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Altenburg Wassermühle Schloßig beteiligt sich am deutschen Mühlentag
Region Altenburg Wassermühle Schloßig beteiligt sich am deutschen Mühlentag
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14:25 06.05.2017
Die braunen Walzenstühle (Bildmitte) waren eine der letzten Investitionen in die Mühle der Köhlers. In ihnen zermahlen zwei gegenläufige Walzen das Korn. Quelle: Jörg Reuter
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Schloßig

Einst gab es entlang der Sprotte alle paar Kilometer eine Mühle. Doch kaum eine davon hat die Zeiten überdauert. An manche erinnern nur noch Erzählungen, von anderen existieren noch Gebäudeteile, tatsächlich komplett erhalten ist hingegen noch die im Schmöllner Ortsteil Schloßig. Auch wenn sie seit über 30 Jahren stillsteht, haben in den nächsten Wochen die Erben einiges zu tun an der alten Maschine. Sie werden putzen und aufräumen und den Mühlen-Vierseithof herrichten, um zu Pfingsten im Rahmen des deutschen Mühlentags viele Gäste empfangen zu können und ihnen etwas zu bieten.

„Die Organisatoren des Mühlentags haben angefragt, ob wir uns in diesem Jahr außer der Reihe beteiligen würden“, sagt Hans-Jürgen Krause, Vorsitzender des Heimat- und Verschönerungsvereins Schmölln, der mit seinen Leuten die Eigentümer unterstützt. Normalerweise, so erzählt Falko Köhler, Sohn des letzten Müllers, öffnen sie nur alle zwei Jahre die alte Maschine für die Öffentlichkeit. „Das reicht eigentlich aus, aber weil diesmal die große Eröffnung des Mühlentags in Lumpzig stattfindet, haben wir gesagt, wir machen mit.“ Zwischen 10 und 16 Uhr wird es Kaffee und Kuchen für Besucher geben und natürlich Mühlenführungen.

„Mein Großvater hat die Wassermühle Anfang des 20. Jahrhunderts aus einer Konkursmasse heraus erstanden“, erzählt der ehemalige Bürgermeister der Stadt Schmölln, Herbert Köhler. Wohnungen sollten in der Immobilie entstehen, doch die Wirren des Ersten Weltkriegs vereitelten die Pläne, plaudert Herbert Köhler aus der Familiengeschichte. Deshalb ergriff einer der Söhne, Herbert Köhlers Onkel und Falko Köhlers Opa, den Beruf des Müllers und betrieb die Anlage.

Doch das Glück haderte immer etwas mit der Mühle, die in ihrer Geschichte ein ums andere Mal pleite ging und den Besitzer wechselte. 1944 dann musste der Müller, Falko Köhlers Großvater, in den Zweiten Weltkrieg ziehen, aus dem er nicht zurückkam. „Nachfolger wurde dann mein Vater Eberhard“, sagt Falko Köhler, der die Erbengemeinschaft des Gutes vertritt.

Bis 1985 betrieb Eberhard Köhler die Mühle, deren Ersterwähnung ins Jahr 1600 fällt. Im ausgehenden 20. Jahrhundert konnte sie jedoch immer weniger mit dem Takt der Moderne Schritt halten. Dagegen half weder die Investition in drei neue Walzenstühle noch die automatische Getreideannahme aus den Siebzigerjahren.

„Mein Bruder hat am Ende so wenig verdient, das ging nicht mehr, er musste aufhören“, erinnert sich Hellgart Köhler, die dafür verantwortlich ist, dass die alte Mühle noch heute so gepflegt aussieht, als würde hier noch täglich gearbeitet. „Theoretisch wäre das möglich“, meint Herbert Köhler. Zumindest sei alles noch vorhanden und mehr oder weniger an dem Platz, wo es sein Vater aufgegeben hat, schränkt Falko Köhler ein.

Und so können die Besucher zu Pfingsten die Mühle besichtigen. Angetrieben wurde sie übrigens seit Ewigkeiten von einer Turbine und nicht von einem Wasserrad, was mancher wohl erwartet. „Die Turbine hat aber keinen Strom erzeugt, sondern die Kraft über Wellen und Transmission direkt zu den Mahlwerken übertragen“, erläutert Falko Köhler. Der Unterschied ist: Ein Mühlrad steht senkrecht in einem Wasserlauf, eine Turbine dagegen ist waagerecht in der Strömung. Was den Vorteil hat, dass bei einer Turbine stets alle Schaufeln Kraft erzeugen während beim Wasserrad immer nur ein Teil arbeitet.

Von Jörg Reuter

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