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Was hinter der Kreistagsdebatte zum Altenburg-Gerer Theater steckt

Was hinter der Kreistagsdebatte zum Altenburg-Gerer Theater steckt

Der Schock sitzt auch zwei Tage nach der Kreistagsdebatte bei vielen noch tief. Vor allem Theatermitarbeiter und Vertreter des Fördervereins, die auf den Zuschauerreihen Platz genommen hatten, verfolgten die Debatte schier fassungslos.

Altenburg. Das Nein aus dem bürgerlichen Lager sollte vermutlich vor allem eines sein: Das unmissverständliche Signal an alle, die hauptamtlich politisch, künstlerisch oder kaufmännisch für die Theater GmbH Verantwortung tragen, den Bogen nicht weiter zu überspannen. Denn viele Abgeordnete haben vom Hickhack um das Theater vor allem seit Bekanntwerden der Finanzkrise die Nase gestrichen voll.

Da wollte beispielsweise die CDU schon 2009 eine externe Kontrolle der Geschäftsführung und erhielt dafür vom damaligen Intendanten Matthias Oldag eine Abfuhr erster Klasse. "Hohn und Spott haben wir geerntet", erinnert sich Fraktionschef Jürgen Ronneburger. Nicht nur die Beinahe-Pleite, sondern auch die zur Kreistagssitzung am Mittwoch vorgelegte Prüfung des Jahresabschlusses 2010 durch die bestellten Wirtschaftsprüfer gibt ihnen jedoch nachträglich Recht. Darin wird ein unzureichendes Planungswesen, eine lediglich rudimentär funktionsfähige Kostenrechnung ebenso bemängelt wie das Fehlen einer laufenden Liquiditätsplanung und -kontrolle, von Controlling und eines Risikofrüherkennungssystems. Die damalige Geschäftsführung habe die gebotene Sorgfaltspflicht verletzt, heißt es.

Oder: Es wurde den Kreisräten erst auf Nachfrage mitgeteilt, dass trotz gegenteiliger öffentlicher Behauptungen des ehemaligen Theaterchefs der Rettungsschirm des Landes doch in Anspruch genommen wurde. Monate ließ man sie über den tatsächlichen Sachverhalt im Unklaren.

Als nächstes fühlten sie sich bei der Intendantensuche und -wahl ausgebotet. Die CDU verlangte eine sofortige Ausschreibung des Postens, was Aufsichtsrat und Gesellschafter mehrheitlich ablehnten. Später aber wird erklärt, man konnte aufgrund der Kürze der Zeit keinen Intendanten finden, der sofort ausschließlich für die Rettung des angeschlagenen Altenburg-Geraer Theaters die Verantwortung übernimmt, ohne andere Verpflichtungen.

Um einem solchen "Treiben" Einhalt zu gebieten, sahen offensichtlich CDU, FDP und Regionale keine andere Wahl, als ihre Zustimmung zum neuen Finanzierungsvertrag mit dem Land Thüringen zu verweigern. Ob dies allerdings mit einer bereitwilligen Schließung des Theaters gleichgesetzt werden darf, ist zumindest fraglich. Niemand weiß, was das Land im Falle einer Nichtunterzeichnung tatsächlich gemacht hätte. "Das Szenario Pleite macht keinen Sinn. Wir haben vor einem Jahr nicht mit Sonderzahlungen das Theater gerettet, um es jetzt pleite gehen zu lassen" , so der Sprecher des Kultusministeriums Gerd Schwinger gestern auf Anfrage.

Und dem wirklich existenziellen Zuschuss von weiteren 200 000 Euro bis Ende 2012 hat auch das bürgerliche Lager im Kreistag die Zustimmung nicht verweigert. Denn bei einer Ablehnung hätte das Theater das vom Rettungsschirm schon in Anspruch genommene Geld zurückzahlen und folglich umgehend den Gang zum Insolvenzrichter antreten müssen. "Wir haben das Problem nicht verursacht, aber wenn wir das Theater wollen, müssen wir es lösen", hatte Landrat Sieghardt Rydzewski treffend argumentiert.

Die Kuh ist mit der Vorerst-Rettung des Theaters durch die Kreistagsentscheidungen vom Mittwoch dennoch nicht vom Eis. Denn das Geld reicht nicht, um ab 2013 durch die avisierte Rückkehr zum Flächentarifvertrag ohne Kündigungen oder Spartenschließungen über die Runden zu kommen, wie der Aufsichtsratsvorsitzende der Theater GmbH, Altenburgs OB Michael Wolf (SPD) im Kreistag klar machte. Deshalb wurden bereits mit dem Betriebsrat Gespräche aufgenommen, um mit den Angestellten Einzelverträge auszuhandeln - bei weiterem Lohnverzicht. Sollte dies scheitern, will man versuchen, erneut einen Haustarifvertrag abzuschließen, der ebenfalls unter den Konditionen des jetzigen liegen muss. Wenn auch das nicht klappt, sind besagte Kündigungen unvermeidlich. Weil diese aber erst zum 31. Juli 2013 ausgesprochen werden können, muss ein halbes Jahr allen Beschäftigten Tarif gezahlt werden.

Keiner weiß, wo das Geld herkommen soll. Diesen ungedeckten Scheck wollten CDU, FDP und Regionale nicht unterschreiben. Auch deshalb am Mittwochabend ihr Nein zum neuen Vertrag, was von den Verantwortlichen offensichtlich vor allem als Warnschuss verstanden werden sollte. Nur - manchmal kann der auch tödlich treffen.

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