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Weihnachten im Klinikum Altenburger Land

Weihnachten im Klinikum Altenburger Land

Im Klinikum Altenburger Land herrscht derzeit eine Art Kehraus. Sämtliche Patienten, bei denen es medizinisch vertretbar ist, werden nach Hause entlassen.

Altenburg.

 

 

 

 

Von Jörg Wolf

"Für mich wäre das der Horror, ohne Paps unterm Weihnachtsbaum sitzen zu müssen", bestätigt Diana Müller. Die junge Frau wartet mit Sohnemann in der gut gefüllten Cafeteria, bis die letzten Formalitäten für die Entlassung ihres Vaters erledigt sind. "Diese Ungewissheit, ob er rauskommt oder nicht, hat schon ganz schön an den Nerven gezerrt. Wir haben jedes Jahr gemeinsam gefeiert", fügt sie hinzu. Dann kommt der Paps, und die Familie hat es plötzlich ziemlich eilig, das Klinikum zu verlassen. Nicht, dass es sich die Ärzte doch noch anders überlegen ...

Ein Bild, das sich dieser Tage dutzendfach in ähnlicher Form wiederholt. Diejenigen, die auf den Zimmern zurückbleiben müssen, weil die Entlassung oder wenigstens eine Beurlaubung medizinisch nicht vertretbar sind, tragen schwer an diesem Schicksal.

"Ist ein ziemlich komisches Gefühl, hier zu liegen und nicht zu wissen, ob es heim geht oder nicht", sagt Dirk Elas leise. Der 46-Jährige aus der Nähe des Hermsdorfer Kreuzes wurde vergangene Woche eingewiesen und hat strikte Bettruhe. Der Entscheidung, ob er das Fest der Feste im Klinikum verbringen muss oder doch nach Hause darf, sieht er äußerlich zwar recht gelassen entgegen. Aber nach einigem Nachdenken merkt man ihm an, wie schwer er daran zu kauen hat. "Klar würde die Familie herkommen. Aber sie haben weit zu fahren und können ja auch nicht die ganze Zeit bleiben. Deshalb hoffe ich bis zuletzt auf die Entlassung."

Klinik-Sprecherin Christine Helbig weiß sehr gut um die gedrückten Gemütslagen all jener, die am Waldessaum weiter das Bett hüten müssen. "Wie viele Patienten das genau sein werden, vermag ich nicht zu sagen, weil bis zuletzt über Entlassungen entschieden wird." Im Klinikum selbst versucht die Belegschaft, so viel weihnachtliches Ambiente zu schaffen, wie irgend möglich. "Schon mit dem Adventsbeginn haben unsere Hausmeister Weihnachtsbäume auf den Stationen aufgestellt und geschmückt." Auch die Kinder aus der Kita "Bärenstark" haben einen Baum im Foyer angeputzt.

Der 14-köpfige Krankenhaus- und der Gospelchor waren regelmäßig in den einzelnen Abteilungen unterwegs, um weihnachtliche Lieder zu singen. "Das kommt bei Patienten wie Personal sehr gut an", weiß Helbig. Dabei ist ihr völlig klar, dass diese Einstimmung nur ein schwacher Trost für all jene ist, die bleiben müssen.

"Weshalb wir zum Fest auch sämtliche Vorschriften so weit wie möglich lockern werden. So gib es beispielsweise mit Ausnahme der Nachtruhe keinerlei Einschränkungen bei den Besuchszeiten." In der Vergangenheit sei es durchaus vorgekommen, dass innerfamiliäre Weihnachtsfeiern samt Bescherung für alle kurzerhand ans Krankenbett des lieben Angehörigen verlegt wurden. "Schwestern und Pfleger machen alles, was möglich ist und halten sich sonst dezent zurück, um das Familiäre einer solchen Feier nicht zu stören", berichtet die Sprecherin. So Betreuung nicht ausdrückliche gewünscht ist. "Auf jeden Fall bleibt in unserem Haus niemand allein, auch wenn Familienanschluss fehlt. Da ist immer auch jemand da, der einen in den Arm nehmen und trösten kann." Man rücke eben enger zusammen, was angesichts der niedrigeren Belegungszahl gut machbar sei. "Alle Türen stehen Weihnachten auf", sagt Ute Männel, Schwester in der Kardiologie.

Beistand gibt in diesen Stunden auch die Kirche. Krankenhaus-Seelsorgerin Christine Hauskeller wird am ersten Feiertag im Andachtsraum des Hauses einen Gottesdienst mit Abendmahl halten. "Der Gottesdienst wird auch auf unserem Krankenhaus-Kanal im Fernsehen übertragen, sodass ihn auch alle Bettlägerigen verfolgen können."

Eine besonders intensive Betreuung erfahren übers Fest die Kinder, die bleiben müssen, sowie die jungen Mütter, die gerade entbunden haben. "Zwei bis drei Kinder können jedes Jahr leider nicht entlassen werden", weiß Christine Helbig. Zwei Schwestern betreuen die im Haus verbliebenen Kinder. "Praktisch ist für jedes Kind eine Schwester rund um die Uhr da, weshalb eine intensive Betreuung möglich ist", weiß Helbig. "Die sonst obligatorische Mittagsruhe entfällt zu Weihnachten und auch der Fernseher darf ausnahmsweise nonstop laufen. Ansonsten spielen wir mit den Kindern, lesen vor. Alles soll so entspannt, wie möglich sein", sagt Stationsschwester Renate Steinbock.

Was auch für die Mutter-Kind-Station zutrifft, wo Weihnachten Familientreffen am Bett der jungen Mutti und des Neuankömmlings die Regel sind. "Das größte Geschenk liegt ja hier, weshalb die ganze Familie vorbeischaut", hebt Schwester Kerstin Zetzsche hervor. Dass dann am Krankenbett die Familien gemeinsam mitgebrachte Festmenüs genießen oder - ein paar Tage später zu Silvester - nächtens frischgebackene Vatis mit ihrer Lieben um Mitternacht auf den Neuankömmling anstoßen, komme häufig vor und sei problemlos möglich.

Stichwort Essen: Im wöchentlichen Speiseplan ist nur "Weihnachtsmenü" zu lesen. Auch so eine kleine Überraschung im Klinikum, wo das Essen einen hohen Stellenwert einnimmt. "Der Plan steht natürlich", betont Christine Helbig. So viel sei schon verraten: Heiligabend gibt's traditionell Kartoffelsalat und an den Feiertagen Gänsebraten und Kaninchenbraten. Irgendwie, wie zu Hause.

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