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"Weil mich alles daran fasziniert" - Generalintendant Kay Kuntze vor der Premiere seiner Inszenierung "Chess" im OVZ-Interview

"Weil mich alles daran fasziniert" - Generalintendant Kay Kuntze vor der Premiere seiner Inszenierung "Chess" im OVZ-Interview

Morgen Abend ist es so weit. Dann hebt sich im Altenburger Landestheater erstmals der Vorhang für das mit Spannung erwartete neue Musical "Chess".

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Kay Kuntze vor dem Landestheater.

Altenburg. OVZ: In Altenburg gibt es eine lange und namhafte Musical-Tradition, die von Buddy Holly über Grease, Rocky Horror und Les Misérables bis zu Woodstock reicht. Warum haben Sie sich für das ziemlich unbekannte Chess und nicht für etwas "Gängiges" entschieden?

Kay Kuntze: Weil mich an diesem Stück von der Musik über die Geschichte bis zur Dramaturgie einfach alles fasziniert. Es hat beispielsweise operettenhafte Züge, ist zugleich teilweise ganz klassisch komponiert, und dann gibt es Rockmusik sowie Pop-Baladen im typischen Abba-Sound. Es bedarf eines Sinfonieorchesters und einer Band. Es ist eine Mischung zwischen Politthriller und großem Rock- beziehungsweise Popkonzert. Auf der einen Seite lebt es von großen Shownummern, und auf der anderen ist es zugleich sehr ernst.

Kann man mit einer Geschichte, die im Kalten Krieg spielt, heute noch Leute hinterm Ofen hervorlocken?

Mitten in der Breshnew-Arä geschrieben, war das Stück von großer Brisanz, verlor dann aber mit dem Fall des Eisernen Vorhangs ganz schnell an Aktualität. 1989 floppte es folgerichtig am Broadway gewaltig. Aber inzwischen kann es schon wieder aus einer historischen Distanz betrachtet werden. Es ist jetzt schon Geschichte, wie auch die französische Geschichte Historie ist. Meine Tochter beispielsweise kann mit dem Fall der Mauer persönlich gar nichts anfangen, während es für mich gelebte Wirklichkeit war. Ich bin als Westberliner an der Mauer groß geworden. Der Garten meiner Eltern wurde durch sie begrenzt. Darauf haben wir beim Fußballspielen unser Tor gemalt. Und manchmal flog der Ball auch rüber. Für mich sind das alles noch sehr präsente Bilder, auch die Schachweltmeisterschaft zwischen Fischer und Spaski 1972 in Reykjavík.

Und genau darum geht es ja.

Ja und nein. Ich finde Chess dramaturgisch so brillant, weil es eben nicht nur um eine Schachweltmeisterschaft geht. Vielmehr ist das Ganze wie ein Schachspiel. Eine Figur bewegt sich und löst eine Reaktion auf der anderen Seite aus, aber man weiß nie genau welche. Oft ist zudem unklar, wer ist Spieler und wer Schachfigur.

Wann haben Sie das Musical eigentlich selbst das erste Mal gesehen?

Noch nie vorher.

Wie sind Sie dann darauf gekommen?

Ich sollte in Bielefeld am Theater ein neues Musical inszenieren. Ich war in der Vorbereitung schon sehr weit, als der Intendant mir eröffnete, dass der Verlag die Rechte nicht freigibt. So musste ganz schnell ein neues Stück gefunden werden. Ich mochte die Musik, kannte das berühmte schwarze Album mit den weißen Karos, hatte mich aber noch nie mit dem Stück beschäftigt. Mich hat jedoch die Idee, über eine Schachweltmeisterschaft ein Musical zu machen, fasziniert. Also haben wir uns auf "Chess" geeinigt.

Und Sie haben es gleich nach Altenburg mitbringen können?

Als die Verträge unterschrieben wurden, war schon die Phase, in der das Thema Intendanz in Altenburg-Gera für mich spruchreif wurde. Deshalb war mein Vorschlag, daraus eine Koproduktion zwischen Bielefeld und Altenburg-Gera zu machen.

Was heißt das konkret?

Das Bühnenbild ist in Bielefeld hergestellt worden, musste also nur noch an die Gegebenheiten des Altenburger Hauses angepasst werden. Und die Kostüme werden ebenfalls übernommen. Sonst hätten wir es so schnell im Landestheater gar nicht auf die Bühne bringen können. Aber alles andere machen wir neu. Es ist insgesamt eine überaus aufwendige Produktion, aber wir sind das Projekt angegangen.

Kann man sich angesichts der jüngsten Diskussionen um die Theaterfinanzierung einen solchen Aufwand überhaupt leisten?

Man muss. Altenburg hat es verdient, stolz auf sein Theater zu sein. Da geht es nicht immer nur kleiner und noch kleiner, weniger und noch weniger. Das kann nicht der Sinn sein. Dann schafft Theater sich irgendwann selbst ab. Man muss auf sich aufmerksam machen und dem Publikum etwas bieten. Es müssen auch mal große Stücke sein.

Und es sind nach längerer Pause auch wieder Gäste verpflichtet worden.

Richtig. Es gehört ja zu den Sparmaßnahmen, möglichst alles aus eigener Kraft zu schaffen. Wir arbeiten deshalb in dieser Spielzeit erneut mit nur ganz wenigen Gästen. Aber wir sind ein sehr kleines Sängerensemble. Deshalb haben wir uns entschieden, für die drei Hauptrollen Gäste unter Vertrag zunehmen. Das hat uns ermöglicht, unsere neuen Sängerinnen und Sänger in das laufende Repertoire einzuarbeiten. Das wäre unmöglich gewesen, wenn ich sie ständig für die Musical-Proben gebraucht hätte.

Wie haben Sie Ihre Protagonisten gefunden?

Nach monatelanger und intensiver Suche mit zahlreichen Vorsingen. Es sind tolle Sänger, die bereits in namhaften anderen Musical-Produktionen von sich reden machten. Wir haben ein tolles Team zusammen.

Wie groß ist dennoch so kurz vor der Premiere das Lampenfieber.

Ich habe schon gemerkt, dass in Altenburg mit seiner Musical-Affinität eine gewisse Spannung da ist. Und ich bin natürlich selbst total gespannt und aufgeregt, wie das neue Musical angenommen wird, wie es läuft.

Wie ist es denn in Bielefeld gelaufen?

Ausnehmend gut. Es wurde um die 40 Mal gespielt, war immer ausverkauft und der Run auf die Karten immens. Man hätte es dort locker mindestens noch eine Spielzeit weiter spielen können, aber da war die Sache mit Altenburg schon verabredet.

Interview: Ellen Paul

Das Musical "Chess" (Schach) ist ein Politthriller, in dem Liebe und Eifersucht genauso das Spiel beeinflussen wie der Kalte Krieg. Das Schachspiel wird zur Chiffre für die Weltpolitik wie auch für private Beziehungskonstellationen. 1986 im Londoner Prince-Edward-Theatre uraufgeführt, sorgen der Plot, vor allem aber die Musik von Benny Andersson und Björn Ulvaeus (Abba) für Begeisterungsstürme. "One Night in Bangkok" und "I Know Him So Well" sind wohl die bekanntesten Hits des Musicals.

Der Plot: Im beschaulichen Meran, Südtirol, findet die Schachweltmeisterschaft statt. Der amerikanische Titelverteidiger Frederick Trumper wird vom Russen Anatoly Sergievsky herausgefordert - zu Zeiten des Kalten Krieges eine hochpolitische Angelegenheit. So wird von beiden Seiten versucht, mit unlauteren Mitteln Einfluss auf das große Duell zu nehmen: Pressekonferenzen, geheime Treffen, illegale Absprachen. Eine besondere Rolle spielt hierbei die schöne Ungarin Florence Vassy, eigentlich Fredericks Sekundantin, die sich im Laufe des Turniers in dessen Kontrahenten verliebt. Anatoly gewinnt das Turnier - und läuft anschließend in die USA über. Ein Jahr später muss der Champion sich im thailändischen Bangkok einem jungen russischen Herausforderer stellen. Anatoly ist noch immer mit Florence liiert. Die Situation spitzt sich zu, als die UdSSR seiner Ehefrau Svetlana überraschend die Ausreise gewährt, und auch Frederick taucht wieder auf ...

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