ob Sie NPD-Vertretern, die diesen Thügida-Aufzug mit organisierten, hinterherlaufen wollen. Schmölln grenzt nicht aus. Schmölln verachtet nicht. Schmölln hasst nicht. Schmölln braucht keinen Alltagsrassismus. Schmölln hat keine Angst. Schmölln bleibt, wie es ist: tolerant, weltoffen und friedlich.“

Gegendemonstration geplant

Die Unterzeichner der „Schmöllner Erklärung sind: Der Schmöllner Bürgermeister, die im Schmöllner Stadtrat vertretene CDU-, Linken- und SPD-Fraktion sowie die Stadtrats-Fraktion Neues Forum und die Fraktion Bürger für Schmölln, die Evangelisch-Freikirchkirchliche Gemeinde Schmölln, die Katholische Pfarrei Altenburg-Schmölln sowie Mitglieder des Gemeindekirchenrates der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Schmölln.

Für Sonnabend ist laut Landratsamt eine zweite Versammlung angemeldet worden. Der Förderverein Kunst und Kultur Schmölln plant auf dem Gelände der Kletterhalle im Coßwitzanger eine Gegendemonstration für 150 Personen, ab 15 Uhr.

Von LVZ

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