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Weihnachtsoratorium – mal nicht von Bach

Altenburger Brüderkirche Weihnachtsoratorium – mal nicht von Bach

Der Altenburger Kantor Philipp Göbel hatte sich erneut für ein Kontrastprogramm entschieden. Nicht das allerorts erklingende Weihnachtsoratorium von Bach, sondern das des französischen Romantikers Camille Saint-Saëns lag in der Brüderkirche auf den Pulten seiner Musiker. Das Publikum strömte dennoch zuhauf in das Gotteshaus und dankte mit stehenden Ovationen.

Ungewohnt, doch zu Bachs Zeiten eigentlich üblich: Beim diesjährigen Weihnachtsoratorium standen die Künstler vor der Orgel auf der Empore und nicht vor dem Altar.

Quelle: Jens Paul Taubert

Altenburg. Kantor Philipp Göbel hatte sich zum diesjährigen Weihnachtskonzert seiner Kantorei erneut für ein Kontrastprogramm entschieden. Nicht das allerorts erklingende Weihnachtsoratorium von Bach, sondern das des französischen Romantikers Camille Saint-Saëns lag am Sonntagabend in der Altenburger Brüderkirche auf den Pulten seiner Musiker.

Diese elegant dahinfließende Musik hat natürlich ihren ganz eigenen Charme und erzählt im Gegensatz zu Bach lediglich in Kurzform die Geschichte von der Krippe zu Bethlehem, um dann in unterschiedlichste Psalmverse und einen finalen Hallelujah-Jubel zu münden. Die trompetenumglänzte Pracht Bachs fehlt. Nur ein schlankes Streichorchester, kombiniert mit Harfe und Orgel, umrahmt diverse Chorsätze und Arien, Terzette und Quartette der Gesangssolisten.

Insofern ist es eine lobenswerte, aber gewagte Idee von Philipp Göbel, dieses in unseren Breiten weit weniger beachtete Oratorium immer wieder einmal auf den Spielplan zusetzen. Die nahezu ausverkaufte Brüderkirche zeigte jedoch, dass sich auch das Altenburger Publikum an dieser Musik erfreut und sie gerne annimmt. Dazu trug natürlich die hohe Qualität der Aufführung bei, obwohl man dann und wann schon bemerkte, dass dieses Mal mit heißer Nadel gestrickt wurde. Krankheitsbedingt musste kurzfristig der Organist Georg Wendt absagen, so dass von jetzt auf gleich Ersatz benötigt wurde. Diese heikle Aufgabe hatte Holger Schmidt aus Leisnig übernommen und überzeugend bewältigt. Dafür gebührt ihm großes Lob. Kleine Ungenauigkeiten im Zusammenspiel oder ein etwas misslungener Einsatz ließen sich dadurch nicht vermeiden, verdienen aber keinerlei Häme.

Da Saint-Saëns’ Oratorium nicht abendfüllend ist, erklang eingangs ein in Altenburg kaum bekanntes Werk von Leonard Bernstein, nämlich dessen Chichester Psalms aus dem Jahr 1965. Wer auf den Sound von Bernsteins „West Side Story“ fixiert war, dürfte sicherlich beim Eingangschor, der zunächst etwas atonal daherkommt, einigermaßen geschockt gewesen sein. Doch danach öffnet der Komponist das Zauberkästchen seiner prallen und sufisanten Melodien, unterstützt vom swingenden Rhythmus des Schlagwerkes.

Vom ersten Ton an spürte man, dass diese Musik auch dem gesamten Ensemble einschließlich der Chöre große Freude bereitete. Bezaubernd, klar und strahlend erklangen in einem langangelegten Solo die Stimmen des Kinderchores vom Christlichen Spalatin-Gymnasium (Einstudierung Carmela Kürschner), dezent begleitet vom Saitenspiel der Harfe. Die Altenburger Kantorei stand dem nicht nach, wobei die markanten musikalischen Impulse von den sehr gut aufgestellten Männerstimmen ausgingen, während die Frauenstimmen bei einigen hohen Passagen etwas ins Straucheln gerieten. Das begleitende Orchester zeigte sich allzeit auf der Höhe der Anforderungen.

Es war ohnehin erstaunlich, wie dieses doch relativ große Ensemble auf der Empore, die schier aus allen Nähten zu platzen drohte, Platz fand. Doch angesichts der beteiligten Orgel kam eine Aufführung am Altarplatz nicht in Frage, zumal diese Praxis durchaus auch zu Bachs Zeiten üblich war.

Der Altenburger Kantor Philipp Göbel hatte dramaturgisch diese beiden sehr gegensätzlichen Werke sehr geschickt miteinander verknüpft, indem er der amerikanischen Klangwelt Bernsteins anhand von zwei Tänzen für Harfe und Streicher den französischen Impressionismus Claude Debussys folgen ließ, bevor dann das Oratorium von Saint-Saëns das Konzert beendete.

Die Berliner Harfenistin Sissi Makropoulou brillierte mit den üppigen Soli bei allen drei Werken des Abends. Und auch das Solistenteam mit Birte Bulawik und ihrem strahlenden, treffsicheren Sopran, Anna Lapkovskaja und Saskia Klumpp in der tieferen Stimmlage, dem sich steigernden Tenor Jeffrey Krueger sowie mit dem ebenfalls kurzfristig eingesprungenen kraftvollen Leipziger Bassisten Dirk Schmidt trug wesentlich zum Gelingen dieses Konzertes bei.

Am Ende lang anhaltender Beifall und Standing Ovations für die Leistung von Philipp Göbel und seinem Ensemble bei den Plätzen unten im Kirchenschiff – sicherlich auch, um das Künstlerensemble einmal richtig zu Gesicht zu bekommen.

Von Felix Friedrich

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