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Was nicht an jeder Ecke zu haben ist

Was nicht an jeder Ecke zu haben ist

Wer je irgendwann Zweifel daran gehegt hat, ob ein gemeinnütziger Verein auf dem hart umkämpften Ausbildungsmarkt bestehen kann, wird seit nunmehr zwei Jahrzehnten vom 1. Aus- und Weiterbildungsverbund Altenburg (Awa) eines Besseren belehrt.

Altenburg.

Rund 20 000 Absolventen aus dem Altenburger Land, aus anderen Teilen Deutschlands und sogar dem Ausland konnten seit der Gründung des Verbundes 1993 durch eine fundierte Ausbildung in eine sichere berufliche Zukunft entlassen werden. Heute feiert der Awa mit Partnern aus der Wirtschaft und vielen anderen Weggefährten seinen 20. Geburtstag.

 

Vor dieser Zahl ist Hans-Reiner Kasel selbst fast erschrocken. Als der Awa-Chef im Zuge der Vorbereitung auf das Gründungsjubiläum mal eine Statistik machen lässt, steht es dort tatsächlich schwarz auf weiß: 20 000 Bildungsteilnehmer in 20 Jahren. "Mit so viel hatte ich selbst nicht gerechnet." Doch nicht nur die Zahl macht den 59-Jährigen berechtigterweise stolz, sondern zugleich die Tatsache, dass die überwiegende Mehrzahl danach auch vermittelt werden konnte und seither einen guten Job macht. "Fast jeder, der bei uns Engagement und Willen zeigt, etwas zu werden, geht in Arbeit", sagt Kasel.

 

Und das von Anfang an - allen Unkenrufen zum Trotz. Als nach der Wende im Osten Deutschlands das duale System Einzug hält, ist das Schicksal der Betriebsberufsschule der Altenburger Nähmaschinenwerke besiegelt. Nicht aber das ihres Direktors. Hans-Reiner Kasel gründet den 1. Aus- und Weiterbildungsverbund Altenburg als gemeinnützigen Verein - eine bis zum heutigen Tag äußerst seltene, wenn nicht gar deutschlandweit einmalige Form für einen Ausbildungsbetrieb. Kasel kauft auf dem Altin-Gelände an der Franz-Mehring-Straße ein unfertiges, bislang von der skatstädtischen Traditionsfirma genutztes Gebäude. Mit einer kaufmännischen Mitarbeiterin und drei Fachausbildern startet der geschäftsführende Vorsitzende, wie es exakt heißt, eine spektakuläre Erfolgsgeschichte. Heute gehören 26 festangestellte Mitarbeiter zum Team, das mit viel Engagement und hohem Wissen sowie hochmoderner Technik für eine fundierte Aus- und Weiterbildung sowie Umschulung sorgt.

 

Und das schon lange nicht mehr nur im weiß-blauen Stammsitz in Altenburg, sondern in vielen anderen Bundesländern, ja sogar im Ausland, vor Ort in den Betrieben. Vom tiefsten Bayern bis an die Nordsee-Küste oder Oberösterreich führt es den Awa-Chef, wenn er die Firmen besucht, die bei ihm ausbilden lassen wollen. Und da sind in den zurückliegenden Jahren wahrlich große Namen dabei wie etwa Boeing und Airbus. Die große Boeing und die kleine Awa, wie geht das zusammen?, hat sich Kasel manchmal selbst gefragt. "Ich lasse mein Knie auch dort operieren, wo es am besten gemacht wird. Das sollten sie mit Ihren Ausbildungs-Angeboten genauso sehen", hat der kaufmännische Direktor der FACC AG, ein österreichischer Flugzeugkomponentenhersteller, darauf geantwortet.

 

Weil beim Awa eben etwas angeboten wird, was man nicht an jeder Ecke bekommt. "Es gehört zur Überlebenskunst, sich von anderen abzuheben", sagt der Chef, der eine feine Antenne für die aktuelle Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt hat, wie seine Mitarbeiter bestätigen. Und alle gemeinsam sind sie durchaus bereit, wenn es sein muss, ins kalte Wasser zu springen, Risiken einzugehen. Die Ansiedlung der Kunststofftechnik Nobitz GmbH (KTN) als wichtiger Zulieferer für Airbus hätte es ohne den Awa nicht gegeben, denn die ersten hundert Mitarbeiter wurden hier ausgebildet. Und das, obwohl bis dato in der Mehringstraße noch niemand etwas mit Kunststoff-Verbundwerkstoffen am Hut hatte.

 

Es hat sich also inzwischen weit herumgesprochen, dass in Altenburg auf hohem Niveau und entsprechend dem Bedarf der Industrie ausgebildet wird. Einer, der dies als Standortfaktor für seine Stadt besonders zu schätzen weiß, ist Oberbürgermeister Michael Wolf. "Die praxisnahe Ausbildung an hochmoderner Technik und in zukunftsträchtigen Branchen der Wirtschaft ist ein Wettbewerbsvorteil gegenüber traditionellen Ausbildern", so der SPD-Politiker.

 

Und noch einen Vorteil gibt es. Da aufgrund der Gemeinnützigkeit kein Gewinn erwirtschaftet werden muss, fließt jeder Cent, der übrig bleibt, in die Ausbildung und den Standort zurück. So erhält das längst auf Vordermann gebrachte, einst so unfertige Gebäude ab Montag als letzten Schliff für 150 000 Euro neue Fenster. Natürlich blaue. © Kommentar Seite 11

Paul, Ellen

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