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Weihnachtsausstellung im Schloss zeigt Spielzeug aus 40 Jahren DDR

Altenburg Weihnachtsausstellung im Schloss zeigt Spielzeug aus 40 Jahren DDR

In Erinnerungen schwelgen kann man derzeit im Altenburger Schlossmuseum. Denn die aktuelle Weihnachtsausstellung zeigt Spielzeug aus 40 Jahren DDR. Von Puppenstuben über Kaufmannsläden und Baukästen bis Autos – alles ist noch einmal zu sehen.

Kennen viele noch – die Puppenstube made in GDR.

Quelle: Adeline Bruzat

Altenburg. Die Weihnachtszeit ist die Zeit strahlender Kinderaugen. Doch manchmal bringt man auch die Augen von Erwachsenen so richtig zum Leuchten – und es bedarf dazu nicht mal der Weißgold-Kette mit passendem Ring oder der Cartier-Uhr. Nein, es reicht eine Puppenstube, eine Holzeisenbahn, ein Baukasten oder eine Puppe, allesamt „made in GDR“. So geschehen am Sonntag im Altenburger Schlossmuseum, wo mit der diesjährigen Weihnachtsausstellung unter dem Motto „Für kleine Leute mit großer Zukunft – 40 Jahre DDR-Spielzeuggeschichte“ zu einer Reise in die jüngere Vergangenheit eingeladen wird.

Eine Reise, die die überwiegende Mehrheit der überaus zahlreichen Besucher in die eigene Kindheit und/oder die Zeit ihrer jungen Elternschaft entführte. „Mit Abstand betrachtet, erkennt man den DDR-Alltag im Spielzeug wieder. So jedenfalls erging es uns Museumsmitarbeitern beim Aufbau der Ausstellung“, bekannte Gabriele Heinicke in ihrer Eröffnungsrede. Auch der Hausmeister habe sich erinnert, wie er mit seinen Kindern stundenlang auf der Treppe saß und Schaffner spielte. „Wir wollen erreichen, dass möglichst viele Besucher nicht nur in Erinnerungen schwelgen, sondern mit ihren Kindern oder Enkeln reden, aus ihrer Jugend und ihren Erlebnissen erzählen. Das kommt heute einfach viel zu kurz“, so Heinicke.

Eric Palitzsch mit Pittiplatsch und Minolpirol

Eric Palitzsch mit Pittiplatsch und Minolpirol.

Quelle: Ralf Hirschberger

Einer, der dieses Geschichten-Erzählen rund um das ausgestellte Spielzeug – wie viele Exponate es genau sind, hat das Museum noch gar nicht errechnet – besonders gut kann, ist Eric Palitzsch. Ihm nämlich gehören all die Sachen, die am Sonntag so manchem Besucher ein jubilierendes „Guck doch mal, das hatte ich auch!“ entlockten. Schon im Alter von 16 Jahren, und damit ungewöhnlich jung, begann der Rabenauer kurz nach der Wende mit dem Sammeln von DDR-Spielzeug. Und das hatte einen einfachen Grund: In seiner Familie mit fünf Kindern war es üblich, Spielsachen an die Geschwister weiterzureichen. Als Zweitältester war Eric zudem dafür verantwortlich, kaputte Dinge zu reparieren. „Doch nach der Wende wollten meine jüngeren Brüder wie alle anderen auch das Westspielzeug, ließen die DDR-Sachen links liegen. Mir aber war es zum Wegschmeißen zu schade“, erzählt der 43-Jährige.

Seine Sammelleidenschaft war entfacht. Er übernahm alte Stücke, die Kindergärten oder Bekannte entsorgten. Er entrümpelte Dachböden und suchte nach Ersatzteilen, um kaputte Raritäten zu reparieren. Noch heute kann Eric Palitzsch an keinem Sperrmüll-Haufen vorbeigehen, den andere zur Entsorgung vor der Haustür ablagern, fährt kilometerweit auf Flohmärkte und stöbert im Internet. Mehrere tausend Objekte aus der Zeit zwischen 1949 und 1990 sind so mittlerweile zusammengekommen. Sie füllen ein Lager außerhalb seiner Wohnung in Rabenau bei Dresden.

Waschmaschinen, Staubsauger und Mixer für den Puppenhaushalt, Schiffe, Raketen, Autos, Dampfmaschinen, Puppenstuben und Kaufmannsläden, Baukästen und vieles mehr ist nun auch in Altenburg zu sehen. „Trotzdem gibt es noch etliche Lücken. Es gibt noch viel zu tun“, gestand der gelernte Elektriker und Industriemechaniker, der heute im Landmaschinenhandel arbeitet. Nur auf Modelleisenbahnen verzichtet er, das übersteige seine Kraft und sein Budget. Doch an Originalverpackungen, Spielanleitungen, Kassenzetteln, Garantie- und Reparaturscheinen oder Werbekatalogen hat er großes Interesse, um den Zeitgeist zu dokumentieren. So sind beispielsweise Quelle-Kataloge aus den 70er- und 80er-Jahren zu sehen, in denen munter das Spielzeug aus dem Osten angeboten wird. Als Beweis steht gleich daneben ein Tankauto mit der Aufschrift „Shell“.

„Die Spielzeugindustrie war in der DDR ein guter Devisen-Beschaffer. Eigentlich kann man in der Spielzeugwelt die ganze DDR-Geschichte ablesen“, sagt Palitzsch und betont zugleich, mit seinen Sammelobjekten, die er seit 16 Jahren regelmäßig auf Wanderausstellungen zeigt, nicht politisieren, sondern Geschichte dokumentieren zu wollen. Wie anerkannt der Rabenauer inzwischen ist, zeigt nicht zuletzt seine Ausstellung im berühmten Nürnberger Spielzeugmuseum, die er dort 25 Jahre nach dem Mauerfall im Jahr 2014 hatte.

Vor allem aber gibt ihm die Faszination seines Publikums recht. „Ein Vero-Construct-Baukasten, das ist ja toll“, schallte es am Sonntag aus der einen Ecke. „So’n Kasperle-Theater hatten wir auch“, aus der anderen. Undine Puhl aus Altenburg kam mit dem Aufzählen ihrer „Schätze“ gleich gar nicht nach. „Ich glaube, eine Vitrine zumindest könnten wir auch füllen“, ist sie überzeugt.

Die Ausstellung ist noch bis zum 26. Februar zu den Öffnungszeiten des Schlossmuseums zu sehen. An diesem Sonntag, dem 4. Dezember, wird zudem von 11 bis 16 Uhr zu einem Aktions- und Funktionstag eingeladen. Dann wird DDR-Spielzeug nicht nur in Vitrinen, sondern in Aktion gezeigt. Außerdem kann man eigenes Spielzeug aus Kindertagen mitbringen. Eric Palitzsch ist wieder mit dabei.

Von Ellen Paul

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