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Waltersdorf – der Ort in dem der Hund begraben ist

OVZ-Dorfporträt Waltersdorf – der Ort in dem der Hund begraben ist

Vor mehr als 800 Jahren wurde Waltersdorf erstmals schriftlich erwähnt. Heute leben in dem Meuselwitzer Ortsteil rund 130 Einwohner. Mit den kleinen Höfen und Eigenheimen ein eher untypisches Dorf fürs Altenburger Land, das vom Bergbau und der LPG-Zeit geprägt wurde.

Manfred Bäßler, Bernd Pleißner, Heinz Tannert und Frank Fischer (v.l.) sind in Waltersdorf geboren, haben hier die Schule besucht und treffen sich als Rentner immer noch gern.

Quelle: Jörg Reuter

Waltersdorf. Inmitten von Wiesen und Feldern, abseits der Hauptstraßen, ist das Örtchen Waltersdorf zu finden. Vor mehr als 800 Jahren wurde es erstmals schriftlich erwähnt. Im Mittelalter gehörte es zum Amt Altenburg beziehungsweise zum Rittergut Heukendorf. In der Neuzeit wurde es erst Ortsteil von Wintersdorf und dann von Meuselwitz. Wer das erste Mal von Gerstenberg kommend kurz vor Wintersdorf links ins vermeintliche Nichts abbiegt, mag meinen, dort ist der Hund begraben. Und das stimmt sogar. Seit Anfang der 1990er-Jahre gibt es hier den einzigen Tierfriedhof in weitem Umkreis.

Eine Besonderheit, die aber das Leben im Dorf mittlerweile wenig beeinflusst. Fünf bis sechs Bestattungen im Jahr führt Barbara Maddaus durch. Als sie 2005 das Grabfeld für Kleintiere, das Wolfgang Langner gegründet hatte, von dem Zechauer übernahm, waren es noch deutlich mehr. Langners Idee, den ersten Tierfriedhof Ostdeutschlands zu eröffnen, gefiel dem Waltersdorfer Manfred Bäßler, der seine Wiese dafür verpachtet. In den ersten Jahren sorgte der Tierfriedhof für einige Aufmerksamkeit, aber die ist inzwischen abgeebbt. Und so leben sie heute ziemlich ruhig in ihrem 130-Seelen-Dorf, das mit seinen vergleichsweise kleinen Gütern und vielen Eigenheimen recht untypisch fürs Altenburger Land daherkommt.

Doch so war es nicht immer, erzählen Frank Fischer, Heinz Tannert, Bernd Pleißner und Manfred Bäßler. Geboren wurden diese Männer vor und im Krieg. Die danach folgende Zwangskollektivierung der Bauern gab den großen Vierseithöfen im Ort den Rest und sie verfielen, denken die Schulfreunde zurück. Doch nicht allein die LPG-Zeit prägte Waltersdorf. Nicht zuletzt die Braunkohle drückte dem Ort ihren Stempel auf. „Zu Hochzeiten der Kohleförderung war Waltersdorf fast eine Insel mitten in Tagebaufeldern“, erinnert sich Heinz Tannert. Den Ort vorm Abbaggern rettete in den 30er-Jahren eine Probebohrung. Sie ergab, dass der Flöz unter Waltersdorf lediglich sechs Meter dick ist – zu wenig, um die Einwohner aufwendig umzusiedeln.

Vom Bergbau ist inzwischen nichts mehr zu erkennen. Gerade ist der Ort in herbstlich bunten Farben von Wäldchen und Äckern gerahmt. Die unter anderem von den zwei Wiedereinrichtern des Ortes bewirtschaftet werden. Ursprünglich aber gab es in Waltersdorf 14 große Gehöfte, zu denen bis zu 42 Hektar Land gehörten. Vom Stolz und Wohlstand der Waltersdorfer Bürger zeugt das große Bild in der Gaststube. Es zeigt, wie an einem sonnigen Mai-Tag 1929 eine Menge Menschen in festlicher Sonntagstracht, die Männer hoch zu Ross, die Frauen im Fuhrwerk, nach Waltersdorf ziehen. Weit über 30 Pferde waren bei diesem Bauernreiten anlässlich der Diamantenen Hochzeit des Nachtwächters auf dem Weg zum Wirtshaus dabei, das Frank Fischers Familie seit 1860 betrieb. „Eine Diamantene Hochzeit war damals eine echte Seltenheit“, weiß Frank Fischer von seinen Großeltern, die 1929 die Gesellschaft bewirteten.

Ein wenig Wehmut kommt da bei den Alteingesessen auf, denn seit einem Jahr ist Fischers Gasthaus geschlossen. Er ist in die verdiente Rente gegangen und seine Kinder mochten die Nachfolge nicht antreten. Von den vielen Festen, den Kneipen, Handwerkern und Einkaufsmöglichkeiten, die es einmal im Ort gab, ist heute quasi nichts mehr übrig. Lediglich die Wintersdorfer Motorradfreunde haben ihr Domzil im Ort und halten das gesellschaftliche Leben aufrecht. „Die Biker sind nett und verwöhnen uns. Zum Beispiel haben die Frauen aus dem Dorf dort die Möglichkeit, sich zutreffen“, erzählt Bernd Pleißner.

Heute sei zwar viel weniger los als in ihrer Kindheit, doch schlecht lebe es sich nicht in Waltersdorf. Und früher sei auch nicht alles besser gewesen. Die Bushaltestelle etwa lag rund einen Kilometer außerhalb, weil es im Dorf keine brauchbare Straße gab. Die haben sie alle zusammen erst in den 60er-Jahren gebaut, die 2017 – tip top in Ordnung – den Ort durchzieht. Anfang der 2000er wurde Waltersdorf liebevoll mit Mitteln für die Dorferneuerung hergerichtet. Doch seitdem sie zu Meuselwitz gehören, passiere gar nichts mehr, wird im Ort geklagt.

Auch wenn der Ort gut in Schuss ist, vermissen seine Bewohner das Gefühl, vom Rathaus in Meuselwitz wahrgenommen zu werden. „Es war schon lange niemand mehr da, der sich erkundigt hat, wie es uns geht.“ Und da gibt es mindestens eine Sache, die sie wirklich stört: Die uralte Verbindung nach Rositz ist inzwischen ländlicher Weg und damit neuerdings für den Verkehr gesperrt, was regelmäßig kontrolliert werde. Doch über die alte Straße ist der Supermarkt nur drei Kilometer entfernt, außen herum sind es derweil mehr als zehn.

Von Jörg Reuter

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