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Vorsicht, Polizistenwitze! Die Gößnitzer Nörgelsäcke laden Freunde und Helfer ein

Vorsicht, Polizistenwitze! Die Gößnitzer Nörgelsäcke laden Freunde und Helfer ein

Gößnitz. Markus Tanger, den Leiter und Kopf des Gößnitzer Kabaretts "Die Nörgelsäcke" als superaktiv und umtriebig zu bezeichnen, erfasst in keiner Weise, was er leistet.

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Roberto Töpfer und Kay Steinhäuser (v.l.) vom Apoldaer Kabarett "Anakonda" nehmen unter anderem "die Freunde und Helfer" auf den Arm.

Quelle: Mario Jahn

Nicht, dass er mit seinem Kabarett und dessen zwei Bühnen in Gößnitz und Baabe auf der Insel Rügen nicht ausgelastet wäre. Nicht, dass die Erarbeitung eigener Programme keine Zeit beanspruche und die Einladung hochkarätiger Gast-Spieler wie Dieter Hildebrandt, Ottfried Fischer, Karl Dall, der Leipziger Pfeffermühle und anderer keinen organisatorischen Aufwand benötige. Daneben absolvieren "Die Nörgelsäcke" jährlich auch noch über 100 Gastspiele an anderen Orten, weniger weil man daheim keinen Erfolg hat, als vielmehr, weil es Spaß macht. Und zu allem Überfluss müssen die Gößnitzer Spaßmacher auch noch zum dritten Mal ein Thüringer Kabarett-Treffen organisieren, das an vier Tagen 15 Ensembles und über 30 kabarettistische Akteure auf die Gößnitzer Bühne bringt.

 

Für die Satiriker selbst bot dieses Treffen eine gute Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und für die Zuschauer die einmalige Gelegenheit, viele Arten kabarettistischen Wirkens mit hohem Unterhaltungswert kennenzulernen. Diese reichten vom politisch-satirischen über rein literarisches Kabarett bis hin zum Musikkabarett und zur Comedy. Dabei wurde die Vielfalt dieser Kleinkunstlandschaft in Thüringen deutlich. Die meisten Gruppen orientieren sich an der Tradition des Ensemblekabaretts, dabei werden aktuelle politische Ereignisse wie auch örtlich-regionale Probleme thematisiert. Das alles war erlebbar in fünf Veranstaltungen vom 8. bis 10. Mai in der Spielstätte der "Nörgelsäcke" mit hohem Publikumszuspruch. Dabei zeigte der Sonnabend exemplarisch die Vielfalt des Angebots - und Markus Tanger als flotten Moderator.

 

Die Gruppe "Anakonda" aus Apolda steht seit sage und schreibe 20 Jahren auf den Brettern, die die Welt bedeuten, und gab einen Mix aus bisherigen Programmen, wobei sie vor allem die Bürokratie in den Amtsstuben, die Polizei und das Gesundheitswesen in den Würgegriff nahm. Ihr Lied "Büromikado" war ein kabarettistischer Knüller, manche Witze weniger und dass zu viel zu sexistisch verpackt war, machte es nicht besser. Dies aber war gut: Ein Polizist zum Kollegen: "Wenn ich eine Million gewänne, würde ich mir eine große Kreuzung kaufen und mich selbstständig machen."

 

Etwas Edles war das Erfurter Duo "KLAVIEreim" mit ihrem Programm "Reimgelegt". Mit wunderbar gereimten Texten sang es viel Sinniges über Unsinniges, das heißt, Fabian Hagedorn sang und rezitierte und Hendrik Lapp spielte am Klavier. Sie begannen ihr Programm mit dem Lied "Sorglos" und zeigten darin, was geschieht, wenn man mit seinem Gehirn sorglos umgeht und es in der Straßenbahn liegenlässt. Da liegt viel Ironie in dem, was sie sagen. Auch in "Meine erste Liebe" (Zahnspange) oder in dem Weihnachtsmannwunsch nach einer kleinen Schwester oder in dem Lied über die Bowlingbahn, wobei der Sänger auch schauspielerisch glänzte.

 

Der Samstagabend war ein Erfurter Abend. Nach den beiden Jungspunden schwangen sich die "Spitzenpensionäre" aus der Landeshauptstadt auf die Bühne und zeigten, wie man mit dem Lied "Die Gedanken sind frei" deutlich machen kann, wie es möglich ist, mit Handy und ähnlichen Gerätschaften und den Geheimdiensten alles in verwertbaren Daten zu erfassen. Dies, ihre Diskussion über das Verhältnis von Geist und Geld und ihr Lösungsvorschlag, allen eine Gehirnprothese einzusetzen, ist genau das, was gutes Kabarett ausmacht. Da entschuldigt man gern kleine Textmängel und -unverständlichkeiten. Die vier "Spitzenpensionäre" jedenfalls zeigten, dass es für politische Satire keine Altersbeschränkung gibt.

 

Dann kam das sängerische und kabarettistische Urgestein Vicki Vomit zu einem Stand up auf die Bühne - ohne Gitarre und damit ohne Gesang, was man bedauern muss. Er mixte banale und groteske Alltagssituationen - auch solche aus der Vorwendezeit - mit hochbrisanten politischen Themen und offerierte diesen Mix mit teilweise scharfsinnigem und hintergründigem Humor, manchmal auch mit Brachialkomik. Ungefähr so: Die arabischen Terroristen beschwerten sich nach dem bewussten Flugzeugabsturz in den französischen Alpen bei den Deutschen, dass sie ihnen die Arbeit wegnehmen. Vomit brachte das Publikum mit seiner Art und Weise zum Lachen - und zum Nachdenken. Das ist das, was Kabarett ausmacht - und das vier Tage lang in Gößnitz. Mehr geht nicht.

 

Ach, übrigens: Markus Tanger nutzte seine Erfahrungen mit dem Thüringer Kabarettfestival in seinem Theater "Die Lachmöve" auf der Insel Rügen und lud die Kabarett-Gilde Mecklenburg-Vorpommerns schon zweimal zu ihren Treffen ein. Der Mann kann es eben nicht lassen.

Manfred Hainich

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