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Vorschüler machen Ärzten Sorgen

Vorschüler machen Ärzten Sorgen

Die Kinder im Altenburger Land werden immer dicker, können schlechter sprechen und zeigen mehr Verhaltensstörungen. Wer das für ein Vorurteil hält, wird durch die Statistik eines Schlechteren belehrt.

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Hannelore Krautwald.

Quelle: Mario Jahn

Die Schuleingangsuntersuchungen, bei denen der Schulgesundheitsdienst des Landratsamtes jedes Jahr die künftigen Erstklässler untersucht, zeigen das. Die Anzahl der Schüler, die beim sozial-emotionalen Verhalten oder der Sprachentwicklung Defizite haben, nehmen zu. Zugleich erhöht sich auch die Zahl derjenigen, die übergewichtig oder gar adipös (fettleibig) sind.

 

Die Zahlen des vergangenen Jahres belegen dies. 12,3 Prozent der untersuchten Kinder hatten Übergewicht, knapp die Hälfte von ihnen gelten als adipös. Zudem hatten von den 677 untersuchten Kindern 180 und damit knapp ein Viertel Sprech- oder Sprachstörungen. Zum Vergleich: Vor 30 Jahren waren es gerade einmal knapp über zehn Prozent der Kinder, bei denen Sprachstörungen festgestellt wurden. Seit 2000 steigt der Prozentsatz kontinuierlich an.

 

"Nach meiner Einschätzung haben die schweren Lautbildungsstörungen sehr zugenommen", sagt Schulärztin Hannelore Krautwald, die seit mehr als zehn Jahren im Schulgesundheitsdienst arbeitet. "Bei manchen Kindern versteht man kaum ein Wort." Worauf diese starke Zunahme, die übrigens im Thüringer Durchschnitt liegt, zurückzuführen ist, vermag die Medizinerin nicht zu sagen. "Meine persönliche Einschätzung ist, dass heutzutage zu wenig mit den Kindern gespielt und gesprochen wird." Mit Untersuchungen belegen könne sie das allerdings nicht. Wenn also Sprachschwierigkeiten wie beispielsweise bei Wörtern mit "kr" oder "dr" festgestellt werden - was normalerweise schon im Kindergarten auffällt -, rät die Ärztin zu einer Förderung etwa bei einem Logopäden.

 

Doch nicht nur die Sprechdefizite nehmen zu. Auch die Zahl der Kinder, die Verhaltensauffälligkeiten wie zum Beispiel eine verkürzte Aufmerksamkeitsspanne oder fehlendes Durchhaltevermögen zeigen, steigen stetig. Lag die Zahl Ende der 90er-Jahre im Landkreis noch bei unter fünf Prozent, waren es im vergangenen Jahr 17 Prozent. Auch dabei liegt das Altenburger Land im Durchschnitt des Thüringer Landes.

 

Dass dies Auswirkungen nicht nur auf das einzelne Kind, sondern auch auf den Schulalltag hat, weiß Hannelore Krautwald aus ihrer eigenen Erfahrung: "In den vergangenen beiden Jahren merken wir, dass wir schon öfter wegen Schulversagens in Grundschulen hinzugezogen werden." Konkrete Zahlen hat sie dafür nicht, aber die erneuten Schuluntersuchungen in der 4. sowie 8. Klasse würden dies bestätigen. "Hier sind die Verhaltensauffälligkeiten in den letzten zehn Jahren angestiegen", sagt die Ärztin. Diese Erhebungen seien aber nicht so aussagekräftig wie die bei den Vorschülern, weil bei den Älteren nicht jeder teilnimmt, die Eltern nicht anwesend sind oder Schüler, die im Unterricht auffällig sind, beim Arzt keine Besonderheiten zeigen.

 

"Diese Trends", sagt die 63-Jährige, "machen uns schon über Jahre hinweg Sorgen." Deshalb arbeiten Kinderärzte, Kindergärten und andere Einrichtungen intensiv daran, dem entgegenzuwirken. "Aber das sind gesamtgesellschaftliche Entwicklungen. Es kommt meiner Ansicht nach auch darauf an, dass sich das familiäre Umfeld darauf besinnt, sich mit den Kindern altersgerecht zu beschäftigen." © Kommentar

Jenifer Hochhaus

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